Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 10 (6.1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 408 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
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Seite 408 der Väter, die er verliess, wiederzufinden. Er treibt jüdische Geschichte. Ist der junge, suchende Jude wieder auf diesen geraden Weg, der von der Urzeit her zu uns führt, gestossen, dann ist er wieder im Rahmen der jüdischen Bindung zu Gott und der Lehre.Auf dem jüdischen Weg erst ist er wieder Faktor jüdischer Geschichte. Wie aber lässt sich dieser Weg finden? Es kann nicht damit genug getan sein, daß man sich ernsthaft dem Studium des äusseren Verlaufes der Ereignisse in den Jahrtausenden unterwirft. Damit wäre nichts weiter getan, als die äussere Linie nachgezogen, nach der sich unsere Geschichte, bald auf, bald ab, vor den Augen der Welt abspielte. Wer nur blindlings dem Gang der Ereignisse folgt, er gleicht dem tastenden Kinde, er wird nicht begreifen, warum die Kurve so und nicht anders in der jüdischen Schicksalslinie verläuft. Gleich dem Kinde fühlt er, was rund und was spitz, was geruhsam und wild, er wird aber nicht den Sinn des Auf- und Abstieges der jüdischen Gemeinschaft verstehen. Das aber allein, die Fähigkeit der Deutung jüdischer Geschichte, ist der Weg, den wir suchen, um aus ihm für unsere Zukunft zu lernen. Die Bindung lässt sich aber nur zwischen den Zeilen unserer Geschichtswerke finden. Bücher fahren meist nur die Kurve nach; es liegt "an uns, zwischen den Zeilen zu lesen. Versuchen wir also endlich, uns von den äusseren Geschehnissen zu lösen, gehen wir unsrem Judenschicksal, wie die Jahrtausende es uns zeigt auf den Grund. Lassen wir das kindliche Nachfahren der Kurve, suchen wir die starke Wurzel unserer Kraft, suchen wir nach den Ursachen unseres jüdischen Weges; erst dann ist Geschichte uns zum Lehrmeister geworden, dann erst können wir uns in unsrem Leben auf sie berufen. Darum jüdische Jugend: Auf, geh' hin und lerne! Hans Grünewald 5 Stundenflug über Haifa Seit drei Tagen und Nächten bläst es mit unverminderter Stärke von Nordwesten, vom Meer her. Das sind die letzten palästinensischen Wintertage. Die hohen, dunkelgrünen Zypressen, die sich am Kamm des Karmel hinziehen, biegen sich im Sturm und schütteln sich unmutig unter den kurzen aber kräftigen Regenschauern. Finstere Wolken eilen am grauen Himmel. Tief unten, fast verschwunden im Dunst, liegt Haifa. Zehn Mann montieren in fliegender Eile, aber mit größter Genauigkeit die „S. S. Tel Aviv", das eine unserer beiden Segelflugzeuge, mit denen wir aus Deutschland gekommen sind, um die Möglichkeiten für den motorlosen Flug in Palästina zu untersuchen. Alle Mann müssen den großen blauen Vogel mit den silbergrauen Flügeln festhalten, wenn er bei dem starken Gegenwind nicht von selbst in die Lüfte steigen soll. Der Pilot, alter C-Flieger und Inhaber des Motorflugscheins, steigt in den Sitz. Fest schliessen sich die Anschnallgurte über Schultern und Hüften. Heute will er die Leistungen der Vortage übertreffen. Der Flieger, der vorgestern über eine Stunde und gestern fast dreieinhalb Stunden über Haifa segelte, gibt dem Kameraden gute Ratschläge, wo er den günstigsten Aufwind finde, wo sich gefährliche Wirbel bildeten, wo das Landegelände geeignet, wo es zu steinig sei. „Alle Mann an die Seile". Zwei kräftige Palästinenser, die gespannt zuschauen, werden zur Hilfeleistung aufgefordert. Sechs Mann stehen jetzt an jedem Ende des Startseils. „Startmannschaft fertig?" .— „Fertig". — „Ausziehen! — Laufen! — Los!" — Mit hellem Singen steigt die Maschine in die Luft, gewinnt schnell an Höhe, scheint einen Augenblick fast stillzustehen und schwenkt dann in einer scharfen Linkskurve in Hangrichtung ein. Nach wenigen Minuten ist die Maschine mehrere hundert Meter hoch. Schon hat sie die Höhe der jagenden Regenwolken erreicht. Ab und zu verschwindet sie im Grau, um gleich darauf an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen. Immer mehr lässt sie sich in die Ferne treiben, segelt bald an diesem, bald an jenem Hang, schwebt wohl auch eine Zeitlang über der Stadt und erscheint dann plötzlich, den Wind im Rücken, mit großer Geschwindigkeit wieder über dem Startplatz. Froh rollen wir das Startseil ein und vertäuen den Transportwagen. Den holt so leicht keiner runter. „Ein Mann Aussen wache, die übrigen zum Essen!" — Ich übernehme die erste Wache. Mit Regenmantel und Feldstecher bewaffnet, klettere ich auf das flache Dach unseres Quartierhauses, um das Flugzeug ständig im Auge zu behalten und bei Landung sofort Meldung zu erstatten. Als ich nach einer Stunde abgelöst werde, schwebt die Maschine immer noch hoch über, dem Karmel. Stunden vergehen so. Nach mehr als fünf Stunden entschwindet der Riesenvogel unseren Augen. Gleich darauf erhalten wir telefonisch die Meldung, das Flugzeug sei unter Fanghöhe und wolle anseheinend zum Landen ansetzen. Der Motor unseres Transportwagens läuft schon. Alle Mann springen auf. So schnell es der steinige Weg zulässt, rasen wir ins Tal hinunter. Wo die Maschine gelandet ist, wissen wir nicht genau. Wir fahren die Küste entlang, spähen die Strasse hinauf und hinab und bangen im Innern ein wenig, ob alles glatt gegangen ist. Das Land ist felsig und steinübersät und eine Landung nicht ganz einfach. Ein arabisches Auto kommt uns entgegen. Wir halten es an: „aviron— Flugzeug?", das ist das einzige Wort, mit dem wir dem Fahrer klar machen können, was wir suchen, und dazu ein hebräisches. Aber er versteht. Ja, dort, dort — und er deutet in die Ferne. Wir fahren weiter. Da taucht plötzlich ein kleiner blauer Fleck im grünen Feld auf. Wir fahren darauf zu. Kreischend bremst der Wagen vor dem Flugzeug. DerPilot kommt lachend auf uns zu : „Fünf Stunden 15 Minuten, neuer Palästinarekord!" — „Und die Maschine?" — „Alles in Ordnung!" Hans Levi Elternabend Habonim Noar Chaluzi Die Jüdische Jugendgemeinschaft Habonim Noar Chaluzi veranstaltete in der Aula des Philanthropins einen Eltern- und Freundes abend. Der Bund, aus dem Brith Haolim und dem Kadimah hervorgegangen, besteht nun als Habonim 2 Jahre. Es war das erste Mal, daß der Habonim mit einer Veranstaltung, die aus. eigenen Kräften und durch sein eigenes wirkliches Leben geschaffen wurde, an die Oeffentlichkeit trat. Der Abend sollte das eigentliche Sein des Bundes darstellen. Durch das Lied „Anu nijeh harischonim" (Wir sind die Ersten) wurde die Veranstaltung eröffnet. Es folgte die Begrüssungsansprache, in der in klaren Worten zum Ausdruck gebracht wurde, daß der Abend nicht eine szenische Höchstleistung, sondern ein Versuch von jungen, in der Entwicklung begriffenen Menschen, ihre Arbeit im Bunde den Eltern und Freunden näher zu bringen, darstellen solle. — Anschliessend sang der Chor einige hebräische Lieder und Nigunim, die die Zuhörerschaft durch ihren ungeheuren Rythmus mitrissen. — Ein P i mpfenspiel zeigte, wie das Leihen und die Erziehung des Bundes auf Fahrt und in der Sichah (Heimabend) bei Jüngeren gestaltet ist. Es handelt sich in dem Spiel darum, daß es Jungens und Mädels gibt, die viel, wenig oder gar, kein Spielzeug besitzen Durch die Erziehung des Bundes sind nun die Jungens und Mädels einer Gruppe von selbst dazu gekommen, irgendeine menschliche Lösung für die soziologisch bedingte Ungerechtigkeit zu finden. Mit der K i n d e r s y m p h o n i e von Haydn schloss der erste Teil des Abends. Der zweite Teil beschäftigte sich, da der Bund ein chaluzischer Erzieh uiigsbund ist, mit dem Weg der Mittleren- und der Aelternschaft. Er wurde eingeleitet durch eine Ansprache des hiesigen Bundesleiters des Habonim. Er zeichnete noch einmal in kurzen Zügen den Weg des Bundes in den letzten 2 Jahren, ging dann auf konkrete Fragen der Erziehung über und betonte, dass die Dinge des Bundes und der jüdischen Gemeinschaft nicht nur