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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-06-01 · 10 (6.1935) · p. Seite 406

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
10 (6.1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 406 (sequence 32)
Language
German
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Seite 406 AUSLAND-, spez. PALASTINATRANSPORTE / ALBERT HERZ Koffer (Llft-Van.) Schnellverkehr mit Trajektwagen INTERNATIONALE SPEDITION SAMMELLADUNGEN EIGENE LAGERHÄUSER EIGENER FUHRPARK MSbel VERPACKUNG VERSICHERUNG nach England ohne Umladung FRANKFURT-M. Tel. 30576 Gutleutstrasse 31. Besonderheit der von uns und den zwei Generationen vor uns durchlebten Epochen jüdischer Geschichte sind diese schlichten und nur für den Kreis der Allernächsten bestimmten Werkehen schon zu historischen Quellen geworden, die uns tiefe Erkenntnisse vermitteln, trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer be- . scheidenen Art, die nur berichten, garnicht deuten und werten will. Betäubt und geblendet von dem raschen Aufstieg wagte man gewiss dessen Glanz nicht zu bezweifeln, aber uns, den nachdenklich Gewordenen, steigt ungewollt manche Sinndeutung aus diesen leisen Worten auf. Es wäre schön, wenn mein Brief Sie, liebe Freundin, anregen könnte, die Hinterlassenschaften unserer grosselterlichen Generation an Briefen, Familienpapieren, Stammbüchern auf solche Sinndeutung hin durchzusehen und auch vielleicht noch andere dazu anzuregen. Mit diesem Wunsche grüsst Sie herzlich Ihre Dora Edinger Wir würden uns freuen, auf diese Anregung hin in unserer nächsten Nummer Erinnerungen aus alten Familienpapieren bringen zu können. Die Schriftleitung der Beilage »Für die Frau" Bei der Tochter Jozef Israels Wir stehen vor einem kleinen Villenhäuschen draussen in Scheveningen in der Nähe des Meeres, inmitten eines Rosengartens, bleiben einen Augenblick im Vestibül und werden dann im hellen Zimmer mit freundlichen deutschen Worten herzlich begrüsst von einer kleinen, älteren Dame — der Tochter Jozef Israels, des berühmten holländischen Malers. Sie sieht dem Vater ähnlich, hat seine Figur, dieselben guten, klugen, hellen Augen, die durch eine kleine Brille blicken, spricht ein vorzügliches Deutsch, das sie in der Schule und auch im Hause gelernt und häufig gehört nat. — Alles offenbart den Eindruck einer feinen, vorneümen Geistigkeit. Bilder, Bücher, , Möbel. Ich frage, ob ich mir die Photographien ansehen darf. Gleich zeigt und erklärt sie mir alle: die Photographien ihres verstorbenen Mannes (eines bekannten Arztes Dr. Cohen-Terwart), zeigt Bilder der Mutter, der Geschwister und besonders die schönen Bilder des Vaters, immer mit den klugen, hellen Augen hinter der Brille verständnisvoll hervorsehend, hineinsehend ins menschliche Leben, in die menschliche Seele. — Da hängt ein großes Oelbild des Meisters: eine Fischersfrau in den Dünen, in lichtem Grau, dort spielende Rinder im Sande, ganz hell und sonnig, dort Bildnisse von ihren eigenen Kindern, und die Mitte des Zimmers krönt das große Bild Jozef Israels selber, in dunklem Mantel, mit dunklem Hut, gemalt von I s a a c, dem in diesem Jahre verstorbenen Sohn des großen Meisters. Alle Bilder sind Geschenke des Vaters an die Tochter. Wir setzen uns zum Plaudern in behagliche Sessel. Sie scheint ein wenig ermüdet von einer langen Sitzung im Provinziallandtag, dem sie als Mitglied angehört. Auf meine Frage, wieso sie zu dieser Tätigkeit komme, erzählt sie schlicht, daß sie im Haag ein interkonfessionelles Kinderheim leite. Kinder beschäftigen ihr Herz am meisten, und ihr Heim nimmt alle Kinder auf, die zu Hause gefährdet sind, durch Krankheit, durch unglückliche Familienverhältnisse, durch Ehescheidung, Streitigkeiten oder auch solche, denen Vater oder Mutter fehlen oder verstorben sind. Für diese armen Kinder hat sie das Heim geschaffen, hat fürsorgende Hilfe, Schwestern, die die Kleinen pflegen; siesagt, daß es allen Kindern draussen sehr gut gefalle, daß sie es dort sehr gut haben, und gut versorgt sind. — Es ist ihr ganz gleich, woher die Kinderstammen und von wem, es wird in diesem ihrem Heim nicht nach Konfession noch nach Stand gefragt, und nun betont sie stärker, daß sie nie und nimmer und nirgend mitarbeiten würde, wo das allgemein Menschliche nicht an erster S t e 11 e^ stünde. Helfen, wo es nötig, ist ihre Grundbedingung. — Und durch dieses Heim für gefährdete Kinder ist sie auch in die Politik gekommen, „denn", so sagt sie, „es geht nicht Eines ohne das Andere, man braucht das Eine für das Andere!" — Sie ist zu der Erkenntnis gelangt,daß eine derartige soziale Tätigkeit nur zum Erfolg führen kann, wenn auch die politischen Faktoren dafür interessiert und zu tatkräftiger Unterstützung gewonnen werden. — Aus den Verhandlungen, denen sie soeben beigewohnt, berichtet sie von einer Diskussion über Unterstützung zur Erhaltung des Spinozahauses, für die sie mit klugen, überzeugenden Worten sich eingesetztr Viel, viel Zeit fordert diese soziale Aufgabe von ihr, aber sie füllt sie aus, restlos — von morgens bis abends, sodaß sie des öfteren nicht Zeit genug findet, das Mittagsmahl in Ruhe einzunehmen. Auf dem braunen, zierlichen Schreibtisch liegt eine umfangreiche Correspondenz, die — wie mir scheint — noch der Erledigung wartet. Ein behagliches Essen vereinigt uns noch eine Stunde bei Tisch. Zwanglos spann sich die Unterhaltung fort. Mit lebhaftem Interesse erkundigte sie sich nach den Verhältnissen in Deutschland, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen, freut sich über die Ehrungen, die Liebermann zu seinem 80. und 85. Geburtstag zu teil geworden. Sie erinnert sich noch sehr wohl der Zeit, da Liebermann häufig zu ihrem Vater gekommen, sie war damals noch ein kleines Kind, und erzählt von der herzlichen Freundschaft, die die beiden großen Künstler verbunden, die bis auf den heutigen Tag noch zwischen den beiden Häusern besteht, obwohl nun in beiden der großen Meister Plätze leer geworden sind. — Jozef Israels starb 1910, Max Liebermann ist am 8. 2. 35 still zu Grabe getragen worden und Isaac Israels, der berühmte Sohn des holländischen Meisters, ist im vorigen Jahre durch einen Autounfall ums Leben gekommen. Es war Abend geworden und wir verliessen das "gastliche, schöne Haus der Tochter Jozef Israels. Ich ging mit dem Gefühl, eine jener ganz seltenen guten, klugen Frauen erlebt zu haben, die — wie der Vater — diei schöne Gabe besitzt, durch ihr Wirken Menschen; zu beglücken. Ali Galliner Das Haus der Billigen Preise Solomon & Co. G. m. b. H. Kronprlnzenstrasse 21 Jetzt unsere vorteilhaften Strumpfe Kniefacon und lange Filet — glatt — Diagonal u. viele andere Bindunfei ' Blusen für Sport u. Sweaters tägl. Gebrauch ELEGANTE SOMMERSTOFFE * HRISS ROSSM AR KT 8MLIFT)

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