Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 10 (6.1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 386 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 386 -^fc "Waller Strauss /r^A^VVERSICH■ BERATER• KEINE VERMjTTLUMG |\ /^JflA Lebensyersicherungsf ragen und jtiStiSfta» 1 Aufwertungsangelegenheiten ^»UEP/ NECKARSTR-V RUF-33796 m S a c Ii s e s waren enge Grenzen gezogen, aber sie erreichte doch innerhalb des gesteckten Rahmens manch schöne Wirkung. Vielleicht hätte in. Hinsicht der „Innenregie", also der charakteristischen Ausgestaltung der Spielfiguren, noch einiges für die Loslösung von konventioneller Darstellungsweise getan werden können. Der Bühnenbildner Fritz S c h a m e s musste sich ebenfalls mit — allerdings recht geschickten — Andeutungen begnügen. So war dem Musikalischen von vornherein weitester Spielraum zur Entfaltung gegeben. Von ihm ging denn auch in erster Linie der positive Eindruck des Abends aus. Stein her g, ganz in seinem Element, arbeitete alle Feinheiten mit einer gewöhnlich nur bei sinfonischer Musik geübten Akkuratesse heraus, liess aber, dabei doch den großen dramatischen Zug, das im besten Sinne „Theatermässige" nicht zu kurz kommen. Besonders reizvoll war die Art, wie er die gestellte Aufgabe, die „E n tfülirung" als „K a m m e r o p e r" zu bieten, löste. Erstaunlich die Beweglichkeit, mit der das Orchester den ungewohnten Anforderungen des Opernspiels gerecht wurde. Steinbergs belebender Impuls übertrug sich auch auf die Bühne, wo eine unterschiedlich geartete, aber doch zu einer gewissen Einheit verschmolzene Schar von Solisten sang und spielte. Die sehr begabte Marianne Caula wusste als Konstanze den Mangel an schauspielerischer Routine durch eine fesselnde, stilgewandte und gepflegte stimmliche Leistung wettzumachen. Edith Elm er stellte ein anziehendes Blondchen von echt soubrettenhaftem Zuschnitt. Max L i p m a n n konnte für den Belmonte einen kräftigen, von hoher Musikalität getragenen Tenor und eine reiche darstellerische Erfahrung einsetzen. Paul Schwarz stattete den Pedrillo mit feinen Zügen eines sympathischen Theaterhumors aus. (Wo blieb die Arie?) Emil Fischer gab der zentralen Figur des Osmin das nötige Gewicht. Sein dunkler, fülliger Bass kam der Rolle ganz besonders zustatten. Dem Selim Bassa verlieh Rudolf Ganz nach Möglichkeit würdevolle Haltung. Als stummer Diener fungierte Hugo Bermann. Die kleinen Chorstellen wurden von Mitgliedern des jüdischen Kammerchors und der Chorvereinigung gesungen. Für zukünftige Opern-Aufführungen wird man das Schaffen Offenbachs berücksichtigen müssen, dessen Einakter, textlich aktualisiert, zum Teil sicherlich noch heute Anziehungskraft besitzen. Dr. E. Kulturbund-Konzert Das letzte Konzert vor den Orchesterferien brachte beliebte und dankbare Werke des klassisch-romantischen Repertoires. Schuberts Rosamunden-0uverture gewann in der Wiedergabe Steinbergs und seiner Musiker durch delikate Ausgestaltung der Details und durch die großangelegte Schlussteigerung neueji Reiz. Die Wiederholung der bereits im vorigen Konzert gespielten Fünften Beethoven-Symphonie wird als festlicher Ausklang der Saison den Hörern nicht unwillkommen gewesen sein, umsomehr als sie in erfreulicher Weise sinnfällig machte, welchen Zuwachs an technischer und geistiger Beherrschung d-ns Orchester inzwischen erfahren hat. Für den solistischen Teil waren zwei Frankfurter Künstlerinnen verpflichtet Alice Rosenbaum erprobte ihr bewährtes pianistisches Können an Webers Konzertstück in f-nioll, dessen glitzernde und klirrende Aussenseite — es stellt nach des Komponisten eigener Aussage eine Szene aus dem Ritterleben dar — zweifellos auch tiefere Gehalte birgt. Die Solistin holte das brillante Feuerwerk der Läufe und Passagen virtuos aus den Tasten und setzte auch den empfindsamen Partien die. rechten Lichter auf. Sie konnte so im Verein mit dem rhytmisch straff Rddio^M EliFinonn?»» führenden Dirigenten einen überzeugenden Gesamtelndruck erzielen. — Mit Beethovens K o n z e r t a r i e „A h p e r f i d o" hatte sich Käte Ettlinger eine schwierige Aufgabe gestellt. Die seltsame Komposition, die italienische Opernmanier mit Stilelementen des „Fidclio" verbindet, verlangt ein solches Mass gesanglichen und gestalterischen Ausdrucks, daß eine junge Kraft ihr kaum erschöpfend gerecht werden kann. Fräulein Ettlinger darf es als gutes Zeichen für ihre künstlerische Entwicklung in Anspruch nehmen, daß sie dank ihres dramatischen, offensichtlich für die Bühne bestimmten Soprans und dank ihrer musikalisch sicheren Vortragsweise dem Stück gute Wirkung zu. sichern wusste. Solisten, Dirigent und Orchester wurden sehr gefeiert. In dem Beifall für das Orchester schwang der Dank für ein ganzes Jahr arbeits- und erfolgreichen Wirkens mit. Wir erinnern uns rückschauend einer Fülle schöner, haftender Eindrücke, mit denen das Orchester seine ihm eng verbundene Hörerschaft beschenkte. Besondere Hervorhebung verdient, daß mehr als in anderen Kulturbünden die jüdische Kunst Berücksichtigung fand, sei es durch Bevorzugung jüdischer Autoren, sei es durch Wahl einschlägiger Stoffe. Mit Befriedigung und Stolz darf Steinberg auf den bisherigen Weg des von ihm geschaffenen Klangkörpers zurückblicken. Das künstlerische Profil des Orchesters zeichnet sich immer schärfer ab. Die Art, wie es musiziert: temperamentvoll, einsatzbereit, manchmal sogar etwas launisch, legt Zeugnis ab für die besondere geistige Aufgeschlossenheit und Feinnervigkeit seiner Mitglieder. Eine Not hat diese Menschen zusammengeführt. Aber sie sind mehr geworden als nur eine „Notgemeinschaft". Sie bilden einen wohlgefügten, vollwertigen Organismus, dessen Erhaltung der jüdischen Oeffentlichkeit «ine ernste Verpflichtung auferlegt. Dr. E. WB^ss00lii MduuLlßajtöl ^IBw^iiM ' w9U¥wvßu^mf^. lul^iilli atilbwC PlIlKF %M3* m T KflUFhOf Die jüdischen Tonkünstler Frankfurts Die seit einigen Monaten 14 tägig veranstalteten Mittwochskonzerte in der Arnold Lazarus-Halle wollen einem grösseren Kreis für geringe Kosten gute Musik vermitteln. Bis> jetzt hat dieses Unterehmen, das bei seiner Gründung hier begrüsst wurde, guten Erfolg erzielt, da 2-250 Personen regelmässig die von Benno Ziegler, Hans Assenheim und Dr. Willy Salomon geleiteten und überwachten Abende besuchen. Sehr erfreuliche Eindrücke dankte man der .jugendlich-dramatischen Sopranistin Käte Ettlinger und dem Bariton Benno Z i e gl e r, die, von Dr. Salomon trefflich begleitet, als temperamentvolle und gesanglich kultivierte Interpreten eines weitgespannten Programms zusammenwirkten.— Zum Vortrag von „Lieder-Cyklen" vereinten sich ein ander Mal die Sopranistin Bettina Feitier und die Altistin Alice Kassel. Beide wussten ihr Publikum zu interessieren und zeigten, früheren Leistungen gegenüber, eine entschiedene Steigerung. Alice Kassel sang mit gutem Ausdruck und ergiebigen stimmlichen Mitteln (denen mitunter freilich eine leichte Schärfe der Tongebung anhaftet) die vier ersten Gesänge von Brahms und die schönen, nicht gerade häufig gehörten Brautlieder von Peter Cornelius. Die starke Musikalität von Bettina Feitier, deren reizvoll timbrierter Sopran in der Höhe noch eine gewisse Beengung erkennen lässt, bewährte sich in „Frauenliebe und Leben" von Schumann und einem recht frischen, melodisch eingänglichen Volksliederzyklus, den Herbert Fromm aus verschiedenen Musikkulturen bearbeitet hat. Dieser und L e n i