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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-06-01 · 10 (6.1935) · p. Seite 385

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
10 (6.1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 385 (sequence 11)
Language
German
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Seite 385 haben und entziehe sieh nicht einer ernsten Pflicht. Wir nehmen gern alle Wünsche und Gedanken entgegen, damit die Aufgaben der Zeit gefördert und erkannt werden. Jeder Jude muß Mitglied des Kulturbundes sein! Das Werk braucht jeden, jeder braucht das Werk! Werden Sie Mitglied! Werden Sie Abonnent! H. L.-M. JaCOb Geiger General-Agentur seit^35 Jahren Versicherungen aller Art. Freiherr vom Stalnatrassa 48___Telefon 71814 Kulturarbeit des Monats Max Liebcrmanii-Gcdäehtnis-Ausstellung Hätten wir den heimgegangenen Meister nach Gebühr ehren wollen, wir hätten aus den bekannten G alerien. Europas seine Hauptwerke zusammentragen müssen, etwa so, wie anlässlich seines 80. Geburtstages die Akademie in Berlin 100 Werke ihres damaligen Präsidenten zu einer einzigartigen Schau vereinigt hatte. Eine solche monumentale Ehrung war jetzt und hier nicht möglich. Nur was am Ort imd was aus privatem Besitz zu erhalton war, konnte in den Räumen der Frankfurt-Loge zur Schau , gestellt werden. Und doch hatte diese Bescheidung auch ihr Gutes. Auch diese mehr durch Zufall als durch einheitliche Planung zusammengefügte Sammlung erbrachte den Nachweis von der organischen Entwicklung und von der inneren Geschlossenlieii des Meisters, trotz der Mannigfaltigkeit im Motivischen und trotz dos großen Reichtums in der malerischen Gestaltung. Mochten auch allgemein bekannte Hauptwerke hier fast völlig ii!ilen, so durfte doch das „ex ungue leonem" für die meisten der nahezu siebzig ausgestellten Bilder Geltung haben. Fast alle Epochen des künstlerischen Schaffens waren durch charakteristische Werke vertreten. Da war die grosse „Schreinerwerkstatt" von 1877, noch ganz im dämmrigen Dunkel — aber welcher Reichtum an Tonwerten, an Farbennuancen in der düsteren Halle, - der schattige Kaffeegarten von Overveen (1S93), in dem die ersten spärlichen Sonnenflecke auftauchen, die wundervoll weiche pastellartig schimmernde Grunewaldallee, an Corot gemahnend, und dann farbensprühende Gartenbilder aus Wannsee, die in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts entstanden sind, gelockert, gelöst, befreit auch von irdischer Gebundenheit — malerische Visionen. Doch diese Dinge kennt man. Weniger bekannt sind einige malerische Köstlichkeiten, die hier bewundert wurden. Eine kleine Landschaft, in der ein smaragdenes Grün mit sattem Braun unter grauem Himmel tieftonig zusammenklingt (1873), offenbar in Barbizon entstanden, die helle buntfarbene Strasse in Zandvoort, dem Lieblingsaufenthalt Jozef Israels, dem eigentlichen Geburtsort seiner Kunst, ein kleines Bild, mit fast kindlich-naiver Freudigkeit an dem bunten Gewimmel auf der Gasre, an dem starken Ziegelrot der Dächer, an der frischen Leuchtkraft der Lokalfarbe gemalt (1879), die alte Spinnerin (1880), mehr an die alten Holländer, etwa an Nicolaus Maas, als an Israels gemahnend, zwei prachtvolle Spaniels, die zottigen Hunde in Braun und Grau, eine Dame am Meer, von delikatester Farbengebung in durchsichtigem Grau und Grün, ein Farbenakkord, der — oft mit zartem Rosa sich verbindend — fast durch die ganze Ausstellung klingt, von ungewöhnlicher Schönheit auch in dem schlichten Backfischporträt (1899), in den Jungen nach dem Bade (1907), in den kleinen Pastellen aus dem Garten in Wannsee (1917). Eine dankenswerte Ergänzung bildeten die Studien, die Frau Liebcrmann aus dem Nachlass des Meisters gesandt hatte, zum Teil Vorstudien zu bekannten Bildern zu den „Waisenmädchen", offenbar die erste Konzeption "in flüchtiger Notiz, mit wonig Farbflecken hingesetzt, zur „Flachsscheuer", zu den „Klöpplerinnen", zur ,,Bleihe", zum Teil aber auch Studien von malerischem Eigenwort, wie das „Fischstilleben'', „die holländische Plätterin", die prachtvoll bewegte Reiterstudie in dem aufspritzenden Gischt am Gestade des Meeres. Von dem Porträtmaler vermochte die Ausstellung keine rechte Vorstellung zu geben. Grosse Bildnisse aus den letzten Jahrzehnten waren hier nicht zu sehen. Aber die Lithographie „Friedrich Naumann", die Radierung „Hermann Cohen" zeigte, wie stark er Geistiges zu erfassen, die lithographierten Selbstbildnisse offenbarten, wie tief er Seelisches zu erschauen und zu enthüllen vermochte. Und auch das scheinbar so sachlich gemalte Pastellporträt Rudolf Virchows wirkt gerade durch seine schlichte, selbstverständliche Haltung und ehrliche Gestaltung so überzeugend, wie das Bildnis eines alten bärtigen Juden mit hohem Cylinder tiefstens ergreift, auch ohne dass die künstlerische Formung dieses beabsichtigt. Der hohle kummergedrückte Blick, die leidverzehrten Wangen künden auch so jüdisches Schicksal. Es ist die innere Wahrhaftigkeit der Darstellung, die eine zwingende Gewalt ausübt und den Beschauer unwiderstehlich in den Bann Liebermann'scher Kunst zieht. Darum war auch diese Gedächtnisausstellung so ausserordentlich lebendig. Denn was aus Wahrhaftigkeit geboren, was von Wahrheit erfüllt ist, kann nicht vergehen! Es überdauert Menschen und Zeiten, hat ewiges Leben. Dr. Arthur Galliner In der Gedächtnisfeier, die wie die Ausstellung von dem Kulturbund, den drei Frankfurter Bne-Briss-Logen, dem Centraiverein und der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler gemeinsam am 6. Mai veranstaltet wurde, sprach Dr. Hermann Gundersheimer über die Persönlichkeit und künstlerische sowie menschliche Problematik des Meisters; Gesänge des E h r e n r e i c h* s c h e n F r a u e n c h o r s und Benno Z i e g 1 e r s, begleitet von Herbert F r o m m, umrahmten die Feier. Am 9. Mai gab Dr. Arthur Galliner in einem Lichtbilder-Vortrag eine Ueberschau über das Gesamtwerk Liebermanns und gliederte es ein in die künstlerische Umwelt und in den Werdegang der neueren Malerei. Oper im Kulturbund Der erste Versuch einer Opernaufführung ist, allen Widerstünden zum Trotz vollauf geglückt. Mozarts ,,E n t f ü Ii r u n g aus dem Serail" konnte an vier Abenden vor einer zahlreichen, beifallsfreudigen Hörerschaft geboten werden. Man durfte feststellen, dass auch ein operngewohntes Publikum sich zum Verzicht auf jeden szenischen Aufwand bereit findet, wenn ihm nur die darstellerischen und vor allem die musikalischen Werte in zureichender Form vermittelt werden. Die Zahl der unter den gegebenen Verhältnissen zur Verfügung stehenden Opern ist gering. Dass man die „Entführung" wählte, darf gutgeheissen werden. Zwar wird von manchem unter uns die Ansicht vertreten, der Stoff der Oper — eine Haremsgeschichte nach Art der alten Volkskomödie — sei uns in unserer heutigen Situation zu fernliegend, habe uns wenig zu sagen. Man soll jedoch nicht allzu engherzig sein! Mozart hat die simplenCharaktäre des überkommenen Singspiels zu zeitlos gültigen Typen hinaufgesteigert, wie sie uns, auf anderer Weise, in Shakespeares Stücken entgegentreten. Und es darf nicht übersehen werden, dass die Figur des Selim Bassa, so bhiss sie als Sprechrolle inmitten singender Operngestalten auch gezeichnet ist, docli jene ethisch fundierte Humanität vertritt, die später im Sarastro der „Zauberflöte", in Lessings „Nathan" oder Goethes „Iphigenie" zu voller Auswirkung gelangt ist. Aber bedarf es angesichts von Mozarts Musik überhaupt solcher Ueberlegungen? Von den Klängen der heiter übersonnten Mozart-Partitur, die einst im glücklichen Ueberschwange einer jungen Liebe niedergeschrieben wurde — die Komposition fiel in die Brautzeit mit Konstanze, Mozarts nachmaliger Frau — lässt man sich gerne „entführen", auch wenn man sorgenbeladen ist. Gerade dann vielleicht am liebsten! Die Wiedergabe musste mit großen bühnenmässigen und akustischen Schwierigkeiten kämpfen. Der Spielleitung Leopold JedervierteMen. m ■P HL der die 40er Jahrs überschritten bat ist durch Arterien-Verkalkung gefährdet Vorboten beachten, ehe es zu spät ist! Rechtzeitig vorbeugen! 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