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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-06-01 · 10 (6.1935) · p. Seite 381

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
10 (6.1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 381 (sequence 7)
Language
German
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Seite 381 Die allermeisten dieser Deutungen sprechen so für sich, daß es einer Deutung nicht bedarf, sie gehen uns ein,' auch ohne daß man sie mit vielen Worten ausbreitet. Nur zu einer Deutung wäre ein Wort hinzuzufügen. Gott segne dich, hiess es, mit irdischem Gut. Liegt darin nicht eine materielle Gesinnung? Ist das nicht der Ausdruck eines Ueberwertens des Besitzes, eine zu betonte Diesseitigkeit? Zweierlei ist zu antworten; — einmal, es ist das Großartige der jüdischen Religiosität, daß sie den Menschen so nimmt, wie er ist, daß sie mit seinen Leidenschaften rechnet. Das Streben nach B3sitz ist dem menschlichen Begehren zu eigen, man soll es nicht leugnen und so tun, als habe man sich dessen zu schämen. Daß es nicht in ein Uebersteigern des Wertes ausarte, das ist die Sorge; darum die Deutungen, er behüte dich, daß du ihn nicht missbrauchst, sondern Gutes damit tust, er behüte dich vor dem/bösen Trieb, der dich verführen kann, in ihm den Wert des Lebens zu erblicken. Gott lasse sein Antlitz dir leuchten und sei dir gnädig. „Gott lasse sein Antlitz leuchten, das bedeutet das Licht der TJiora, daß er dein Auge und dein Herz mit der Lehre erleuchte. Er sei dir gnädig, das bedeutet, er schenke dir Erkenntnis und Einsicht, so beten wir denn auch (im Achtzehngebet): Du begnadest den Menschen mit Erkenntnis und lehrst ihn Einsicht. Er sei dir gnädig, das bedeutet: er gebe euch Verständnis dafür, daß ihr einander mit Gunst und Erbarmen begegnen sollet. Er sei dir gnädig, man kann auch übersetzen, er schenke dir Gunst, das bedeutet: seine Gunst sei so auf dir, daß du, wo immer du weilest, Gunst bei Menschen findest. Er gebe dir Gunst, das bedeutet: auch ohne Verdienst sei er dir hold, wie der Psalmist betet (Ps. 123,3) : „gib uns Gunst, Gott, gib uns Gunst". Er sei dir gnädig, das bedeutet: er mache dich frei von fremder Herrschaft und Knechtung, so fährt auch der Psalmist fort (123,3): „denn übersatt sind wir von Schmach". Die meisten dieser Deutungen sprechen wiederum für sich selbst. Auf einige sei besonders hingewiesen. In der Deutung, Gott gebe dir Erkenntnis und Einsicht, kommt zum Ausdruck, daß in der jüdischen Denkart der Tätigkeit des Verstandes, dem Denken, ein gebührendes Gewicht beigelegt wird, sie ist dem Geist, wie sie Geist versteht, innerlich verbunden. Wundervoll ist der Hinweis darauf, daß die höchste Einsicht, mit der Gott uns begnadet, die ist, daß man einander helfen und beistehen und jeder mit jedem Erbarmen haben muss. Die Menschen im Bund gegenseitigen Sicheinfühlens und gegenseitigen Sichhelfens, das ist der größte Segen. In der Deutung: „auch ohne Verdienst sei er dir hold", kommt zum Ausdruck, daß niemand vor Gott auf Verdienst und Anspruch pochen kann, daß keiner vor ihm bestehen kann, in Wahrheit jeder unwürdig ist und Gottes Gabe als unverdientes Geschenk empfinden muß. Gott wende sein Antlitz dir zu, wörtlicher: Gott hebe sein Antlitz, das bedeute „er wende seinen Zorn von dir ab", erheben ist, soviel wie Vergangenes abtun, so heisst es auch (1. M. 40,13): „Pharao wird dein Haupt erheben (und dich wieder gnädig in dein Amt einsetzen), Antlitz ist soviel wie Zorn, denn so heisst es (3. M. 20,6): „richten werde ich mein Antlitz auf diesen Mann und werde ihn ausreissen". — Wie ist das zu verstehen? Hier heisst es: Gott erhebe sein Antlitz zu dir" und an anderer Stelle heisst es (5. M. 10,17) von Gott, daß „er nicht das Antlitz erhebt"? Wenn Israel Gottes Willen tut, dann hebt Gott das Antlitz, wenn sie nicht seinen Willen tun, dann gilt es: „er Warnung! Wie wir aus dauernd bei uns eingehenden Meldungen ersehen, werden die Gemeimlemitglieder immer wieder von Personen angegangen, die entweder auf Grund .,dringender" telefonischer Anrufe oder selbstangefertigter Listen Spenden für sieh oder eine befreundete Familie zu erhalten versuchen. Es handelt sich hierbei um Betrugsversuche. Vor Aushändigung einer Spende bitten wir dringend um Rückfrage bei uns. (Anruf : 42077. Abteilung Allgemeine Fürsorge). Wir weisen wiederholt nachdrücklich darauf hin, daß die von der Jüdischen Wohlfahrtspflege und der Jüdischen Notstaudsküche mit der Einziehung von Geldern betrauten Personen einen auf den Namen lautenden Ausweis mit sich führen. Die Sammler sind verpflichtet, bei Entgegennahme des Betrags ordnungsgemäss ausgestellte Quittungen oder auf den Geldbetrag lautende Beitragsmarken auszuhändigen. In Zwcifeisfällen wird um schriftliche Benachrichtigung oder Anruf (42079 Abteilung Propaganda) gebeten. JUEDISCHE WOHLFAHRTSPFLEGE e.V. FRANKFURT n.M. JUEDISCHE NOTSTANDSKUECHE FRANKFURT a. M. KO KNfGSWA RTERSTR. 26 liebt nicht das Antlitz. Nochmals die Frage, wie sind die beiden einander widersprechenden Verse in Einklang zu bringen? Gott wird sein Antlitz erheben, das bezieht sich auf Dinge zwischen dir und Gott: er erhebt nicht das Antlitz, das bezieht sicli auf Verfehlungen zwischen Mensch und Mensch". — Auch diese Deutungen sind der Erläuterung nicht bedürftig. Nur sei mit Nachdruck auf jene Deutung hingewiesen, daß die Dinge zwischen Mensch und Mensch schwerer wiegen als die zwischen Mensch und Gott. Er gebe dir Frieden. Nun ist die Fülle der Bemerkungen über Größe und Wert des Friedens gar nicht mehr zu erschöpfen. Einige wenige nur: „Groß ist der Frieden, denn selbst wenn Israel in Götzendienst versinkt aber unter ihnen ist Frieden, so sagt gleichsam der Heilige, gelobt sei er, kein Widersacher kann sie antasten. Groß ist der Friede, denn selbst in Kriegszeit muß man zum Frieden reden, so heisst es (5. M. 20,10): wenn du dich einer Stadt nahest, sie zu bekriegen, so sollst du sie anrufen zum Frieden. Groß ist der Frieden, denn selbst die himmlischen Heerscharen bedürfen des Friedens, denn so heisst es (Jjob 25,2): Frieden wirkt er in seinen Höhen; wenn da, wo weder Feindschaft noch Haß herrscht, Friede gewirkt werden muß, wie erst auf Erden, wo all diese Eigenschaften lebendig sind. Groß ist der Frieden, er winkt als Lohn aller Erfüllung der Thora und der Gebote, denn so heisst es (3. M. 26,6): dann gebe ich Frieden in eurem Land. So auch im Segen der Priester, nach allen Segnungen schliesst er mit Friede, er gebe dir Friede; denn aller Segen wäre wertlos, wäre er nicht mit Frieden verbünden". — Unnötig, diesen Beispielen aus der Fülle der Worte über Frieden etwas hinzuzufügen, sie würden durch Reden nur entwertet. So wie sie sind, müssen sie in der Seele des Lesenden ihr eigenes Leben gewinnen. Jetzt die Riesenauswahl in allen Sommerstoffen Seide — Leinen — Kunstseide— Wolle für Kleider — Mäntel — Kostüme und Complets in jeder Preislage s?gsrT767KT13 Schwarzschild-Ochs

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