Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 9 (5.1935)
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 369 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 369 DIPL. INGENIEURE GANZ & JOSEPH INSTALLATION Licht- und Kraftanlagen Signal- und Türöffneranlagen Sabbath-Uhren ELEKTR. GERATE Motoren - Ventilatoren Elektr. Kühlschränke Reparaturwerkstätte BELEUCHTUNG Beleuchtungskörper B Jl fft I /% I Glühlampen KAPICJ I Lichtreklame Antennenbau Zugelassen bei den Elektr.-Werken Frankfurt a. M., Offenbach, Mainkraftwerke Besuchen Sie unseren Ausstellungsraum Große Friedberger Straße 32 im Hof I. Tel. 27174 Zeitlich: Der Junge im Bund verbringt den größten Teil seiner Freizeit in mittelbarem oder unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bund. Seelisch: Die Gruppe, also die Erziehungseinheit eines jeden Bundes, stellt in den meisten Fällen eine Vertrauensbasis dar. Eine anständige Gruppe kann nur aus Mensehen gleicher Gefühlsanlage bestehen. Daß Junge und Eltern aber auf gleiches Erleben gleich reagieren ist unmöglich. Daher steht die Gruppe, in einem ganz anderen, offeneren Verhältnis untereinander wie die Jungen zum Elternhaus. Man kann das in der Praxis sehr einfach prüfen. Eine Aussprache über ganz persönliche Dinge in einem Heimabend gestaltet sich viel freier und offener und darum wahrheitsgemässer und natürlicher als in einem Elternhaus, in dem die Atmosphäre Vorurteil und Angst verursacht. Den zweiten Trennungspunkt stellt das Entgegenwirken zweier Erziehungsmethoden dar.—Die eine Erziehungsmethode des Bundes, die auf Gemeinschaftlichkeit beruht und die sich schon rein äusserlich auf Fahrt, etwa beim Teilen des Essens und im sonstigen Bundesleben zeigt. Die andere Erziehungsmethode, die des Elternhauses, die der des Bundes gerade in der Form der Gemeinschaft oft nicht entspricht. Sie ist oft die Erziehung zum persönlichen Vorteil. Der Junge steht dann also zwischen zwei Erziehungsmethoden, und er wird sich in den meisten Fällen zu der des Bundes entscheiden, weil es ihm das Natürlichere und seiner Wesensart Entsprechendere ist. So kommt es, daß viele Eltern heute beklagen, ihre Jugend entwachse der Familie. Es ist aber natürlich, 'daß Menschen sich zu den Menschen gesellen, die ihnen in Punkten, die ihnen wichtig erscheinen, ähneln.— Das Entwachsen aus der Familie kommt nicht vom Bund, sondern durch das Nichtverstehen von Elternhaus und Junge. Wenn beide Teile sich verstehen wollten und jeder des anderen Meinung achtete, würde mancher Streit in der Familie ein Ende haben. III. Während wir es bei einer Gruppe eines Bundes meistens mit Menschen zu tun haben, die gefühlsmässig gleich reagieren und ähnliche Eigenschaften und Neigungen haben, ist die Einheit der Schule, die Klasse, eine Gemeinschaft von Menschen, die im gleichen Jahrgang geboren und wissensmässig gleich vorgebildet sind. Gemeinsamkeit einer solchen Klasse besteht meist nur in der Ablehnung irgendwelcher Personen oder Umstände. Sonst prallen die Meinungen zumeist scharf gegeneinander. In einer Klasse finden wir die Produkte mehrerer Erziehungsmethoden und es ergibt sich, daß immer die gleich Erzogenen befreundet sind. Während die Gemeinsamkeit der Klasse oft nur auf A b 1 e hn u n g beruht und die Gegensätze der Interessen und Meinungen so hart aufeinanderprallen, daß daraus keine fruchtbare Arbeit entstehen kann, erleben wir, daß bei einer Bundesgemeinschaft sich die Gemeinsamkeit in positivem Schaffen äussert, und daß die Verschiedenheit der Meinungen und Interessen erst zu ernster Arbeit anregt. Wir bekommen von der Lehrerschaft revolutionären Charakter vorgeworfen. Sogenannte Ueberheblichkeit, die in Wirklichkeit Selbstbewusstsein ist, wird uns vorgehalten. Mangelnde Ehrfurcht, Undankbarkeit gegenüber den Leistungen der Aelterengeneration, Zerstörung des Familiensinns, religionsfeindliche Haltung seien die Parolen, in deren Sinn wir erziehen. Ich glaube, daß es keine Jugend gegeben hat, die größere Ehrfurcht vor dem Werk der Pioniere in Palästina in schwersten Kampfzeiten hat als wir. Ich glaube, daß es keine Jugend gegeben hat, die mit mehr Ehrfurcht und Dankbarkeit der Leistungen ihrer Väter im Weltkrieg gedenkt, als wir. Ich glaube, daß ea nie eine Jugend gab, die sich so mit dem Problem der Familie befasste, wie wir. Und aus unzähligen Unterhaltungen kann man feststellen, daß die jüdische Jugend heute zu einer tiefen Religiosität, die sich nicht in äusserlichen Dingen kundtut, vordringt. Und so glaubt man nicht mehr seinem Partner, auch wenn er es ehrlich meint. Wo der eine nachgibt, sieht der andere einen Kompromiss, wo die Schule einmal den Bünden Bewegungsfreiheit geben will, sehen die Bünde nur eine Geste. Sollte nicht bei gutem Willen ein Verstehen möglich sein zwischen Elternhaus, Schule und dieser Jugend? Gert Rosenberg Garantiert hohe Rente! 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