Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-05-01 · 9 (5.1935) · p. Seite 370

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
9 (5.1935)
Date
1935-05-01
Page
Seite 370 (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3094266-3094412-3094421--4682-3099480
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 370 Ein Buch über jüdische Man kann erfreulicherweise feststellen, dass das ewige Ideologisieren der miteinander konkurrierenden jüdischpolitischen Gruppen heute in den Bünden hinter der Erziehungsarbeit zurückzutreten begonnen hat. Damit aber ist auch die Möglichkeit gegeben, dass über die Grenzen der Organisation hinaus fruchtbare Gedanken, die eine Gruppe zur jüdischbündischen Erziehung äussert, auch in anderen Gruppen zum Gegenstand einer Besinnung ohne unsachliche Vorurteile gemacht werden. Ich betrachte es in diesem Sinn als eine Pflicht aller bündischen und aller irgendwie erzieherisch arbeitenden Juden, sich mit dem soeben erschienenen Buch Hermann Gersons zu beschäftigen; „Werkleute, ein Weg jüdischer Jugend" heisst es. Dies ist das Besondere: „die Auseinandersetzung mit den letzten Lebensfragen, die Lebenssinngebung, der Aufbau des ganz persönlichen Lebens" sind Grundlagen der Erziehung dieses Bundes, und doch wird er nicht zum Diskutierklub von geruhsamen Weltanschauern. Er glaubt nicht, alle Fragen durch verschiedenartige Beleuchtung einer einmal gefällten politisch-gesellschaft-. liehen Grundentscheidung ausreichend beantworten zu können— hierin unterscheidet er sich vorteilhaft von manchen anderen zionistischen Bünden— und weiss doch auch anderseits, dass ein solcher im tief Menschlichen gegründeter Weg doch nur ein Abweg wäre, wenn er nicht zu einer Entscheidung führte, welche — der Lebenswirklichkeit des Menschen entstammend — diese selber wieder bestimmt. Diese Entscheidung ist für die „Werkleute" die C h a lu z i u t, die Wendung von. einem bürgerlichen Berufsethos, für das der persönliche Erfolg, die Karriere, der gesell- und bündische Erziehung schaftliche Wertmasstab ist, zu einer Haltung, welche die Berufsentscheidung ans freier Wahl den objektiven Notwendigkeiten des jüdischen Volkes in Palästina entsprechend fällt. Ebenso wie hierin eine soziale Frage eigentlich als erzieherische behandelt wird, vermeidet es Gerson auch auf anderen Gebieten, die Erziehungsaufgaben nur aus derWeltansehauung abzuleiten. Ob es nun im Religiösen, in der Erarbeitung der jüdischen Geschichte, der Bibel und des Hebräischen oder in der Palästinaschulung ist: immer versucht er, den geometrischen Ort des pädagogischen Einsatzes aufzuweisen. Hierauf im einzelnen einzugehen, müssen wir uns an dieser Stelle versagen. Aus diesem Buch spricht ein Wissen und Kraft und Schwäche, Freiheit und Bedingtheit des Menschen. Und wie — nach dem Wort des, Rabbi Tarphon, das die „Werkleute" sich zum Leitspruch erwählt haben — es nicht des Menschen Teil ist, das Werk zu vollenden und er doch nicht frei ist, sich davon zu entbinden, so liegt für diesen Bund fern in der Ungewissheit das Ziel, auf das ein allerdings klar aufweisbarer Weg zuführt. „Wir haben keine Geheimlehre zu bieten, die den „Wissenden" vor der drohenden Unendlichkeit sichert; kein Versprechen auf sicheren Erfolg, kein festes und einfaches Ziel. Wir wollen nur auf eine bestimmte Lebensform hinweisen". Kurt Bergel Bibliothek des Jüdischen Jugendheimes Eschersheimerlandstrasse 65 Die Bücherausgabe findet jeden Mittwoch von 19.30 bis 20.30 Uhr statt. Kulturbund Deutscher luden Bezirk Rhein - Main Frankfurt a. M. - Gärtnerweg 62 - Telefon 52638 Von Sonntag, den 5. Mai, bis Mittwoch, den 15. Mal 1955, Vereinshaus Eschersheimer Landstr. 27 Gedächtnis-Ausstellung: Max Liebermann Eröffnung 5. Mai, 11Y2 Uhr. Gemälde und Graphik aus Frankfurter jüdischem Privatbesitz. Eintrittspreise: Mk. 0,30, Jugendl. Mk. 0.10. Veranstaltungen innerhalb der Kunstausstellung im Verei shaus: Donnerstag, den 9. Mai 1955, abends 8V2 Uhr: Kunstgeschichtlicher Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Arthur Galliner: Max Liebermann und seine künstlerische Umwelt. Mittwoch, 8 Uhr den 15. Mai, Donnerstag, den 16. Mai, II. Orchester-Konzert des Kulrurbundordieiters RhelruMain Leitung: Hans Wilhelm Steinberg. Populäre Orchesterwerke. Montag, den 27. Mai, Dienstag, den 28. Mai Uraufführung „Channa" von Martha Wertheimer. Schauspiel in 3 Akten, preisgekrönt vom Kulturbund Rhein-Ruhr. Näheres siehe Plakate. Die Ausgabe der Mitgliedsu. Abonnementskarten hat im Büro des Kulturbundes, Gärtnerweg 62, wochentags von 10 bis 1 und 4 bis 7 Uhr, außer Samstags, begonnen. Palästina Die kürzeste und bequemste Verbindung über Triest mit den 8000 BRT großen, vollständig neu eingerichteten Schnelldampfern Gerusalemme Galilea © Palestina Erste Klasse und Touristenklasse Fahrpreise ab Triest nach Jaffa oder Haifa I. Klasse RM 354.65 inkl.Taxen ab 1. Mai RM 272.15 Tour.-Kl. RM 122.10 inkl.Taxen Auf Wunsch rituelle Verpflegung Abfahrten von Triest jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag, 13 Uhr Auskünfte, Buchungen durch m.vM.dm.m Frankfurt/M., "^'Ä^20' sowie alle bedeutenden Reisebüros. GemeiDHigiieiler! Berücksicniloi unsere Inserenlen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.