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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-05-01 · 9 (5.1935) · p. Seite 352

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
9 (5.1935)
Date
1935-05-01
Page
Seite 352 (sequence 14)
Language
German
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Seite 352 einigung und der Jüdische Kammerchor, die von Dr. N. Ehrenreich und Herbert Fromm mit ihren umfangreichen und anspruchsvollen Aufgaben gründlich vertraut gemacht waren, hatten mitunter Mühe, sich gegenüber dem Forte des Orchesters zu behaupten). Ernest Bloch hat sich mit dem Kecht des Schaffenden nicht nur streng und unbedingt an den Ritus und die Ueberlieferung gehalten; der Geist und die Empfindungswelt der jüdischen Gottesverehrung ist gewiss in diesem fünffach geteilten, etwa einstündigen Oratorium durchaus getroffen und zu lebendiger Wirkung gebracht.' Wie überraschender Weise mitten in den hebräischen Text plötzlieh deutsche Worte (aus dem Mund des Vorbeters ) erklingen, also schon hier keine strenge Einheitlichkeit erstrebt wird, so ist die Partitur von vielen Seiten her befruchtet: Primitives steht neben Modernem, und die Einflüsse Wagners und Richard Strauss', aber auch des französischen Impressionismus und Mahlers sind deutlich verfolgbar. „Lob und Preis" des einigen ewigen Gottes tönen hier im Gegensatz zu den klassischen deutschen Oratorien — aus vielen, aus allen Musiksprachen. Hans Wilhelm Steinberg erzielte mit der Wiedergabe einen starken Eindruck und erweckte in manchem Hörer den Wunsch nach einer Wiederholung. Dem Verständnis und der Resonanz von Blochs „Awodath Hakodesch" wäre vielleicht besser gedient worden, wenn das Werk für sich allein hätte wirken können. Es waren aber bereits zwei Orchesterstücke vorausgegangen, die das Interesse und die Aufmerksamkeit des ernsthaften Musikliebhabers in hohem Masse beanspruchten: Zu Beginn des Abends hatte Siegfried Würzburger mit dem Orchester das helle Orgelkonzert Nr. 4 in F-Dur von Händel geschmackvoll und in guter Phrasierung, allerdings ohne die letzte Klarheit und technische Souveränität gespielt (auch der Zusammenklang mit dem Gesamttonkörper Hess an einigen Stellen z. T. infolge äusserer Umstände zu wünschen übrig), und vor der Pause wurden die tiefernsten, ergreifenden, an Herz und Seele sehenden „Kindertotenlieder" Gustav Mahlers von Hermann Schey, dem prachtvollen Sänger und Gestalter, schlicht und meisterhaft vorgetragen. Klangschön und sicher unterstützte das Orchester den Künstler, der auch bei Bloch die Solostellen des Kantors mit warmem Ausdruck, einfach und kunstvoll sang. g. seh. Orchesterkonzert des Kulturbundes Der Kulturbund hat, zumal in den Reihen seiner ersten Violinisten, eine stattliche Anzahl von Musikern zur Verfügung, die auch als Solisten ausgezeichnet bestehen können. In zwei Konzerten, deren. Ertrag der Orehester-Hilfskasse zu gute kam, führte Hans Wilhelm Steinberg mit seinen Getreuen das gleiche Gesamt-Programm auf, während das Mittelstück der Vortragsfolge einmal Frau Annie Steige r-B e t z a k "und am zweiten Abend Professor Hans Bassermann (Violinkonzert von Saint-Saens) überlassen war. Ein solcher Wechsel entspricht dem, von Anfang an erstrebten Gemeinschaftsmusizieren, und ein nicht minder erfreuliches Zeichen für diesen, dem bloss Starmässigen fernen Geist bedeutete es, wenn die Solistin des ersten Abends (über den hier berichtet wird) sich nach ihrer ungemein anspruchsvollen Aufgabe wieder an ihrem Pult einfand, um unter den Andern bei der Symphonie mitzuspielen. Annie Steiger- ' B e t z a k hat den hohen technisch-bravourösen Anforderungen, die Tschaikowskys Violinkonzert, op. 35, stellt, vollauf entsprochen; und sie erfreute nicht nurdurch den Elan, mit dem die beiden Aussensätze angefasst waren — das Vivavicissimo des Finales war wirklich bis an die Grenze des zulässigen Schnelligkeitsmasses getrieben —, ihr Spiel war vor allem erfüllt von warmer Empfindung und Musikalität, die besonders der kleinen Canzonetta herzliche Töne lieh. Eine prächtige Gesamtleistung. In der noch unverwelkten „Hebridenouvertüre" Mendelssohns, die den Abend mit romantischen Klängen einleitete, konnte man sich von der hörbar gereiften Klangkultur des Orchesters, zumal auch bei den Bläsern, überzeugen. Nicht ganz auf solcher Höhe der Wiedergabe stand Beethovens 5. Symphonie. Sie wurde gewiss im Ganzen recht befriedigend und in starkem Brio vermittelt; aber noch vermochten hier die Bläser nicht, aller Schwierigkeiten restlos Herr zu werden, und mitunter wirkte die Ausführung etwas massiv.—Ein erfreulich großer Hörerkreis dankte den Solisten mit herzlichem Beifall und wiederholten Hervorrufen. Auch der Dirigent errang wieder starken Erfolg. g. seh. Frankfurter Künstler auswärts Der von der Gruppe junger Frankfurter Darsteller in Offenbach unter starker Beteiligung und mit großem Erfolg aufgeführte „Eingebildete Kranke", von Alfred Auerbach nach Moliere modernisiert, wurde vom Rundfunksender Lugano zur Funkuraufführung in italienischer Sprache erworben. Der gleiche Sender wird Alfred Auerbachs Hörspiel: „Perche c'e tante rumore?" zur Uraufführung bringen. Pas jüdische Blumengeschaft Bockenheimer Landstr. 17 / Telef. 79554 gegenüber Rothschild-Palais Inh.: Am HENDLISCH tX Anzöge für junge Herren! 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