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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-05-01 · 9 (5.1935) · p. Seite 348

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
9 (5.1935)
Date
1935-05-01
Page
Seite 348 (sequence 10)
Language
German
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feite 348 Zum Arbeitsplan Von Professor Dr. Nach der kurzen Ferienpause wird das Jüdische Lehrhaus seine Tätigkeit am 6. Mai wieder fortsetzen. Im Hinblick auf die Max Liebermann-Gedächtnisfeier und die Eröffnung der Max Liebermann-Ausstellung wird dieses Mal eine besondere Eröffnungsfeier des Lehrhauses nicht stattfinden. Der Arbeitsplan des neuen Lehrabschnitts, der sich über 9 Wochen bis Anfang Juli erstreckt, kündigt etwa 20- Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften an. Den Kern bilden Vorlesungen über jüdische Geschichte, Bibelkurse und Arbeitsgemeinschaften zur Lektüre hebräischer Texte. Daneben stehen neusprachliche Uebungen, philosophischsoziologische, pädagogische und physikalische Arbeitsgemeinschaften. Die künstlerisch deutenden und gestaltenden Arbeiten, die sich bisher im wesentlichen auf Musik, Malerei und Lichtbildkunst beschränkten, sollen durch eine Arbeitsgemeinschaft zur Sprecherziehung erweitert werden. Der Arbeitsplan des Lehrhauses weist nicht jene schöne geschlossene Einheit auf, wie wir sie etwa von dem Inhaltsverzeichnis eines Sammelwerks gewohnt sind. Das hat nicht nur den äusseren Grund, daß für manche Gebiete nicht immer geeignete Lehrkräfte am Ort zur Verfügung stehen. Eine jüdische Volkshochschule — und das Lehrhaus ist ja eine jüdische Volkshochschule — ist eben doch etwas ganz anderes als ein literarisches Sammelwerk. Das Sammelwerk rechnet auf einen Leser, der es im Laufe der Zeit systematisch von Anfang bis zu Ende durchliest; das Inhaltsverzeichnis ist Führer auf diesem Wege. Es ist aber schon aus zeitlichen Gründen eine Unmöglichkeit, daß jemand im Laufe eines Lehrabschnitts, für den der Arbeitsplan des Lehrhauses gilt, die Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften einer jüdischen Volkshochschule durchläuft. Man kann— und soll — nur den einen oder anderen Kurs besuchen, und der Arbeitsplan wird weniger die Dienste eines Führers als die Dienste einer — die literarischen Feinschmecker mögen den Vergleich verzeihen — Speisekarte leisten können. Eine in der Form von Abendkursen arbeitende Volkshochschule ist keine Schule in dem Sinn, daß eine Generation Menschen aus einer einheitlichen Bildungslage gemeinsam in sie eintritt, sie gemeinsam durchläuft und aus ihr gemeinsam wieder ins Leben hinaustritt. Die Hörer des Lehrhauses, stehen bereits im Leben. Das Lehrhaus ist für die Befriedigung der Bildungsbedürfnisse nicht nur einer einzigen Generation und nicht nur einer einzigen Schicht jüdischer Menschen bestimmt, sondern es muß grundsätzlich den Angehörigen verschiedener Generationen, verschiedener sozialer Schichten und verschiedener Bildungsstufen dienen wollen. Diese Verschiedenheit der Menschen, denen die Bildungsarbeit dienen soll, nötigt von vornherein zu einem Verzicht darauf, dem Lehrhaus nach dem Muster einer Schulanstalt eine inhaltlich einheitliche Aufgabe zu stellen und seiner Arbeit einen einheitlichen Weg vorzuschreiben. So muß der Arbeitsplan des Lehrhauses den Charakter eines „Lehrplans" entbehren. Der „L e h r p 1 a n", nach dem der einzelne Hörer im Lehrhaus arbeiten will, bleibt dem Gewissen des einzelnen Hörers überlassen. des Lehrhauses Ernst Kantorowicz . Dem großen, so verschiedenartig zusammengesetzten jüdischen Publikum gehört allerdings auch eine Gruppe an, die ein verhältnismässig einheitliches Bildungsbedürfnis hat und infolgedessen dem Lehrhaus auch eine nach Ziel und Weg einheitliche Ärbeitsaufgabe stellt: Es ist die junge Generation, die Jahr für Jahr die Schule verlässt und nun im Leben und für das Leben eine Orientierung sucht. Die jüdischen HANS MARCUS T R E U H 'AN DER FACHBERATER FÜR STEUER- UND DEVISENRECHT GÖETHESTR.5 TELEFON28561 Volksbildungseinrichtungen im weiteren Sinne haben hier eine große Aufgabe, und auch das Frankfurter Jüdische Lehrhaus wird sich dieser Aufgabe nicht entziehen dürfen und wird seinen Beitrag zu dieser Schule der Jugend liefern müssen. Die Aufgabe besteht hier in einer planmässigen Sorge dafür, daß der jungen Generation die Möglichkeit gesichert wird, ihre Orientierung in der Welt zu finden und ihre schöpferischen Kräfte zu entfalten. Dafür ist selbstverständlich ein Mindestmass an Wissen und Können erforderlich, das lehrplanmässig zu vermitteln ist. Schon die Arbeitspläne der beiden letzten Lehrabschnitte des Lehrhauses wiesen nach dieser Richtung hin Ansätze und Versuche in einer besonderen Gruppe von „Jugendarbeitsgemeinschaften" auf. Diese Anfänge werden in dem neuen Lehrabschnitt fortgesetzt. Als Kernfächer schälen sich allmählich heraus: Judehtumskunde, Bibel, jüdische Geschichte, deutsche Dichtung, Gesellschaftskunde, Biologie, J u g e n d f ü h r u n g. Es ist zu hoffen, daß aus diesen Ansätzen in gemeinsamer Beratung von Lehrhausleitung und Juitowoiu wascht saioinim gendführern ein Kern-Bildungsplan für die jüdischen jungen Menschen entwickelt werden kann, der dazu beiträgt, die Uebermittlung desjenigen Masses an jüdischer und allgemeiner Bildung zu sichern, das für unsere kulturelle, wirtschaftliche und soziale Zukunft unerlässlich ist. DEUTSCHE EFFECTEN.UND WECHSEL.BANK Konstabier Wad» vormals L A" Hahn ~ aegründet 182) - Akt.-Ges. seit 1872 h Ai.„hoiiig.n«,™,.» FRANKFURT AM MAIN u. . , „ Osthafen „ . , ,„ "o*5' a- M- Hanauerlandstrasse 125 KdlSerstraSSe 30 Oalbergsfrasse 3 Bockenheim . _ . i _ . , D Ottenbach a. M. Leipzigers!rasse 50 ' I II O I V I O U 61.1 6 B 6 I* I I U II § Frankfuriershasse 54

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