Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 8 (4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 332 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde _ Nr. 8___;_APRIL 1935 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, zu richten. Das Ergebnis unseres Wettbewerbs In der Dezembernummer unserer Beilage „Jugend und Gemeinde" haben "wir zur Beteiligung an einem Wettbewerb aufgerufen, der mit vier Aufgaben sich an die verschiedenen Interessenkreise und Altersstufen jüdischer Jugendlicher wandte. Die erste der Aufgaben suchte eine Illustration zu einer jüdischen Erzählung oder einem jüdischen Gedicht und wandte sich an diejenigen, die Phantasie und zeichnerisches Geschick haben, die Gelesenes, das ihnen lebendig vor die Augen getreten ist, mit dem Bleistift oder Pinsel zum Bild gestalten können. Zu dieser Aufgabe sind eine Reihe von Einsendungen eingegangen, die erfreulicherweise fast alle als geeignet bezeichnet werden können. Unter ihnen verdienen die Bilder zur Geschichte Salomos von Lore Salz berger die höchste Bewertung. Sie sind sowohl in der Auswahl der Bildinhalte als in der Formung der phantasievollen Geschichten und in der technischen Gestaltung durcli Farbe und Stift ausgezeichnet. Eine Illustration von Leopold Kompertz' Eisiks Brille ist zu erwähnen; die Zeichnung stammt von Trude Z u n z. Aus der Reihe der übrigen Einsendungen zeichnet sich ein Blatt von Werner Löwenstein aus. Die genannten Arbeiten und die nicht genannten Einsendungen liegen in der Schriftlei tung des Gemeindeblattes zur Einsieht auf. Die zweite Aufgabe war, Eindrücke von der Aufführung des Jeremias wiederzugeben. Aus den hierzu eingegangenen Einsendungen bringen wir aus den drei besten Arbeiten einige Auszüge zur Veröffentlichung. Lotte S e e 1 i g, deren Einsendung die beste ist, da sie neben der Dichtung nnch die Aufführung würdigt, schreibt u. a.: „.. .Ein Einsamer, einer, der weissagen muß, so tritt uns Jeremias entgegen. Stefan Zweig stellt ihn in Gegensatz zur Mutter, die, eine aus dem Volke, auch den Glauben des Volkes vertritt: „Ewig währet Jerusalem". Sie hört ihn nicht und verstösst ihn, ganz wie das Volk. Die Gestalt der Mutter soll nur den Konflikt zwischen dem Propheten und der Masse verstärken: anders aber ist es mit Baruch, dem Einzigen, der von Jeremias überzeugt wird. Er erkennt, daß der Krieg, den er zuerst selbst wollte, ein Unglück ist.... Baruch ist kein Mensch der Bibel, er ist ein Mensch des Dichters. Die stürmische, glühende Jugend verkörpert er, und in der Auseinandersetzung mit Zedekia legt ihm der Dichter herrliche Worte in den Mund... Aber auch Baruch kann Jerusalem dem Untergang nicht mehr entreissen. Der wankelmütige König stellt, wie das ja oft bei Herrschern ist, seine Ehre vor das Wohlergehen des Volkes und schickt den Boten zu Nebukadnezar zurück. Dann aber, in der ergreifenden Scene, da Jeremias ihm flucht und ihn schliesslich doch segnet, da bereut er; doch es ist zu spät____Jeremias aber wird nach der Katastrophe, als alles so eingetroffen ist, wie er es verkündet hatte, vom Zweifel überwältigt. Er lehnt sich auf gegen Gott, dessen Werkzeug .er nich länger sein will, und. wendet sich fort von dem Herrn, dem Volke zu. Aber als Gotteslästerer wird er dort zurückgestossen und erkennt nun: „Leiden ist Prüfung und Prüfung Läuterung". Da findet er zurück zu Gott und wird zum Tröster des ausziehenden Volkes. — Am Anfang mit Gott ohne das Volk, dann ohne Gott und ohne das Volk, zum Schluss aber mit Gott und dem Volke — das ist, kurz zusammengefasst, die Entwicklung des Zweig'schen Jeremias, .. Es ist eine Tat, daß der Kulturbund dieses Werk, das uns doch viel näher steht als Lessings „Nathan" zur Aufführung gebracht hat. Gerade die Jugend muß dafür dankbar sein, daß sie in der heutigen Zeit überhaupt noch Theateraufführungen zu sehen bekommt. Eines haben wir wohl alle aus der Aufführung gelernt — der überfüllte Saal und der Beifall des Publikums haben es deutlich genug gezeigt — daß ein Bedürfnis nach jüdischen Stücken vorhanden ist." Hildegard S t r a u s s hat in ihrem Beitrag die Stimmung der Aufführung mit besonderer Eindrücklichkeit wiedergegeben. Ans diesem Beitrag veröffentlichen wir: ..... Als Scheinwerfer aufflammten, als Menschen auftraten, da waren wir alle ergriffen von dieser Handlung und ihrer unfassbaren Zeitennähe. Wie gebannt sassen wir und fühlten und lebten mit diesen von Gott besessenen Menschen. Wir litten mit der Mutter, die mit allen Mitteln versucht, ihren Sohn zu halten, die gebrochen zusammensinkt, als er mit übermenschlicher Kraft sich frei macht für Gott und sein Volk. — Wir kämpfen mit ihm gegen den Hohn und den Spott des Pöbels, wir glauben sein Wort und sein Gesicht wie der Jüngling Baruch: „Denn ich sah Dein Blut für Dein Wort". Geächtet, geschlagen, verhöhnt, bespieen und verlacht? Und doch bleibt der große Glauben an Gott und an seine Sendung____" Bei der Einsendung von Horst W e i s b a r t verdient die innere Anteilnahme hervorgehoben zu werden, mit der sich der Verfasser in den Geist des Stückes und die Aufführung versenkt. Dafür sollen einige Stellen Zeugnis ablegen: .,... Und das Volk zieht hinweg in alle Welt. Mit ihm Jeremias und Zedekia, der Geblendete. Er hat erfahren und auch das Volk hat es erfahren, daß Leiden Prüfung und Prüfung Erhebung ist. Stark ist das Volk durch den Glauben an sein Wiederkehren. Ewig währet Jerusalem! Und wir?... Wir haben gesehen, wie das Volk in seinem tiefsten Leid nicht weniger geworden war, sondern unendlich viel mehr; daß Selbstbeherrschung und ungeheurer Glaube ihm die Kraft geben, diesen Weg nicht gebeugt, sondern erhobenen Hauptes zu beschreiten.. Auch wir haben sehen müssen, wie unsere Brüder auf die Trümmer ihrer einstigen Existenz herabblicken nnissten. Auch wir haben gesehen, daß sie die Kraft dazu fanden, weiterzuwandern, irgendwohin oder in die Heimat, der wir entstammen. Auch uns sollen Selbstbeherrschung und Glaube an die Wiederkehr stark machen für den Kampf ums harte Leben. Und „Ewig währet Jerualem" in unserer Seele." Bedauerlicherweise hat die dritte Aufgabe des Wettbewerbs, Vorschläge für die Ausgestaltung eines Heimabends mit dem Thema: Jüdische Sagen, keine Bearbeitung erfahren. Diese Aufgabe galt insbesondere der hündischen Jugend. Nur ungern wird man aus dem Fehlen jeder Bearbeitung dieses Themas Schlüsse au$ die Interesselosigkeit der Jugendbünde an der Ausgestaltung der Beilage „Jugend und Gemeinde" ziehen. Auch zur vierten Aufgabe: Wie ich Freude an h a n d w e r k 1 icherArbeit gewonnen habe, sind keine Einsendungen eingegangen, die das Thema richtig erfasst haben. Die namentlich aufgeführten Einsender erhalten in den nächsten Tagen als Anerkennung ihrer Mitarbeit ein Buch durch die Schriftleitung des Gemeindeblattes zugestellt;. Die Schriftleitung der Beilage „Jugend und Gemeinde"