Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 8 (4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 333 (sequence 43)
- Language
- German
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Seite 334 10 Jahre Iii Zehn Jahre Vereinsarbeit bedeuten gemessen an der Tätigkeit zahlreicher jüdischer Organisationen eine kurze Spanne. Zehn Jahre Jugendverein aber bedeuten, daß zehn Jahrgänge junger Menschen durch ihn hindurchgegangen, in ihrer Anschauung, geistigen Haltung und Lebensgestaltung von dem Jugendbund beeinflusst und geformt worden sind. So wirken die Eindrücke und Einwirkungen, die der junge Mensch im Jugendverein empfangen, durch 6 Leben nach und beeinflussen wesentlich die. spätere Lebenshaltung. Der Iii Frankfurt (früher jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft, jetzt Jugendgemeinschaft für fortschrittliches Judentum) wurde im März 1925 erneut ins Leben gerufen, nachdem bereits früher mehrere Jahre hindurch ein Iii hier bestanden hatte. Viele hunderte, meist der Schule entwachsene jüdische junge Menschen haben in diesen zehn Jahren den Iii durchlaufen, zahlreiche Jugendliche, denen im Elternhaus keine Gelegenheit geboten war, religiöses Judentum zu erleben, wurden durch die Tätigkeit aus der Gleichgültigkeit gegenüber dem Judentum herausgerissen; andere, die zur jüdischen Form im Elternhaus in Gegensatz geraten waren, wurden vor dem Abfall bewahrt und mancher so dem Väterglauben wieder zugeführt, der sah, daß für das liberale Judentum die Form zwar schützende Schale, der Geist und sittliche Wert aber Sinn und wertvoller Kern unserer Religion bedeutet. Wohl über 1000 Veranstaltungen haben in diesen 10 Jahren im Iii stattgefunden: Wöchentliche Heimabende, an welchen berufene Persönlichkeiten in Referaten mit anschliessender Aussprache Wissen und Kenntnisse aus den verschiedensten Gebieten jüdischer Religion und Geschichte zu vermitteln suchten; daneben wurden die jeweiligen aktuellen Ereignisse der Gegenwart, sowie die Probleme jüdischer Lebensgestaltung im deutschen Raum in abwechslungsreicher Fülle behandelt. Zahlreiche Arbeitsgemeinschaften wurden abgehalten, die der Vertiefung von Einzelfragen dienten; so befasst sich seit mehreren Jahren eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Lesen der Bibel und sucht so das alte Lernen in neuer Form zu betreiben. Jugend In dieser Zeit, da das Leben der Juden sich immer weniger in breiter Oeffentliehkeit abspielt, immer mehr dagegen in kleinen Kreisen — sei es der Freunde, der Familie oder der bündischen Jugendgruppen —, gewinnt alles wieder an Bedeutung, was das Leben im kleinen Kreise zu formen, zu verschönern und zu vertiefen vermag. Im Zuge dieser Entwicklung wird und muß sich die Hausmusik den Platz zurückerobern, den sie früher unbestritten einnahm. An ihre Stelle trat ein Musikbetrieb, in dem gleichsam Priester der Kunst ihre Musik vor einer Masse von Laien zelebrierten, und so entstand eine kulturell unfruchtbare Trennung von Ausübenden und den zur Passivität geradezu gezwungenen Zuhörern. Erst dann aber,, wenn die Hörer wieder — als Dilettanten im besten Sinne des Wortes — zu Ausübenden werden, können wir ein lebendiges Verhältnis zur Musik zurückgewinnen. Die berufenen Helfer auf dem Wege zu diesem Ziel sind die Musiklehrer. Und in diesem Sinne begrüssen wir es, daß die jüdischen Privatmusiklehrer Frankfurts durch Veranstaltungen für gute Musikerziehung werben, an denen sie unter dem Motto Neben diesem Alltag in der Arbeit des Iii standen laufend Sabbat" und Feste im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit. In jedem dieser 10 Jahre wurde ein Sederahend abgehalten, jedes Jahr wenigstens ein Abend in der Laubhütte verbracht; die erhabenen Feste wurden in ernster Feierstunde, Chanukkah und Purim in froher Weise begangen. Viele Jahre hindurch fanden am Versöhnungstag, vom Iii veranstaltet, im Filialgottesdienst im PhilanthTopin zu Mincha ein Jugendgottesdienst mit jugendlichem Prediger und Jugendvorbeter statt. Freitagabendfeiern, zeitweise in Form eines von Iiimitgliedern gestalteten Gottesdienstes; der zum Verständnis der üblichen Lithurgie hinführen sollte, wurden abgehalten. Viele werden sich dankbar der Freitagabende im Hause des damaligen Vorsitzenden, Dr. Hugo Hoffmann, erinnern, wo mancher jüdische Junge, manches jüdische Mädel zum ersten Mal den Glanz eines altjüdischen Freitagabend mit Sabbatleuchter, Kiddusch und frohem Gesang erleben durfte. Neben der ernsten Arbeit dienten gesellige Veranstaltungen, Spiel, Wanderungen und Sport dazu, die persönlichen Beziehungen unter den Mitgliedern zu fördern. Wenn auch der Iii bündischer Erziehung fernstand, so war es doch immer Ziel gewesen, die jungen Menschen zu einer engen Gemeinschaft zusammenzuschliessen, und es wurde so manche Freundschaft geschlossen, die schliesslich zur Bindung fürs Leben wurde. In die vergangenen zehn Jahre Iii-Tätigkeit fiel eine Zeit, in" der das Bekpuntnis zum Religiösen oft nicht leicht war; der Iii Hess sich jedoch niemals von seinem Weg abbringen. Heute, wo ein erfreuliches Erwachen religiösen Lebens in weiten Kreisen der deutschen Judenheit zu erkennen ist, fällt dem Iii die Aufgabe zu, den beschrittenen Weg weiter auszubauen und innerhalb der Jugend da, wo das Verständnis für religiöses Leben und Tun noch fehlt, solches zu w e c k e n, wo es besteht, es zu fördern und zu vertief en. Möge auch in Zukunft der Iii-Gemeinschaft bei dieser schwierigen Aufgabe von Seiten der Jugend stets die erforderliche Gefolgschaft, von Seiten der Erwachsenen die nötige Unterstützung gewährt werden, und so die weitere Arbeit des Iii unserer Jugend, der Gemeinde und dem Judentum zum Segen gereichen. Alex Jakobsohn musiziert „Jugend musiziert" ihre Schüler vorspielen und vorsingen lassen. Den gut besuchten ersteh Abend (am 17. Februar) leitete Dr. Willy Salomon mit klugen Worten über den pädagogischen Wert solcher Veranstaltungen ein, als deren Anregerin er Hedwig Bergmann nannte. - Es kamen Klavierschüler von Hedwig Bergmann, Heida Hermanns-Holde, Alice Rosenbaum, Lilly Schwarz-Mayerhof er, Siegfried. Würzburger und" Gesangsschüler von Alice Baehr, Rose Loening und Benno Ziegler zu Gehör. Die Leistungen standen auf gutem Niveau und fanden die lebhafte Teilnahme des Publikums. — Der zweite Abend findet am 7. April, 17% Uhr, im Vereinshaus Eschersheimerlandstr. 27 statt. Es spielen Schüler der Klavierlehrerinnen Lucie Baehr, Lilly Bamberger, Marie Lenheim, Bertha Mannheimer, Marguerite Straus-Oppenheimer, Nora Ziegler und der Violinlehrerin Aenni Rosenthal. Wird diese Werbung für gepflegte Hausmusik richtig verstanden, so kann vielerorts aus einer Not ein Segen werden. Kurt Bergel AUSLAND-, spez. PÄLÄSTINATRANSPORtE /ALBERT HERZ Sammelladungen Möbel - Kotf.r (Uft-Van.) 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