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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-04-01 · 8 (4.1935) · p. Seite 300

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
8 (4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 300 (sequence 10)
Language
German
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Seite 300 Zur Bedeutung Maimonldes5 als Ajfzt und medizinischer Schriftsteller^ von Dr. med. Ö. Leibowitz-Bad Homburg - In den folgenden Ausführungen muß ich es mir versagen, die gesamte praktische und literarische Wirksamkeit Maimonides' in der Medizin systematisch zu beschreiben. Dies zu tun versuchte ich in meinen Vorlesungen am Jüdischen Lehr- ' haus Frankfurt a. M., und ich verweise auf die ausführlicheren Lebensbeschreibungen und die Sammelschrif tbeiträge. Dagegen will ich in einigen kurzen Kapiteln medizinhistorische und judentumswissenschaftliche Tatsachen so zusammenstellen; daß durch Vereinheitlichung der Gesichtspunkte die universale Persönlichkeit Maimonides' dem Verständnis näher rückt. Philosophisch-religiöser Unterbau der Medizin Alle Ausübung und alle Lehre der Medizin des Mamonides' ist' auf dem unerschütterlichen Fundament seiner geschlossenen Weltanschauung aufgebaut. Das Gegensatzpaar — Bildung und Weltanschauung —, ein Gegensatz, an dem der ganze neuzeitliche . wissenschaftliche Betrieb krankt, besteht für Maimonides überhaupt nicht. Erhaltung und Wiederaufrichtung menschlicher Gesundheit sind für ihn nicht von einer wechselnden ärztlichen Ethik und den Vorschriften einer oft engen Standesmoral diktiert, sondern eine religiöse Norm, beherrscht durch dankbare Bewunderung göttlichen Schöpfungswerks. Nur so können wir es verstehen, daß 2 Kapitel im großen Religionskodex Maimonides' einem so „profanem" Gebiet wie die ärztliche Diätetik gewidmet sind! (Mischne Thora, Hilchot deot, Kap. 3 und 4). Es sind dies ausführliche, Verordnungen einer gewissen „Schonungskost", eine Warnung vor Überladung der Verdauungsorgane, vor Ueberlastung des Wasserhaushaltes, ja sogar Vorschriften betreffend Körperübungen als Heilfaktor. Aber nicht das blosse olympische Ideal-eines schönen gesunden Körpers, sondern religiöse Ziele. - eines-- Vollkommenseins der Persönlichkeit führen unserem Autor die Feder. Ich gebe in diesem Zusammenhang die Uebersetzung eines Bruchstückes aus dem Schlussabsatz des 3. Kapitels wieder: „verhält sieb jemand gesundheitsgemäß und richtet er seinen Sinn nur darauf, daß sein ganzer Körper und seine Organe vollkommen sesien, so ist dies kein guter Weg;---- sondern er richte seinen Sinn-darauf, daß sein Körper vollkommen und kraftvoll sei, damit seine Seele recht sei, Gott zu erkennen/'. .- Der positive Arzt j: In seiner Beziehung zum Gesamtgebiet der Medizin ist Maimonides stets positiv.' bejahend. Freilich überschätzt er die Heilkunst nie: fern von jedem Gelehrtendünkel spricht er nicht von der „medizinischen Wissenschaft", sondern vom „medizinischen Handwerk"- (Einleitung zur Gesundheitsanleitung für den Sultan Almalik Alafdäl. Kronersche Uebersetzung; auch im Mischnakommentar „mlechet harefuah" statt „chochmat harefuah"). Auch ist ihm das Nur-Arzt-Sein ein Greuel. Er schreibt in dem berühmten Brief an seinen Ueberselzer R. Samuel Ihn Tibbon: „das Buch der theologischen Wissenschaft, das Al-Razi verfasst, hat keinen Wert, denn er war nur? Arzt, und auch die Bücher.... des Izchak Israeli sind alle Einbildung, nichtig und eitel, denn auch Izchak Israeli war nur Arzt". Bloss Arzt zu sein, erschien Maimonides zu eng, wie übrigens jeder große Fachgelehrte den Anschluss an die Gesamtwissenschaft als ein oft; unerreichtes Ideal ansieht (ich denke an einen Ausspruch Färadays). Aber nichtsdestoweniger war Maimonides ein überaus positiver Arzt. Ich nenne als Gegensatz zu ihm den anderen großen Arzt der spanischen Glanzzeit des Judentums, R. Jehuda Halevi, Wie Maimonides auch er von einer Menge Patienten bestürmt und verehrt, aber doch voll tiefer Wehmut über die Unzulänglichkeit jedes ärztlichen Tuns (Brief abgedruckt in Harkavys Ausgabe des Divan, Gedicht „Der kranke Arzt" in der Uebersetzung und Kommentierung Franz Rosenzwoigs). Schon in den erwähnten Hilchot deot (Kap. 4, Absatz 20) sagt Maimonides, daß jeder, der seine Gesundheitslehren befolgt, nie krank werden wird, es sei denn, daß Alter, schlechte Konstitution oder Epidemien ihn dahinraffen würden. Welch beneidenswerte Sicherheit und welches Vertrauen zu . seinen eigenen Maximen! Auch glaubt Maimonides, daß .das meiste Uebel, das den Menschen trifft, durch dessen eigenes „Verschulden" verursacht sei (More nebuchim, III, Kap. 12); ein Standpunkt, der für manche Abnutzungskrankheiten des Kreislaufapparates auch jetzt zutreffen mag. Diese Auffassungen befähigen Maimonides nicht nur absolut positiv seine schwere Last der Praxis zu tragen, sondern machten ihn zum sicheren Führer der Gesundheitsbelange seiner Zeit. Die Medizin Maimonides aus seiner Stellung zum und im Judentum abgeleitet Ich erwähnte schon, daß Maimonides mitten in seinem großen Religionskodex einem Teil seiner medizinischen Ansichten — vor' allem über Diätetik — Platz gibt. Wenn man will, ist dies nicht erst maimonidisch, denn schon der Talmud bringt gar manchen Beitrag zur Lehre und Tat in der Medizin; wohl aber nicht so systematisch wie bei Maimonides. Nun war Maimonides' Stellung zur Medizin von seinen jüdischen Anschauungen beeinflusst. Bekanntlich war Maimonides ein Feind allen Aberglaubens in der Religionsübung (gegen Amulette z. B.). So war er aber auch in der Medizin, gegen die sogenannten sympathetischen Mitteln, gegen den faulen Zauber („ut aliquid fieri videatur"), der sich bis auf unsere Tage erhalten hat. Im More (III, Kap. 37) spricht er sich gegen zauberähnliche Betätigung in der Medizin aus und glaubt, „das Heilbuch, das Hiskaja eingezogen, bezw. verboten hat, sei zweifelsohne von dieser Gattung gewesen". Ferner scheint die besondere Betonung der Diätetik in der Medizin des Maimonides auf seine ritualwissenschaftlichen Studien über erlaubte und verbotene Speisen zurückzuführen zu sein. Aber auch von der Religionsphilosophie des Judentums gingen Einwirkungen auf die maimo-, nidische Medizin aus. Die Lehre von der freien Entscheidung des Menschen, welche in einem Gegensatz zum islamischen Fatalismus steht, erklärt den aktiven Positivismus der medizinischen Vorschriften unseres Autors. Nur so verstehen wir die hohe Bedeutung, ja Ueberschätzung, die Maimonides dem eigenen Verhalten des Menschen in Bezug auf die Erhaltung der Gesundheit zubilligt. Schliesslich hat die autoritative Stellung Maimonides' innerhalb des Judentums auf die lehrhaft gesetzgeberische Note Die Frankfurter Bank, Neue Mainzerstrafje 69 gegründet 1854 Tel. 20901 übernimmt die Ausführung aller bankmässigen Geschäfte V^ Spareinlagen gegen Sparbuch SZZZPTSZ Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen 1 tif wrfr*<r. p .

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