Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 7 (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 286 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 286 niveau. Man sieht ihnen meist an, daß sie gesunkenes Kulturgut' im schlechten Sinne sind; ihre Herkunft sind moralisierende Andachtsbücher, historische Serienromane und kleinbürgerliche Gelegenheitslyrik; ihre Kindlichkeit ist ein altjüngferliches Kunstprodukt von Erwachsenen, ihre Sprache zeugt meist von trauriger Selbstgenügsamkeit der Verfasser. Der Mann, der uns soeben die Not der jüdischen Jugendliteratur durch sein Buch ,Der Retter von Chula' zu lindern half, heisst Elieser Smolly (Jüdische Jugendgeschichten aus dem neuen Palästina, Erich Reiss-Verlag R,M. 2.85). Es braucht hier nicht danach gefragt zu werden, warum gerade und charakteristischer Weise Geschichten der palästinensischen Jugend es sind, die jene peinlich fühlbar gewordene Lücke ausfüllen; aber es darf keinesfalls die Beurteilung solcher Geschichten von der politischen Einstellung dessen abhängig gemacht werden, der jeweils sein Urteil darüber abgibt Leider hat der unsachliche Brauch, auch solche Bücher wie das uns hier vorliegende parteidoktrinär zu beurteilen, in der jüdischen Presse ein Ausmass angenommen, daß der Hinweis notwendig ist: der Bewertung von Jugendbüchern sind vor allem Gesichtspunkte der Jugendkunde und der Sprachsauberkeit zugrunde zu legen.— Das klare und gesunde Jungensgesicht auf dem Buchumschlag kündigt Geschichten an, die auch vor allem von Jungens gelesen werden dürften. Ob nun der 12 jährige Simson durch einen mutigen Ritt, der ihm das Leben kostet, zum Retter einer gefährdeten Siedlung wird; ob zwei Jungens ihre Ferien damit verbringen, im selbstgezimmerten Boot den zuweit sich vorwagenden Schwimmern zu helfen und dabei selbst in Lebensgefahr kommen; ob der geschickte Gurion sich eine Sammlung von Skorpionen anlegt und man dabei zwanglos entomologisch interessiert wird: frische Jungens lesen noch immer gern, wenn einer von ihrer Art einmal beweist, daß er ein rechter Kerl ist. Das Heldische, das in Jugendbüchern oft so unerträglich gehäuft wird, ist in diesen Geschichten Bestandteil des wirklichen Lebens der palästinensischen Siedlung und daher echter, verbindlicher und glaubhafter. Wenn das großmaulige, wenn auch durchaus nicht unsympathische Heldentum Old Shatterhands im Zeitalter sportlich-technischer Leistungen doch hinter einem lebensnäheren etwas zurücktritt, so wird durch diese Wandlung im Geschmack der Jugendliteratur nur deutlich, wie heute die Wirklichkeit frühzeitiger und unaufhaltsamer in das Leben des Jugendliehen eindringt als früher. Diese Tatsache ist gerade für den jungen jüdischen Menschen unserer Zeit bezeichnend und wird häufig — mit nicht genügendem Verständnis — als Aktualisierung', .Politisierung' und .Frühreife' von der älteren Generation abgelehnt. Wo" gleichsam das Leben Palästinas selbst die Geschichten geschrieben hat, sind sie am wertvollsten. Da ist etwa eine szenische Reportage von armen, yemenitischen Juden, deren Baracken auf dem Boden eines amerikanischen Juden stehen und die so auch noch in Erez Israel in einer Galuth leben. Hier sprechen die Tatsachen so stark, daß man kaum noch nach dem Unterschied von Erwachsenen — und Jugendliteratur fragt. So werden manche Stücke dieses Buches auch von Erwachsenen gerne gelesen werden. ,Bialik hat Geburtstag' zeigt die Popularität dieses Mannes, der erst jetzt, nach seinem Tod, in Deutschland bekannter zu werden scheint. Rührend, vielleicht ein wenig zu rührend, ist. die Geschichte von dem Hirtenjungen Arnos, der mit seiner Herde eine Nacht lang ratlos und weinend bei einem gebärenden Lamm aushält.— Wir wünschen dem sprachlich sauber übersetzten Buch, zu dem Heinz Wallenberg neun geschmackvolle Zeichnungen beigesteuert hat, eine weite Verbreitung und empfehlen es noch besonders den Bünden aller Richtungen für Heimabende der Mittlerenschaft und der Pimpfe. Kurt Bergel Habonim noar chaluzi Der Bund veranstaltet am 31. März einen Eltern- und Freundesabend, zu dem er herzlich einlädt. Programm: Theater, Chor, Ansprache, Orchester und andere Darbietungen. Die Hausfrauen-Nachmittage in der Frankfurt- Loge haben sichgut eingeführt, da sie ja bei Kaffee und Kuchen einige recht vergnügliche Stunden bieten. Für Purim, am Sonntag, den 24. März nachmittags 3 Uhr und abedns 8.30 Uhr ist der nächste angesagt. Es wird ein echtes, rechtes Purim-Programm geben, heiter und vielseitig. Dabei findet eine grosse Modenschau erster Firmen und eine Kollektiv-Ausstellung des Vereins selbständiger israelitischer Handwerker statt. (Alles Nähere besagen die Plakate!) Dieigufe Mass*Arbeif! O hiiimmiiiiimiiimiimii Alice fldler umcHsmio FEINE DAMENSCHNEIDEREI zieht am 1., MÄRZ 1935 nach GOETHEPLATZ 10 TEL. 28303 EINGANG TOEPPENG. 9 nächst Steinw-u. Ro'sra, Caroline Qavid Feine Damen-Schneiderei Zeitgemäse Preise Eschersheimer Landsir. 1 Telefon 56192 SM tt s e i g e n unter (tiefer Jta&rif ftaften fixeren Gr folg! Qertlja Adler Atelier feiner Damenkleider Cronbergerstr. 19 Telefon 72832 ßedwig örlebacfter VornehmeiMass Schneiderei Niedenau 45, II. 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