Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 7 (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 281 (sequence 31)
- Language
- German
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Sei^e 281 kommene Ausbildung der Hausangestellten auswirkt. Nicht verhehlen dürfen wir allerdings, daß auch die Ausbildung in der Hauswirtschaft nicht ohne weiteres gegeben ist. Der Besuch der Haushaltungsschule ist sehr vielen wegen der Kosten unmöglich, der elterliche Haushalt in seltenen Fällen zur Ausbildung geeignet, die Zahl der häuslichen Lehrstellen nicht in der gewünschten Art und Zahl verfügbar. Es sind aber häusliche Stellen vorhanden, wenn auch nicht in Frankfurt und nicht in der Stadt, die man sich gerade ausgesucht hat. Die Möglichkeiten, sich hauswirtschaftlich auszubilden, sind für eine große Zahl von Mädchen gegeben. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Tatsache hingewiesen, daß von den 77 uns gemeldeten Mädchen 40 — also mehr als die Hälfte — den Sabbath halten und auf rituelle Lebenshaltung sehen. Das ist eine Tatsache, der wir absolut Rechnung tragen müssen. Gerade diese Wünsche aber lassen sich am leichtesten in der hauswirtschaftlichen Ausbildung berücksichtigen. Dabei soll nicht ausser Acht bleiben, daß von allen Seiten darauf hingearbeitet werden muß, daß auch im kaufmännischen Beruf die Möglichkeit der Sabbathaltung mehr als bisher gegeben wird. Aufgabe der Berufsberatung ist es, die Wünsche der Eltern und Kinder bei der Berufswahl zu verstehen und nachzuempfinden. Berufsberatung heisst aber auch, Verständnis für die Schwierigkeiten, die aus der Not der heutigen Zeit kommen, zu erwecken. Berufswünsche sind erfreulicherweise in den wenigsten Fällen etwas Unabänderliches. Wir wissen aus langjähriger Erfahrung, daß das „ich möchte nur... und meine Tochter soll nur ..." nicht unverrückbar ist und daß man verständnisvollem Zureden nach längerer oder kürzerer Zeit zugänglich ist. Leider wird heute mehr als früher der Berufswunsch ein Jugendtraum bleiben müssen. Es kommt auch hier, wie bei allem im Leben darauf an, die Wünsche der Wirklichkeit anzupassen! Sara Eisenstädt Brauchen Mädchen jetzt nicht mehr zu „lernen"? Ist das nicht eigentlich eine dumme und höchst überflüssige Frage? Eine Frage, die schon durch die Gegenfrage: „Können Mädchen denn überhaupt noch lernen?" beantwortet zu sein scheint; (wobei „lernen" hier die im Schülerjargon übliche Bedeutung von „sich höhere Bildung aneignen, die Oberklassen einer höheren Schule oder gar die Universität besuchen" hat). Und dann wird aus der Frage tatsächlich ein Problem: Hat es denn einen Sinn, unsere Mädchen, — vorausgesetzt, daß sie überhaupt die Möglichkeit dazu noch haben —, die höhere Schule und die Universität besuchen zu lassen? Um ganz ehrlich zu sein: Sind es wirklich immer nur die für uns ungünstigen politischen Verhältnisse, die es zu einer Unmöglichkeit machen, den Mädchen eine wissenschaftliche Ausbildung angedeihen zu lassen, oder geht es uns vielleicht nicht auch ähnlich -wie jenen gefährdeten Examenskandidaten der Jahre 1933/34, die, als sie endgültig „durchgefallen" waren, als Opfer einer verschärften Examenszensur Nichtariern gegenüber allgemein sehr bedauert wurden? — Es gibt sicher eine Reihe von Eltern, die in normalen Zeiten nie daran gedacht hätten, ihre Tochter das Abitur machen zu lassen, die aber jetzt ihren Entschluss, sie nach der Obertertia oder Untersekunda aus der Schule zu nehmen, für von politischen Umständen diktiert halten. Doch von diesen Mädchen, die wegen mangelnder geistiger Fähigkeiten vorzeitig die Schule verlassen oder wegen ausgesprochen künstlerischer, handwerklicher oder hauswirtschaftlicher Eignung eine andersgerichtete Ausbildung finden, soll hier abgesehen werden. Wir stehen vor der Tatsache, daß die Mittel- und Oberklassen höherer Mädchenschulen von Jahr zu Jahr, man kann fast sagen, von Halbjahr zu Halbjahr, eine große Anzahl von Schülerinnen — und zwar von gut und sehr gut veranlagten Schülerinnen — einbüssen. Die Antwort auf unsere Frage: „Weshalb?" lautet immer wieder: „Es hat ja doch keinen Sinn". — Es ist erschütternd zu sehen, wie diese Kinder und Halbwüchsige resigniert und mutlos die Waffen strecken, die — das muß gesagt werden — sie noch niemals geführt und noch nicht zu führen gelernt haben. Wer enthält ihnen denn das vor, und warum soll es ihnen vorenthalten werden? Die Eltern sind es, die in dem verständlichen Bestreben, ihren Töchtern alle vermeidbaren Zusammonstösse mit der feindlichen Aussenwelt zu ersparen, sie in die immer noch verhältnismässig geborgene, mütterliche Atmosphäre des Haushaltes und der Familie bannen. Die Eltern, zersorgt — weil mit Verantwortung überlastet, pessimistisch — weil erfahrener und weitsichtiger als die Jugend, mutlos — weil eben älter als die Jugend, teilen ihren Mädchen da eine unheilvolle Gabe mit. Man möchte ihnen zurufen: „Lasst doch eure Kinder sich selbst mit dem Leben auseinandersetzen, lasst sie leben und — lasst sie. lernen!" Es ist offenbar und wir wissen, man will das Bildungsniveau des deutschen Judentums, man will seine geistig-wissenschaftliche Ausprägung und Betätigung zerstören. Die Massnahme: numerus clausus auf allen Gebieten, auf dem Gebiet der geistigen Berufe und den der Ausbildung für diose Berufe. Und welche Gegenmassnahme ergreifen wir? Kämpfen wir? Nein, wir ziehen uns in unsere Schneckenhäuser zurück, machen keinen Gebrauch von der zwar spärlich, doch immerhin hie und da erteilten „Hochschulreife", nehmen die Mädchen von der Schule, „weil es ja doch keinen Zweck hat", und landen allmählich auf dem Punkt, den w i r nicht wünschen können. Sicherlich ist jetzt weniger denn je die Zeit für „Intellektualität" und Häufung toter Wissensstoffe. Und ebenso wenig und noch weniger ist jetzt die Zeit für „studierte Frauen". Aber ein dringendes Erfordernis der Zeit sind kluge, gebildete Frauen! Wir brauchen Stützen und Mitgestalterinnen der gefährdeten deutsch-jüdischen Kultur! Wir brauchen Frauen, die nicht nur körperlich und seelisch bereit und fähig zur Formung eines hochstehenden deutsch-jüdischen Bildungsideals sind, sondern die auch durch ihre objektiven geistigen Leistungen dazu gedrängt werden. Deshalb verwehrt euren Töchtern nicht den Zugang zu den Quellen des Wissens und der Bildung! Lasst sie „lernen"! Margot Abt Wir bringen vorstehende Ausführungen, da sie gerade zum herannahenden Schulbeginn Anlass zur allgemeinen Meinungsäusserung ergeben dürften. Die Schriftleitung Frauenberufe im Frankfurter Ghetto Die große Menge der Ghettobewohnerinnen widmete ihre Kraft der Arbeit für Haushalt und Familie. Hausfrau sein, war wirklich damals ein den Tag ausfüllender Beruf. Man bedenke nur, daß jeder Eimer Wasser am Brunnen geholt werden musste, von anderen Unbequemlichkeiten ganz zu schweigen. Man muß freilich nicht glauben, daß die Frauen ihren Haushalt ohne bezahlte Hilfe versehen mußten. Christliche Dienstboten zu halten, war ihnen zwar verboten, mit Ausnahme der sogenannten „Schabbesgoie". Aber an jüdischen war kein Mangel, ganz im Gegenteil! Es gab übermässig viele Dienstboten, sogar auch männliche, im Ghetto, sodaß der Rat, vielleicht nicht mit Unrecht, den Verdacht hegte, daß sich unter diesem Titel fremde Juden und Jüdinnen heimlich einschlichen, Handel trieben und sich von der Steuer drückten. Es war deshalb den Haushaltungen nicht gestattet, beliebig viele Dienstboten aufzunehmen. Im Jahre 1709 gab JedervierieMm m überschritten hat ist durch Arterien-Verkalkung gefährdet Vorboten beachten, ehe es zu spat tstl Rechtzeitig vorbeugen I DISARTERON hilft! 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