Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 7 (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 282 (sequence 32)
- Language
- German
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Seite 282 es im Ghetto 507 häusliche Hilfskräfte, darunter 46 Knechte. Die meisten Haushaltungen hielten ein Mädchen, 60 hatten zwei, 13 drei, 6 vier, eine Familie gar 5. Wenn auch unter den seihständig Handeltreibenden Frauen nicht erwähnt werden, so ist es doch als sicher anzunehmen, daß es genug tüchtige Geschäftsfrauen gegeben hat. In.jedem jüdischen Haus fast war ein Warenkram irgendwelcher Art. E9 ist selbstverständlich, daß die weiblichen Familienmitglieder da freudig mit Zugriffen, und sich bald die nötige Sachkenntnis aneigneten. Und manchmal ist es auch wohl vorgekommen, daß def Ehemann und Familienvater so vom Studium der heiligen Schriften eingesponnen war, daß es der Frau und Mutter allein anheimfiel materiell für die Familie zu sorgen, selbst wenn sie hausieren musste. Jüdische Hausiererinnen sind öfters erwähnt Bmerkenswert ist, daß die Gemeindevorsteher, die über strenge Geschlechtsmoral wachten, es nicht gerne sahen, wenn noch jugendliche Personen ohne Begleitung christliche Kunden in dei Stadt besuchten, weil sie auf diesen Gängen zu vielen Verführungen ausgesetzt seien.— Nicht zu verwechseln mit Hausiererinner sind die sogenannten „Unter käuferinne n". Sie vermittelten amtlich, im Verein mit ihren männlichen Kollegen, zwischen fremden Verkäufern und einheimischen Käufern. Um das Jahi 1400 z. B. sind zwei Unterkäuferinnen namentlich angeführt: Lewa und die „kleine Sara". Man weiss nicht, in welchen Handelszweigen sie tätig waren, noch ob sie ihr Gewerbe das ganze Jahr über oder nur zur Messezeit ausübten. In späterer Zeit scheint man keine jüdischen Unterkäufer mehr zugelassen zu haben. — Ein weiterer, in das kaufmännische Gebiet zu rechnender Beruf war der der H o c k i n. Der Ausdruck, noch heute im Frankfurter Dialekt üblich, meint eine Person, die an einem Stand unter freiem Himmel Nahrungsmitel, auch wohl andere Waren in kleinen Mengen feil hält. Die jüdischen Hockinnen stellten ihre Warentische auf dem Markt oder der Strasse auf, falls ihnen der Rat die Erlaubnis dazu erteilt hatte. Meistens sassen sie aber in der Judengasse selbst oder an der Ghettopforte. Eine Hoekin namens Ryle wird öfters in städtischen Akten erwähnt. Sie scheint eine streitbare Person gewesen zu sein, die ihr Recht gegenüber der Obrigkeit und ihren Konkurrentinnen durchzusetzen suchte. Ursprünlich war sie Färberin, ein Beruf, den sie von ihrem Vater gelernt hatte. Doch konnte sie sich damit nicht den kärgsten Lebensunterhalt erwerben. Aber auch als Hockin hatte sie schwer zu kämpfen. Trotz der hohen Protektion der Herrn von Heusenstamm mußte sie schliesslich, gezwungen durch die Anfeindungen der anderen jüdischen Hockinnen, ihren kleinen Stand an der Ghettopforte wieder aufgeben. Wie es der armen Ryle unmöglich war, als Handwerkerin ihr Brot zu verdienen, so hatte ja bekanntermassen und aus bekannten Gründen das Handwerk bei den Juden überhaupt keinen goldenen Boden. Die Metzger machten aus rituellen Gründen eine Ausnahme. Es gab deren zu allen Zeiten eine nicht geringe Anzahl. Daß auch eine Metzgerin erwähnt wird, ist auffallend. Hoffentlich betrieb sie ihr Gewerbe mit Hilfe männlicher Hilfskräfte. Sonst sind jüdische Handwerkerinnen kaum festzustellen. Am Ende des 17. Jahrhunderts ist von drei Frauen die Rede, die sich mit Nähen und Spitzen anfertigen befassen. Es ist aber kaum anzunehmen, daß sicli nur so wenige Frauen mit der Nadel ernährten. Konfektion gab es noch nicht. Also mußten wohl |alle Kleidungsstücke und Putzartikel einzeln angefertigt werden. Soll man glauben, daß dazu die meisten Hausfrauen und Töchter Zeit und Geschick hatten? Oder gab man die Arbeit in christliche Hände? Ebenso die Wäsche, die Spitzenhauben und Tücher? Ganz seltsam ist es, daß es das ganze Mittelalter hindurch keine jüdischen Hebammen in Frankfurt gab. Die Wöchnerinnen Hessen am liebsten die weisen Frauen aus Sachsenhausen ins Ghetto holen; der Rat befahl ihnen aber, sie aus der eigentlichen Stadt kommen zu lassen. Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts hören wir zum ersten Mal von einer jüdischen Hebamme. Als sie sich jhoehbetagt' zur Ruhe setzen wollte, fand man keine geeignete Frau in der Gemeinde und mußte die Nachfolgerin aus Amsterdam beziehen. Am Ende des Jahrhunderts scheint es endlich auch Frankfurter Hebammen gegeben zu haben. 1791 bittet Goldge St. Goar um Zulassung zu diesem Beruf. In primatischer Zeit sind zwei Hebammen, Sara Sulzer und Sara Schwarzschild, im Amt.— Die Krankenpflege, diese spezifisch weibliche Betätigung, scheint im Ghetto keine eigens dazu bestellten Vertreterinnen gehabt zu haben; es werden nur männliche Pfleger erwähnt. Wenn die Hebammennot im Ghetto vielleicht darauf zurückzuführen wäre, daß es für Jüdinnen keine Ausbildungsmöglichkeiten zu diesem Beruf gab, so muß man sich umsomehr wundern, daß wir von tüchtigen und beliebten jüdischen Ärztinnen hören. Ueber ihren Bildungsgang ist allerdings nichts überliefert. Ihr Spezialgebiet war die Augenheilkunde. Sie hatten offenbar auch Nichtjuden in ihrer Praxis. In den 30er Jahren des 15. Jahrr Qualität» Polster" drekt vom Hersteller GUSTAV KAHN nur Rahmhofstr. 12 <an der Börse) Tel 23625 Irmtraut Lewisohn Damenhute Umarbeitungen Grüneburgweg 13 E. KRIEGER FRIEDBERGERLANDSTR. 25 am Philanthropin Sehulartlkel — Schulbücher fürdasPhllanthro p I n Papiei. Schreib waren. 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