Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 7 (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 263 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 263 dem sie der Komponist eigenhändig in einem der großen Londoner Symphoniekonzerte zur Uraufführung gebracht hatte. Ueber das viersätzige, also verhältnismässig breit angelegte Werk, das sich in der neuklassischen Richtung der Moderne bewegt, lässt sich bei der ersten Begegnung kaum ein abschliessendes Urteil gewinnen, zumal nicht von einem Publikum, das nicht in dauerndem Kontakt mit neuer Musik steht. Es ist weniger die inhaltliche Substanz- Gewicht und Prägnanz der Thematik —, die zunächst fesselt, als die hohe Kunstfertigkeit und die wirkungssichere Art, mit der das Material verarbeitet ist. Toch zeigt auch hier eine schon immer beobachtete ausserordentliche Fähigkeit, die sonst so problematische neuzeitliche Tonsprache in eleganter, griffiger Form gleichsam mundgerecht zu machen. Lebendige rhytmische Einfälle, sprühende Geistreichigkeit gestalten auch jene Partien anziehend, die vom Standpunkt der Erfindung aus weniger inspiriert-sind. Der erste Satz erscheint uns trotz seiner klaren Formgebung und seiner treibenden Motorik etwas leer. Einen Aufschwung bringt das keck und witzig vorüberfliegende Scherzo, während das Adagio (in. dem entfernt die Geistigkeit Schönbergs anklingt) bei aller Verdichtung nicht ganz die Tiefe erreicht, die man sich nach den einleitenden Takten des Orchesters verspricht. Am reichsten, zwingendsten gibt sich das Finale, das die musikantische Beweglichkeit und die schöpferische Spannkraft Tochs in überzeugender Form dartut. — Die Wiedergabe entsprach der Bedeutung des Werkes. Die Pianistin Heida Hermanns, der die deutsche Uraufführung vom Schott-Verlag übertragen worden war, führte ihre äusserst schwierige Aufgabe mit vollstem Gelingen durch. Schon die Gedächtnisleistung war bewundernswert. Noch mehr dürfte die erstaunliche Bewältigung des ganz neuartigen Klaviersatzes und die Erfüllung der musikalischen Anforderungen für die Künstlerschaft der Interpretin einnehmen. Auch Steinberg vermochte mit seinen Musikern den Orchesterpart, der in dieser „Symphonie" dem Soloinstrument gleichwertig gegenübersteht, eindringlich und plastisch herauszuarbeiten. So blieb denn auch der Erfolg dem Wagnis der immerhin kühnen Novität nicht versagt. Schuberts C-Dur-Symphonie Nr. 6, brachte willkommene Entspannung. In den ersten Sätzen noch etwas „klein" in der kompositorischen Anlage, ringt sie sich allmählich zu echt Schubertscher Größe durch. Dank einer gelösten und musizierfreudigen Aufführung erlebte die Hörerschaft einen reinen Genuß. Dr. E. ZerHrocliene Fcnstersctieiben?__Glaserei Dann nur Rechneigrabpnstr. 10 Tel 2014f Gegr. 1877 Fledermaus im Kulturbund. Es war nicht die ganze Operette, zu der der Kulturbund deutscher Juden in den großen Saal des Saalbaues geladen hatte. Unter der geschickten Regie Leopold Sachses war der zweite Akt vorbereitet worden, der als Rahmen für eine Reihe solistischer Darbietungen einen gelungenen Abend füllte. Man freute sich für Hans Wilhelm Steinberg, daß ihm damit einmal wieder Gelegenheit geboten war, nach einer Reihe erfolgreicher Orchestereinstudierungen, se'ne Qualitäten als Opernführer herauszustellen. Bei aller Anerkennung der Anstrengungen und Leistungen des Ensembles hätte man ihm freilich gewünscht, daß ihm in allen Mitwirkenden hochwertige Kräfte zur Verfügung gestanden hätten. | FEINSTE JAPAN. ZUCHTPERLCOLLTErsI 1 BESTECKE in SILBER u. versilbert | \ TRAURINGE | | JUWELEN 1 j A R M B AN D U H R E N | | moderner Q Q LP SCH M U CK | | PRAKT. GESCHENKE in reichster Auswahl fj ANu. VERKAUF von JUWELEIM u. S'LBER AUS PRIVATBESITZ* POSEN&DOSEN SILBERSCHMIEDE KA1SERSTR. 5 FRANKFURT AM MAIN Schon in den ersten Klängen der Ouvertüre stellte sich beim Publikum jene beschwingte und freudige Stimmung ein, die diese Musik immer auslöst, ganz besonders dann, wenn ein so überlegener Musiker und Dirigent wie Steinberg ein so gut entwickeltes Orchester wie das von ihm geleitete, zum Einsatz bringt. Wenn dazu Solisten, wie Josef Plaut, Wilhelm Guttmann, Benno Ziegler, vor allem aber die temperamentsprühende Edith Elmer ihre Bühnenerfahrung der Aufführung leihenso sind die Vorbedingungen für eine erfolgreiche Aufführung gegeben. Erika S t o r m und Lisbeth Düren standen stimmlich den Leistungen der anderen gewiß nicht nach, doch mußte man ihr Spiel als etwas gehemmt empfinden. Der stimmlich ansprechende Chor — Mitglieder des Jüdischen Kammerchors und der Singgemeinschaft der Musikfreunde hatten sich zur Verfügung gestellt — wirkte aber oft allzu' sehr als Statisterie. Als Einlagen begrüßte man Ballettszenen der Schule Gretl Hauck, Tanzt; von Ruth Levy (Stuttgart) und geschmackvolle Vorträge Josef Plauts. Alfred Oppenheim hatte geschickt die schwierige Bühne des Saalbaus gegliedert und eine Dekoration geschaffen, die der Fledermausstimmung durchaus entsprach. Dabei konnte er sich vor allem auf die architektonischen Pflanzenwände der Gärtnerei der Israelitischen Gemeinde stützen. Im Ganzen war es eine Aufführung, deren dezente Heiterkeit und künstlerische Gediegenheit in unseren Tagen besonders dankbar empfunden wurde. —u— Brauchen wir religiöse Form? So hiess das Thema, über das Gerson Stern in einer Veranstaltung des „Jüdischen Jugendbundes Montefiore" sprach. Wer von dem Redner, der gerade jetzt durch sein Buch „Weg ohne Ende" weiteren Kreisen bekannt wird, die Antwort auf seine Frage in Form eines bequemen Rezeptes schwarz auf weiss mit nach Hause nehmen wollte, wurde allerdings enttäuscht; denn der eigentliche Wert des Vortrags lag in dem charaktervollen Ernst, mit dem Stern das Problem behandelte, weniger in seinen Ergebnissen. Durchaus überzeugend gelang der Nachweis, daß eine areligiöso Haltung sich heute nicht mehr, wie zur Zeit des Monismus, Schreiner-Arbeiten i«*« ah BAU- UND MOBM.-SCHREINERII - M. SCHLESINGER 6E6R. 1903 MUS.KANTENWEG 35 TEL 44680 auf die fortschreitende Erkenntnis der Naturwissenschaft berufen darf, daß vielmehr mit der Erweiterung des Wissens sich nur die Grenze des Nichtwissbaren verschiebt. Ebenso wurde deutlich, wie der Bestand des Judentums an die Wahrung der religiösen Form gebunden ist, aber einen gefährlichen Sprung über die eigentliche Problematik bedeutet eswenn Stern daraus folgert: „Wollen wir die Erhaltung des Judentums, so müssen wir die religiöse Form bejahen" weil „die jüdische Substanz religiöse Form fordert." Uns scheint hierin eine Verweltlichung zu liegen, die in ihrer Konsequenz — gewiss im Gegensatz zu Sterns eigenen Absichten — zu einer Entwertung der religiösen Substanz führen müsste. — Unseres Erachtens versäumt es Stern, die entscheidende Frage zu stellen, die nämlich nach dem tatsächlichen Verhältnis von Form und religiöser Substanz. Denn nicht so wichtig ist die Auseinandersetzung mit den rationalistischen Areligiösen als mit denjenigen, welche die Form geradezu für eine Behinderung, Einengung oder gar Verunreinigung der religiösen Substanz halten.—