Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 7 (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 262 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 262 ERÖFFNET Vi WERKfTÄTTE TENNENBAUM, Bleichstr. 13, Je!. 25713 9 *mr C*> ° o O , 0 ^^Vf^cdei-Schmuck^ Kultü. Hausgeräte. Umarbeitung u. Reparaturen ERÖFFNET J mensckluß guten Erfolg; wahrscheinlich wird ja der Schwerpunkt der nunmehr gebildeten Vereinigung nicht in den öffentliclien Abenden, sondern in der inneren Arbeit liegen. Für einige wenige künstlerisch vollwertige Veranstaltungen werden aber auch die ..jüdischen Tonkünstler Frankfurts" ihr Publikum finden, besonders wenn auf der anderen Seite eine gewisse Einschränkung, wie es von der „Reichsvertretung" erstrebt wird, eintritt. Das Eröffnungskonzert hatte in all seinen vokalen und instrumentalen Teilen gutes Niveau; ein kleiner Schönheitsfehler war nur die efwas zu reichliche Besetzung des Programms, die gerade ernsthaften Musikfreunden nicht willkommen ist Man hörte — es kann Iiier nur summarisch berichtet werden — Gesangsdarbietungen von Alice"B a e h r, Paula L e v i, Annelise Bender: die Pianistin Alice Rosenbaum leitete den Abend mit einer „Ouvertüre" von Bach- Saint-Saens ein und spielte gemeinschaftlicli mit Dr. Willy S a 1 o - m o n auf zwei Klavieren die — hier schon gehörten und gewürdigten — ..Variationen über ein eigenes Thema" der Frankfurter Komponistin Rosy Geiger-Kullmann. Von Willy Salomon stammten die, von Lieselotte W i e s n e r, Annelise Bender, Rolf Sander und Benno Ziegler im Vokalquartett wirksam vorgetragenen ..Spanischen Lieder", und noch ein dritter jüdischer Komponist aus Frankfurt, Max Wölff (von dem vor dem Krieg ein Einakter „Das heiße Eisen" im Opernhaus aufgeführt wurde) kam mit „Mädchenliedern" zu Gehör. Die berühmte Bach-Chaconne für Solovioline wurde von Anni Steiger-Betzak vorgetragen, das schöne d-mol] Trio Mendelssohns von Lilly Schwarz-Mayerhofer (Klavier), Theo Ratner (Violine) und Rudolf Döbli'n (Cello). Die Gesangsbegleitungen führte Leni Morgenstern-Lorsch mit Geschmack aus. An dem ersten Abend wirkten auch Mitglieder des Kulturbund-Orchesters mit, was hoffentlich auf freundnachbarliche Beziehungen schließen läßt. Ein Gegeneinanderarbeiten wäre im gegenwärtigen Zeitpunkt sehr bedauerlich, ja unverantwortlich! * Am nächsten Abend wandten sich die „jüdischen Tonkünstler Frankfurts" an eine breitere Hörerschicht,, der sie in regelmäßigen Mittwochskonzerten alle 14 Tage gute Kirnst in sorgsamer Wiedergabe vermitteln wollen. Der Heine Abend in der stark besuchten Arnold Lazarus-Halle, dem Dr. Willy Salomen einführende Worte vorausschickte, war ein guter vielversprechender Anfang für ein Unternehmen, das jedes rein gesellschaftliche Gepräge von vornherein ausschließt. Er gab in Wort und Ton einen guten Begriff von Heinrich Heine, diesem kampffreudig.; n und noch viel mehr umkämpften rheinischen Dichter der deutschen Romantik. (Daß das Rheinische ein wesentlicher Zug bei ihm ist, der auch vieles erklärt, sonst oft nur mit seinem Judentum in Zusammenhang gebracht wird, darauf hat einmal Herbert Eulenberg in einer feinen Studie hingewiesen.) Sofie Seligmann, die in letzter Zeit öfter an die Oeffentlichkeit getreten ist, trug mit feiner Charakteristik und als sichere Sprecherin eine Reihe der nicht so allgemein bekannten Gedichte dieses seltsamen und „ungezogenen Lieblings der Grazien" vor. —- Des stimmungsreichen Liederzyklus von Robert Scliufflann „Dichterliebe", — 1840 entstanden — erinnert man sich jetzt gern, gerade in unseren Kreisen: die 16 Lieder zeigen aufs schönste, wie der deutsche Romantiker sich in die Gefühlswelt Heines völlig eingelebt, wie er sie z. T. noch erweitert und verinnerlicht hat. Hans Assenheim sang den ganzen Zyklus mit welcher klangvoller Baritonstimme und wurde auch in der Auflassung den vielseitigen Stimmungen dieser vertonten Lyrik gerecht. Ein Wunsch blieb offen: an mancher besonders zarten Stelle hätte'man noch mehr piano-Ton (über den Assenheim durchaus verfügt) erwartet. Dr. Willy Salomon, der musikalischen Romantik besonders nahestehend, gab der Begleitung und den sich zu selbständiger Bedeutung erhebenden pianistischen Vor- und Nachspielen, wie zu erwarten, feinsinnige warme Interpretation. Starker Beifall war der wohlverdiente Dank für die drei Mitwirkenden. g. sch. Kulturbund * Der Kulturbund Rhein-Main, die erste jüdische Vereinigung, die sich in Frankfurt die Pflege ernster Kunst zum Ziel gesetzt hat, veranstaltete ihren dritten — und vielleicht eindrucksvollsten — Kammermusik-Abend. Das Programm war anziehend und abwechslungsreich zusammengestellt, auch in der Dauer vernünftig, d. h. nicht zu lang bemessen. Das Streichquartett in a moll, op. 51, Nr. 2, von Brahms wurde von den Herren Hans Bassermann, Ernst Drucker, Richard K a r p und Felix R. Mendelssohn tonschön und in ausgeglichenem Ensemblespiel vorgetragen, und Mozarts berühmtes Klarinettenquintett, ein Werk von solch beglückender Eingebung und Unmittelbarkeit, wie es selbst bei diesem Großen selten ist, bildete in prächtiger Darbietung, an der der junge begabte Eduard Hartogs durch die stilvolle musikalische Vermittlung des Klarinettenparts nicht geringen Anteil hatte, den harmonischen Abschluß des Abends. Es spricht mehr als alles andere für den Gehalt einer Komposition von Bernhard Sekles, daß sich seine Sonate für. Klavier und Violine, op. 44 zwischen zwei solchen Tonschöpfungen gut behaupten konnte. Das viersätzige Werk, innerlich aufgelockert und keinem starren „Prinzip" verhaftet, fesselt durch den natürlichen Fluß seiner Melodien, die ohne irgendwelche Gewaltsamkeit doch auf eigene „aparte" Art entwickelt werden. Hans Wilhelm S t e i n b e r g (Klavier) und Annie Steiger-Betzak (Violine) haben mit"dieser Uraufführung nicht nur einer Ehrenpflicht für den um Frankfurts Musildeben hochverdienten Musiker und Komponisten genügt, sondern auch seiner Kunst neue Freunde gewonnen und auf ein Werk aufmerksam gemacht, dem man wieder zu begegnen wünscht. g. sch. Im vierten Orchesterkonzert setzte sich Steinberg für die Musik zeitgenössischer jüdischer Tonsetzer ein. Das Schaffen Rosy Geige r-K ullmanns fand mit einem nicht gerade repräsentativen, aber doch charakteristischen Werke Berücksichtigung. Man merkte den in der „Suite aus einem Märehenspiel" zusammengefügten kurzen Stückchen an, daß sie nicht eigens für den Konzertsaal geformt sind, sondern Bühnenzwecken dienen. Aber die schlichte Herzlichkeit, die aus ihnen spricht, ihr klangvolles instrumentales Gewand und ihre eingängige Melodik nahmen die Hörer trotzdem in solchem Masse gefangen, daß sich die Komponistin samt dem sorgsam nachgestaltenden Dirigenten für reichen Beifall bedanken konnten. Im Mittelpunkte der Vortragsfolge stand die „Symphonie für Klavier und Orchester (2. Klavierkonzert)" von Ernst T o c h, die zum ersten Mal in Deutsehland erklang, nach- Alte NOTEN Musik Henkel Neue Tel. 28912 gegenüber Postscheckamt Eine Anzeige in dieser Größe kostet nur Mk. 3.30 GERSON STERN Weg ohne Ende Ein jüdischer Roman Leinen 6.80 kart. 5.50 Das Buch das jeder deutsche Jude gelesen haben sollte Jos. Strauss'sche Buchhandlung Inhaber Leopold Lichtenstern Biebergasse 13 Fernsprecher 26313 Samstag, den 23» März, abends 8 30 Uhr Saalbau des großen Erfolges wegen 2. Gastspiel Dela Lipinskaja mit neuem abendfüllendem Programm. Aus dem Programm: I. Figurinen II. Volkslieder 1. Der junge Chassid — eine Ghettoscene in vier Sprächen. 2. Russische Holzschnitzer 3. Wiener Fiaker 4. Jackie Coogan-Parodie Beim König von England sang Dela Lipinskaja in einem Sonder-Hofkonzert _obiges Programm._.___■ KARTEN bei: Schneemann, Schillerstr., Buchh. Schätztet, Börsenplatz Cafe Falk, Eschenh. Turm, Delikatessengeschäft Gerlich, Grüneburg weg.