Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 7 (3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 261 (sequence 11)
- Language
- German
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Seite 261 Aussprache Denkt au die Erwerbslosen! An die Schriftleitung des Frankfurter Israelitischen Gemeindehlattes. Es ist sehr bedauerlieh, die Feststellung machen zu müssen, daß bei Veranstaltungen aller Art, sei es bei denen des Kulturbundes deutscher Juden oder bei denen anderer Vereine und Organisationen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, für die jüdischen Erwerbslosen keine Vergünstigung gewährt wird. Dies ist für die jüdischen Erwerbslosen umso empfindlicher, weil sie in ihrer wirtschaftlichen und seelischen Not ganz besonders auf Anregungen und Ablenkungen angewiesen sind. Es müsste doch möglich sein, durch ein geringes Entgelt den leider so zahlreichen jüdischen Erwerbslosen, den Besuch kultureller und künstlerischer Veranstaltungen zu ermöglichen. Ich spreche für viele, die gemeinsam hoffen, daß diese Anregung genügt, Abhilfe zu schaffen. E. Me. Kulturarbeit des Monats Ein „Ton und Wort"-Abend Seit dem vorigen Jahre sind die von Max Neumann veranstalteten „Ton und Wort"-Abende bei einem großen Hörerkreis rasch behebt geworden, und auch die jüngste Darbietung im großen Saalbau war stark besucht, wobei freilich so mancher und so manche auch wegen des folgenden „gemütlichen Teils" gekommen sein mag. Es gab in der Hauptsache heitere Kabarettvorträge; dem Bereich der ernsten Muse gehörte die, von Annelise Bender geschmackvoll gesungene Habanera aus „Carmen" und eine Orehesterkomposition Tschaikowskis an. Für die, durch Krankheit verhinderte, ehemalige Berliner „Rösselwirtin", Camillia Spira, sprang ihre einstige Kollegin Wally A r c o als charmante, stimmlich begabte „Diva" ein. Frau Li s s y Schloß erfreute im Verein mit der quicken kleinen Margot Hirsch imd dann mit Fritz Blum-Wilhelmi in lustigen Operettenweisen, E d i Schreiner pointierte seinen „Meisterboxer" sicher, und Nanny Becker bemühte sich um die gesangliche und lmmlsdie Vermittlung eines Tonfilm-Schlagers. (Als Begleiter am Flügel bewährte sich wieder Max Firnberg.) Starken Beifall fanden, nicht am wenigsten, die von Max Neumann schwungvoll dirigierten Orchesterstücke. Zu all dem hatte AlfredAuerbach eine scherzhaft-satirische Rahmenliandlung .,.D er Hypochonder" geschrieban, die .Rudolf G anz Gelegenheit zu komischem Sächseln gab und die begabte Sofie Seligmann in einer größeren, aber nicht sehr dankbaren Rolle hervortreten ließ. (Manches ging auch durch die Unruhe im Publikum verloren!) Nach der Meinung des Referenten ist es dem Autor, der schon manche hübsche und sinnvolle Gelegenheitsdichtungverfaßt hat, diesmal nicht recht gelungen, die beiden Tassoverse „Erlaubt ist, was gefällt" und „Erlaubt ist, was sich ziemt" zu erfüllen. Von der billigen karikaturistischen Verzerrung der Jomna- listen und Kritiker rückt heute, wenn sie irgendwo auftaucht, die gesamte Tagespresse ab; der Aerzte-Ulk war ebensowenig originell, die Schönberg-Parodie (Baß: Heinrich Bornstein) für mein Empfinden besonders wenig am Platz. Man kann gewiß sehr verschiedener Meinung über diesen Führer der modernen Musik und anerkannttn Anregor sein; hat es aber gerade in unseren Kreisen heute nicht nötig, ihm Pela Lipinskaia kommt wieder. Beachten Sie das Inserat auf Seite 262 in großem öffentlichen Rahmen solchen nachträglichen Geburtstagsgruß zu widmen. ,.Mich dünkt, s'sollt passen Ton und Wort" ... ' g. sch. Lieder- und Arienabende Der Baritonist Ernst W o 1 f f sang in drei Sprachen alte Konzertari.eD, Bruchstücke aus neueren Opern, klassische und zeitgenössische Lyrik und schliesslich, englische Salonmusik. Ausserdem begleitete er sich selbst. Diese aussergewöhnliche Vielseitigkeit hat für den' Hörer etwas Bestechendes. Es bestehen aber für eine große Kunstleistung Gefahren. Sie liegen zunächst In der durch die doppelte Inanspruchnahme hervorgerufenen erhöhten geistigen und seelischen Belastung. (Es können, wie ein durch Transponieren entstandenes Versehen zeigte, „Fehlschaltungen" erfolgen.) Mehr ins Gewicht fällt, daß Wolff, anstatt durch die Vereinheitlichung freier zu gestalten, bisweilen willkürlich und maniriert wird, da der gute Ausgleich mit dem Begleiter ausbleibt. Gegen das Sich-selbst-begleiten spricht noch, daß ein Sänger im Sitzen, musikalisch und körperlich als Spielender absorbiert, den Ton nicht so voll wie sonst ausströmen lassen kann. Und dann: es tritt bei der Personalunion leicht eine „Verniedlichung" des Vortrags ein, die dem Stil und der Wirkung dramatisch akzen- Wir bitten um Ihren geschätzten Auftrag in sämtl. Versicherungssparten Zur unverb. Besprechung belieben Sie unseren Besuch anzufordern. VIRSICHERUNGSBURO WERTHEIN REUTERWE0 53. II TELEFON 7483* tuierter Werke abträglich ist. Diese Einwände lassen aber die Tatsache ganz unangetastet, daß Ernst Wolff ein Sänger von starker, eigenwüchsiger Begabung ist. Das Material ist blühend und geschmeidig, die Gestaltung beseelt und farbenreich. Es war darum durchaus berechtigt, daß die Hörerschaft sehr herzlichen, zu vielen Zugaben verpflichtenden Beifall spendete. Nicht so mühelos vermag die Altistin Alice Kassel an einem eigenen Liederabend ihr Publikum zu fesseln. Sie suchte den Schwierigkeiten zunächst durch ein kontrastreiches, gepflegtes klassisches und modernes Programm zu begegnen. In den Grenzen ihrer vokalen Anlagen gelang es der Künstlerin, durch sorgsame Behandlung des Tones und durch ausdrucksvollen Vortrag den*, verschiedenartigen Stimmungen'der Lyrik Schumanns und Brahms gerecht zu werden. Freundliche Anerkennung sicherte sie auch Lieder von Rosy Geige r-K u 11 m a n n und Herbert Fromm. Gute Stütze fand die Sängerin in der Begleitung Willy Salom o n s. A. H. Die jüdischen Tonkünstler. Das erste Konzert der „jüdischen Tonkünstler Frankfurts" konnte bereits einen größeren Hörerkreis davon überzeugen, daß auch außerhalb des Kulturbundes tüchtige, z. T. ausgezeichnete Kräfte zur Verfügung stehen, die gewiß den Befähigungsnachweis für das.öffentliche Konzertieren jederzeit erbringen können. Man wünscht ihrem Zusam DIPL. INGENIEURE GANZ & JOSEPH Zugelassen bei den Elektr.-werken Frankfurt a. M., Offenbach, Mainkraftwerke INSTALLATION Licht- und Kraftanlagen Signal- und Türöffneranlagen Sabbathuhren ELEKTR. 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