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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-03-01 · 7 (3.1935) · p. Seite 258

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
7 (3.1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 258 (sequence 8)
Language
German
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Seite 258 schichte des Armen. Da antwortete der König: „Recht hast Du getan mit allem, was Du tatest." Die Bestimmungen über das nur aus einer geringen Menge Mehles bestehende „Mincha" genannte Opfer beginnen mit dem Worte EJBJl , ganz wörtlich übersetzt: wenn eine Seele ein Mineha-Opfer bringt. Die Frage wird gestellt, warum hier das Wort: eine Seele, und nicht wie sonst, ein Mann, ein Mensch? Die Antwort: „Rabbi Jizchak sagte: Der Heilige, gelobt sei er, will künden, wer bringt vermtulich ein Mincha? Ein Armer, ihm rechne ich es zu, als hätte er seine Seele mir genähert. Die Leistung des Armen gilt, weil sie bei scheinbarer Geringfügigkeit im Verhältnis eine grössere Leistung ist, mehr als die des Begüterten, es ist mehr Seele in ihr." Alle Opfer, die die Fülle in sich tragen und die, die von Mangel und Dürftigkeit zeugen, schliessen ab mit den Worten „ein Feueropfer zum Duft der Befriedigung für Gott." (cap. 1, V. 9, 13, 17,). Alle mit dem gleichen Wort! Daraus wird die wichtige und ewig neue Lehre gewonnen: Gleich ob einer viel oder wenig leisten kann, wenn er nur sein Herz gerichtet h äl t au f G o 1t." Die erste Vorschrift ist, wer das Opfer bringt: „an den Eingang des Zeltes der Gegenwart soll er es führen." (cap. 1, V. 13). Das findet die Deutung: selbst muß er sich bemühen, bis dahin, wohin er seinen Fuß setzen darf, muß er es selbst bringen. Nicht nur das Sich-Entäussern eines Besitztums ist das Wertvolle, die eigene Leistung, die persönliche Mitarbeit ist die Hauptsache. Man kann mit keiner Gabe die persönliche Mitarbeit, das eigene Sich- Bewähren, die Hingabe der Seelei ersetzen. Sollte das nicht für uns Heutige eine besondere Lehre sein?- Mit keiner Gabe, keiner Spende, keiner Steuer kann man sich von der Pflicht des persönlichen Dienstes, der v e r a n t -. w o r t u n g s vo 11 e n Mitarbeit am Ganzen entziehen. Mit ihr „bringt man sich selbst nahe dem Eingang des Zeltes der Gegenwart Gottes." Dr. jur. Hugo Hoffmann Generalvertreter der Victoria-Versicherung Kaiserstraf;« 2 * Fernsprecher 24841/2 Eröffnung Photo* Atelier Hertha iFeibelmann Voelckerstraße 7 - Tel. 52632 Haltest. Eschersh Ldstr. — Holzhausenschule Künstlerische Bildnisse zu mäßigen Preisen Portraits auch in Ihrem Heim sowie Innenaufnahmen Vom Elternberuf Im Gemeindeblatt findet man viel über Berufsfragen. Berufssehichtung und Umschichtung. Von einem Beruf liest man nichts: vom E11 e r n b e r u f. Und doch kann man allmonatlich in diesen Blättern ein gar trauriges Kapitel darüber finden. Nach den statistischen Übersichten des Jahres 1934 haben sich in unserer über 20.000 Köpfe starken Gemeinde 63 Eltern zu diesem „Beruf" bekannt. 1922 waren es 464, damals schon klagte man über den verhängnisvollen Geburtenrückgang, 1929 waren es nur noch 257. 1934 wurden 63 eheliche und 4 uneheliche Kinder geboren. 29 Söhne waren darunter, 3 hat der Tod im ersten Lebensjahr weggenommen. 26 S ö h n e v e rbleiben uns vom Jahrgang 1934. Wer kennt die 3 Söhne und 2 Töchter, die im Säuglingsalter starben? Wer hat sich Gedanken darüber gemacht, woran es ihnen fehlte? Vielleicht an ärztlicher Hilfe (Frankfurt besitzt ja keine jüdische Kinderklinik), vielleicht an fürsorgerischer Betreuung? 26 Söhne gab uns das Jahr 1934. Was das bedeutet, zeige ein Bild: Wenn in ß Jahren diese 26 Söhne in die Schule kommen, ■ wenn sie restlos in die jüdische Schule in Frankfurt - kämen, (es wird nicht der Fall sein!), dann sässe in der großen Klasse auf jeder Bank ein Junge, wo heute zwei sitzen. Heute wird dort nicht der ganze Jahrgang erfasst. Ich will nicht ausmalen, wie diese Schule noch 8 Jahre später aussieht, wenn nur solche Jahrgänge die Schule durchlaufen würden. Statistiken irren, Voraussichten werden von Ereignissen überholt. Und doch noch ein Bild auf diesen Jahrgang 1934, wenn er auf der Höhe seines Lebens, wenn eine Generation vor ihm, eine hinter ihm steht. Auf 26 Männern lasten schwer Tausende von Greisen, Witwen, alleinstehenden Frauen. Und die Jahrgänge nach ihm? 40 Erstgeborene gab uns der Jahrgang 1934. Die Eheschliessungen selbst hielten sich 1934 auf durchschnittlicher Höhe (148). An uns allen ist es, diesen jungen jüdischen Müttern weiterzuhelfen auf ihrem Weg zur jüdischen Familie, den Willen zum Leben, den Glauben an jüdische Zukunft zu stärken. Frankfurts .alte jüdische Gemeinde erlebte in jedem Jahrhundert ihre Stürme, überwand sie, hielt stand. Auch wir finden unseren Weg. Die jüdische Lehre ist neu erwacht. Um sie braucht uns nicht bange zu sein, in: unseren Tagen wird sie nicht in Vergessenheit geraten. Was hilft aber die jüdische Lehre, wenn die Söhne fehlen, die sie wiederum ihren Söhnen überliefern? Sagt nicht, jüdische Kinder werden in Palästina geboren oder sonstwo. Es geht um uns, um unsere Gemeinde. Es geht um unsere deutsch-jüdische Zukunft. Man lasse sich auch nicht täuschen durch die augenblickliche Größe unserer Gemeinde. Der Altersaufbau allein zeigt, ob eine Gemeinde standhält oder vergeht. Sorgt Euch nicht nur um die Dinge des Tages, nicht nur um Kulturgut, um wirtschaftliche Werte, bedenkt das einzige, was in die Ewigkeit zeigt: Eure Kinder. Ehrt, ermutigt, bewundert die Mütter von 1934. Helft denen, die es werden. Lilli Hirsch Die Frankfurter Bank, Neue Mainzerstrafje 69 gegründet 1854 Tel. 20901 übernimmt die Ausführung aller bankmässigen Geschäfte Spareinlagen gegen Sparbuch Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen

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