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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-02-01 · 6 (2.1935) · p. Seite 241

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
6 (2.1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 241 (sequence 35)
Language
German
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nannten auf einmal freudig meine Einsamkeit bevölkerten, und daß das phantastisch Unglaubwürdige, als welches jedes Werk, dem der es macht, erscheint, Bestand und Gültigkeit gewann. Es handelt sich dabei nicht um Zustimmung und Bejahung, gewiß nicht um Beifall und Bewunderung, sondern schlechthin um die Lebensprobe. Die wird entschieden durch solche Botinnen." Wir glauben sie bei diesen Worten vor uns zu sehen, die bei aller Zartheit so starken Martina (im „Faber") Lukardis (in der herrlichen Novelle gleichen Namens), die kleine Ruth — und doch ist dieser Eindruck nicht der entscheidende. Für Wassermanns Werk und Leben war vielmehr entscheidend, daß er als neunjähriges Kind die geliebte, sanfte Mutter verlor und daß seit ihrem Tode seine Kindheit lieblos und einsam war: Der Vater wurde zerquält vom Lebenskampf, dem er ohne die Frau nicht mehr gewachsen war, die Geschwister nützten seine Ungeschicklichkeit und Hilflosigkeit mit kindlicher Grausamkeit aus, zwangen ihn, sie durch endlose phantastische Märchen zu unterhalten — wie der Sultan die Scheherazade. Und was kann der Inhalt der Tagträume des verstörten Kindes gewesen sein, wenn nicht Sehnsucht nach mütterlicher Wärme und Hingabe? Diese Sehnsucht blieb — zusammen mit dem brennenden Verlangen nach Gerechtigkeit — das tiefste Schaffensmotiv für Wassermanns ganzes Werk. Aus diesem Traum heraus gestaltet er seine Frauenbilder. Aber weil jeder Künstler, da, wo er aus schöpferischem Trieb bildet, bei aller geistigen Kultur ein Triebwesen bleibt, wie es auch das Kind ist, so war in dieser Tiefen Schicht. Wassermann ewig der in die kalte, liebeleere Welt hinausgestossene Knabe, dem das Unbegreifliche die Matter genommen hat; und wie ein Knabe ist er voll triebhafter Eifersucht auf alles, was;, das. Interesse der Mutter vom Kinde ablenkt. Seine Mädchen- und Frauengestalten sind voll traumhafter Anmut, solange sie auf den geliebten Mann konzentriert sind und als Mütter im eigenen Kinde nur das Ebenbild dieses Mannes, kein Eigenwesen, sehen. Wenn aber die Frau als Mutter in Konflikt gerät mit den Idealen, nach denen der Mann sein Leben richtet, wenn sie den Besitz vergrössern und sichern, die Zukunft der Familie vor möglichen Gefahren schützen will, so entsteht in Wassermann der gleiche Affekt, wie einst bei Tolstoi: die Frau, von der er trotz aller verzweifelten Befreiungsversuche doch nicht los kommt, wird ihm das Fesselnde, Herunterziehende überhaupt. All ihre — im Grunde auch triebhafte — Mühe, die Kinder zu sichern, verzerrt sich seinen Augen zu blinder, wahnsinniger Besitzgier. Nun war Wassermann als Jude ein Entwurzelter, der Gemeinschaft Entfremdeter: all sein in hohen geistigen Regionen sich abspielendes Ringen um sein jüdisches Sein wird unbewusst getönt durch ein Kindheitserlebnis, das eng mit dem Verlust der geliebten Mutter zusammenhängt: im Winter, morgens, bei eisiger Kälte, musste das Kind Kaddisch sagen — und dieser vom Kinde als grausam empfundene Brauch, dessen Bedeutung zu erklären sich niemand die Mühe nahm, trübte sogar die Erinnerung an die Mutter. Und wie Wassermann eigentlich nur wenig vom Judentum wusste, so fehlte ihm ganz der Zugang zu der alten jüdischen Weisheit in der Versittlichung des Trieblebens. Er kannte die Glut der Leidenschaft und ihr Gegenstück — die alles zerstörende Eifersucht. Und so überschatten sein Spätwerk dämonische Frauen, deren wahnsinnige Besitzgier den " Mann und sein Glück vernichtet. „Konstanze" heisst solch ein weiblicher Vampir in Wassermanns Eheroman „Laudin" und die vielleicht stärkste Gestalt, die ihm überhaupt gelang, „Ganna" in seinem nachgelassenen „Kerkhoven" ist von dieser Artung. Diese grauenhafte Dämonin, die in ihrem Besitzwahn alles vergiftet, was ihr nahekommt, ist in ihrer Eindruckskraft auf den Leser verstärkt durch eine Gegenspielerin (es sind zwei Figuren des Romans, Bettina und Marie, die diesen absolut andern Typ darstellen). Diese lichte ideale Frauengestalt versagt nun völlig als Mutter — sie ist so ganz nur auf den geliebten Mann bezogen, daß ihr die Kinder völlig entgleiten: Es ist ein Traum, ein Wunschbild, wie „Ganna" die Vision eines Verstörten. In diesem nachgelassenen Werk, dem die letzte Feile fehlt (die manches Allzu-Persönliche vielleicht getilgt hätte) verrät sich die tiefe Tragik des Entwurzelten: weil ihm die uralte vererbte Weisheit der Versittlichung des Trieblebens verloren, blieb er im letzten unfähig, ein wahrhaft erfülltes Frauenwesen zu gestalten. Dr. Dora Edinger Seite 241 Wie der Sassower die Liebe lernte Rabbi Mosche Leib erzählte: Wie man die Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern gelernt. Der sass mit anderen Bauern in einer Schänke und trank. Lange schwieg er wie die anderen alle, als aber sein Herz vom Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: „Sag Du, liebst Du mich oder liebst Du mich nicht?" Der andere antwortete: „Ich liebe Dich sehr". Aber er sprach wieder: „Du sagst: ich liebe Dich, und weisst doch nicht, was mir fehlt. Liebtest Du mich in Wahrheit, Du würdest es wissen". Der andere vermochte kein Wort zu erwidern, und auch der Bauer, der gefragt hatte, schwieg wieder wie vorher. Ich aber verstand: das ist die Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfen zu spüren und ihr Leid zu tragen. Martin Buber: Der grosse Maggid und seine Nachfolge. Welche hauswirtschaftlichen Ausbildungsmöglichkeiten haben wir für unsere Töchter? Bei der Zusammenkunft der Hausfrauengruppe des Jüdischen Frauenbundes am 10. Januar stand die Frage nach den Ausbildungsmöglichkeiten für unsere Töchter zur Besprechung. Schule- H e i m-H a u s h a 11 stellen die drei hauswirtschaftlichen Ausbildungsstätten dar, über die sach- und fachkundige Referentinnen in lebendiger und anschaulicher Weise interessantes Material boten. Fräulein L a q u e r sprach über die Jüdische Haushaltungsschule und schilderte den Wert pädagogisch-praktischer Ausbildung in der Hauswirtschaft. Neben dem Zweckmässigen bildet die Schule durch ihre Gemeinschaft auch die Charaktereigenschaften und erzieht die Schülerinnen zu gegenseitiger Hilfsbereitschaft. Die hauswirtschaftliche Ausbildung für Palästina wird auch in besonderen Kursen berücksichtigt. Die Aufstiegsmöglichkeiten bestehen in der Ausbildung zur Haushaltspflegerin. — Frau Burstyn erläuterte die Art der hauswirtschaftlichen Ausbildung in einem Heimbetrieb, der eine große Familie darstellt und in dem sich theoretischer und praktischer Unterricht ergänzen sollen. An Stelle des rein schulmässigen tritt das familienhafte Leben, das eine gute Grundlage für eine spätere Tätigkeit im Haushalt bildet. — Fräulein Meyrowitz oblag es, über die Ausbildung im Einzelhaushalt zu sprechen, der auf diese Weise zum Lehrhaushalt wird. Dieses Gebiet ist noch Neuland und hier liegt eine wichtige soziale Aufgabe für die jüdischen Hausfrauen. Zu Ostern werden zahllose schulentlassene Mädchen vor der Frage der Berufsausbildung stehen, die aus Mangel an verfügbaren Mitteln kaum zu lösen sein wird. Jede Hausfrau, die ein solches junges Mädchen zur Anlernung in ihren Haushalt auf nimmt, hilft den Jugendlichen auf ihrem schweren Wege in die Zukunft und gewinnt wohl auch eine willige Helferin für ihren Haush;,,f. Nach den mit großem Beifall aufgenommenen Referaten zeigte eine lebhafte Diskussion das Interesse der Hausfrauen, besonders in der Frage des Lehrhaushaltes. — Nähere Auskunft in den Sprechstunden der Hauswirtschaftlichen Kommission Dienstag von 11-12 Uhr und Mittwoch von 4-5 Uhr, Hans Handwerkstr. 3. St. F. Prämierung von jüdischen Hausangestellten Die Hausfrauengruppe der Ortsgruppe Frankfurt am Main des Jüdischen Frauenbundes veranstaltet eine Prämierung der jüdischen Hausangestellten, die drei Jahre und länger in demselben Haushalt tätig sind. Die Hausfrauen werden gebeten, ihre Hausangestellten mit Angabe von Namen, Adresse und Zahl der bei ihnen verbrachten Jahre schriftlich bei Frau Stephanie Forchheimer, Feldbergstr. 31 oder mündlich in den Sprechstunden der Hauswirtschaftlichen Kommission, Dienstag von 11-12 Uhr vorm. oder Mittwoch von 4-5 Uhr nachm. Hans Handwerkstr. 3 bis spätestens 2 0. Februar anzumelden. Die Prämierung erfolgt bei einer gemeinsamen Feier der Hausfrauen und der auszuzeichnenden Hausangestellten, zu der besondere Einladungen ergehen werden. Der echte Frigidaire Der Kühlschrank für Haushalt' und Gewerbe in allen Grössen. Niederlage in Haifa General-Vertretung: Johannes Repp, Niddasir. 27, Tel. 32554

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