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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-02-01 · 6 (2.1935) · p. Seite 220

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
6 (2.1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 220 (sequence 14)
Language
German
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Seite 220 Literarische Rundschau Bedeutsame Vergangenheit Gerson Stern: „Weg ohne Ende" Ein jüdischer Roman. (Erich Beiss Verlag, Berlin.) Dieses im Leid wie in der Hoffnung gleich starke Buch mußte einmal geschrieben werden, gerade heute aus dem jüdischen Erlebnis der Gegenwart heraus. Ein seit Jahren mit sich, seinem Judentum, dem Leben mit seinen mannigfachen Aufgaben und Problemen ringender jüdischer Mensch hat es sich von der Seele weg- und Tausenden ins Herz hineingeschrieben. In der Ursprünglichkeit, dem Elementar-Aufbrechenden, dem Einmaligen und doch Ewigen liegt das letzte und tiefste Geheimnis dieses erschütternden und doch erhebenden Buches beschlossen. Obwohl an eine bestimmte Zeit — es ist Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts - gebunden, ist es gegenwartsnahe, ja überzeitlich, zeitlos. Der „Weg ohne Ende" ist der jüdische Weg, der Weg des ewigen, leidvollen Wanderns. Es spricht zu uns von Niedergang, Ausweglosigkeit, von unendlich starkem Leiden — und doch steht hinter und über allem jenes Unaussprechbare, Unfassbare, das gerade dann, wenn Elend und Not ins äusserste gesteigert scheinen, plötzlich da ist, die Menschen aufweckt, aufrichtet und somit weg- und zielweisend wirkt. Allerdings führt dieser Weg nach innen, in die geheimnisvoll-unergründbaren Bezirke des menschlichen Seins:< Hier findet der Weg ohne Ende trotz allem ein Ende. Die Handlung selbst ist knapp. Von der äusserst interessanten Schilderung des Lebens in einem bisher judenfreien Weserstädtchen über die ungemein lebendige, fast plastische Darstellung des Lebens im Frankfurter Ghetto führt in mächtigem Bogen der Weg nach Prag, wo gegen Mitte des 18. Jahrhunderts unter Maria Theresia die Juden vertrieben wurden. Weil es weniger auf äussere Effekte als auf die Darstellung des Erlebnismässigen ankam, konnte und mußte das blosse Geschehen so weit eingeengt werden, als es zur Herausarbeituns: des seelischen Vorgangs nötig war. In diesem Sinne wird hier Geschichte Leben und Leben Geschichte. Wenn das Buch zu Ende geht, ist der Weg noch nicht zu Ende. Einzelschicksal wird zum universellen;was damals unaussprechbar war, ist es auch heute noch. Das Zeiten und Geschlechter Ueberdauernde der jüdischen Substanz bindet auch Dich und uns alle an das, was das letzte und tiefste Geheimnis des Buches darstellt. „Wage getrost den Sprung zurück von einigen hundert Jahren. Du wirst inmitten Deiner Vorderen stehen und erschüttert ein Stück von Dir selbst finden. Gehe geruhig mit ihnen den Weg durch die Jahrzehnte, durch die Jahrhunderte — Deinen Weg." Ein solches Buch hat und muß haben viel an Diskussion, an Dialektik. Aber sie sind nie Selbstzweck, sie sind niemals nur formal zu fassen oder gar als Stoffüllendes Material anzusprechen. Sie sind einfach da, weil man zum letzten Geheimnis vordringen möchte, oder weil aus einer vermeintlichen Vorstellung dieses Ietzlich Unfassbaren sieh gegenseitig immer wieder entzündende -Aussprachen ergeben. Die Sprache ist klar, zeitnahe, immer der jeweiligen Stimmung oder Situation angepasst. Das Buch ist weder Roman, noch Geschichte. Es ist ein Aufruf. ..wenn Du ihn erhörst." Dr. Max Salomon. . Hermann Sinsheimer, Maria« Nunnez, Eine jüdische Überlieferung. Berlin 1934,Philo Verlag und Buchhandlung G. m. b. H. Die Besinnung? des deutschen Judentums auf die Lebenswerk seiner Geschichte hat zur Enthüllung und Wiederauferweckung mancher Stoffe geführt, von denen Erkenntnis und Einsicht für unsere gegenwärtige Situation ausstrahlen kann. Hermann S i n sheimer hat seine gestaltnerische Begabung der „Ueberlief erung" von Maria Nunnez geliehen und in einer spannenden Darstellung die äusseren Schicksale und die inneren Wandlungen einer Gruppe von Menschen ausgeformt, die, geführt von der portugiesischen Jüdin Maria Nunnez, ihre Heimat verlassen und nach mancherlei Irrfahrten ins Land der Sehnsucht, nach Amsterdam, finden. Der Dichter hat den Gegenstand zu einem Buch gestaltet, das ebenso wohl durch seine Handlung als durch seine Bedeutsamkeit den Leser bewegen wird. Daß. dabei manche Vergleichsmöglichkeiten zu Ereignissen und psychischen Lagen unserer Tage nicht als billige Paralellitäten ausgeschöpft, sondern in ihrer geschichtlichen und geistigen Bedingtheit ohne erzwungene Interpretation dargestellt werden, muß als Beweis besonderen Geschmackes verzeichnet werden. Dieser feine Geschmack kommt auch der Schilderung der Begebenheiten zugute. Leider hat die Eigenart der sprachlichen Gestaltung Sinsheimer zu manchen Formulierungen geführt, die das Lesen des Buches beeinträchtigen. („Er schlang ihr,. Gesicht in sich hinein." (S. 155) „Sie sahen sich an wie eben Geborene, wie Zwillinge, die aus dem gleichen Mutterschosse gekommen sind, und... " ( S. 157 ) ) Wer trotz dieser manchmal' fast unerträglichen Formulierungen das Buch zu Ende liest, wird , im Ganzen eine Dichtung von Rang kennen gelernt haben. Ghr. Die Bücherei des Schocken Verlags Als vor mehreren Monaten an dieser Stelle die ersten Bändclien der Bücherei des Schocken Verlags begrüsst wurden, wurde zugleich die freudige Erwartung auf das Erscheinen weiterer Veröffentlichungen in dieser Reihe ausgesprochen. Inzwischen ist die Bücherei auf 21 Bändchen angewachsen, nicht nur ausser- 1 i c h und in der drucktechnischen Gestaltung eine wahre Freude für jeden Bibliophilen, sondern auch ein kostbares Geschenk für alle, die sich willig von jüdischem Schrifttum ergreifen lassen. Der verdienstvolle Verlag hat in der Auswahl des von ihm in seiner Bücherei gebotenen Stoffes auch in den inzwischen erschienenen Bänden den sicheren Geschmack und das überlegene Verständnis für das, was dem deutschen Juden heute nottut, bewiesen, die ihm schon zu Anfang dieser Bücherreihe gerne bezeugt wurden. Neben Autoren vergangener Epochen sind jetzt Dichter und Denker unserer Tage hier mit zum Teil bisher verstreuten, zum Teil unbekannten Beiträgen aufgenommen worden. Franz Kafka und Karl Wolfskehl, Bernstein-und Agnon, Ludwig Strauss und Koigen, Hermann Cohen und vor allem Martin Buber sind herangezogen worden, um in dieser wohlfeilen Folge, wahre Perlen ihres Schaffens in schönster Fassung weitesten Kreisen des deutschen Judentums zu schenken. Aus Geschichte und Gegenwart, aus dem Leben der Juden im Osten, in Deutschland and im Heiligen Lahde, aus der Welt der Lehre und der Dichtung, | FEINSTE JAPAN. ZUCHTPERLCOLLIERS | 1 BESTECKE in SILBER uversiw | 1 TRAURINGE | \ JUWELEN, | | AR M BAN D UHREN | | moderner 6QLDSCHM UC K 1 1 PRA KT. GESCHENKE in reifer Aus-ahl | ANu. VERKAUF von JUWELEN u SILBER AUS PRIVATBESITZ DOSENiDOSEN ■ SILBERSCHMIEDE G. m. b. H KAISERSTR. 5 FRANKFURT AM MAIN Auto-Bahn - Schrank*f[Händ-fCöffett —:——\J^<r ' ——T" > _ LESCHHORft Damentafchen Lederwaren KAISERSTR. 3

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