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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-02-01 · 6 (2.1935) · p. Seite 210

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
6 (2.1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 210 (sequence 4)
Language
German
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Seite 210 / Neigung im Strom der Zeit zu rasch nachzugeben, wäre verfehlt und würde sich hei zunehmender Einsicht des * -Berufssuchenden bitter rächen. .Mit minderwertigen Handwerkern ist der. Berufs-. Umschichtung der deutschen Juden e.in schlechter. Dienst geleistet. Vernünftige "Selbstprüfung kann hier schon einige Klarheit schaffen. Besprechungen mit sachverständigen Menschen der Berufsberatuhgsstellen werden vielleicht noch mehr erreichen. Ist aber die kaufmännische Eignung festgestellt, so gilt es, die rechte Lehrstelle ausfindig zu machen. Nicht * jeder Geschäftsinhaber ist ein berufener Lehrherr. Nicht jedes Geschäft ist geeignet, Lehrlinge auszubilden. Aber umgekehrt darf kein verantwortungsbewusster Geschäftsinhaber es "unterlassen, etwas von seiner Tradition und Erfahrung jungen Menschen weiterzugeben. Gerade heute mag es manchem eine Freude sein, einen jungen Menschen in seinem Sinn heranzubilden. Da unsere Jugendlichen, auch wenn sie die höheren Schulen besuchen, heute in verhältnismässig frühem Lebensalter die Schule verlassen, müssen sie auch nachher weitergebildet werden; neben dem Unterricht der Berufsschule ist eine zusätzliche praktische wie theoretische Ausbildung in kaufmännischen Fächern erforderlich. Die technischen Fälligkeiten, Maschinenschreiben und Stenographie, muß der junge Kaufmann völlig beherrschen. Sprachliche Kenntnisse muß er sich entweder aneignen oder schon vorhandene vertiefen; vielleicht ist heute eher eine vollkommene Beherrschung weniger Sprachen erwünschter als oberflächliche Kenntnis vieler Sprachen. Zu dieser Fortbildung die nötigen Einrichtungen zu schaffen, ist eine der dringendsten Verpflichtungen der jüdischen Gemeinden; sie braucht weder an den geringen geldlichen Anforderungen noch am Mangel an geeigneten Lehrkräften zu scheitern. Aber alle Einrichtungen helfen wenig, wenn nicht der Lehrling selbst seinen Beruf ganz erfasst. Er muß sich vor allem1 eine ausgezeichnete Warenkenntnis verschaffen,, sodaß er in seinem Gebiet, auch ein Facharbeiter ist. Wer sich so in den drei Jahren seiner Lehrzeit ausrüstet, braucht um sein Fortkommen nicht bange zu sein. Er ist ebenso gut verwendbar wie der gut geschulte Handwerker, er wird sich in Deutschland und in der Welt behaupten können. Freilich wird der in der Stadt wohnhafte Jugendliche leichter eine gute kaufmännische Lehrstelle finden als der Auswärtige. Es wäre , weder erwünscht noch möglich, alle Lehrlinge in die Grosstädte zu bringen. Manche gute Ausbildung ist a ch in der Mittelstadt zu finden und muß ausgenützt werden. Wo aber am Wohnsitz selbst oder in der näheren Umgebung keine geeigneten Lehrstellen vorhanden sind, ist nach den oben erwähnten Richtlinien die Gewährung eines Zuschusses für Fahrgeld oder Unterkunft nicht ausgeschlossen. Und wenn auch alle Institutionen mit Rat und Tat zu helfen suchen, in erster Linie gönnen nur die Arbeitgeber helfen, wenn sie Lehrstellen zur Verfügung stellen. ' Mag es sich um kaufmännische oder handwerkliche Ausbildungsstätten handeln, jeder jüdische Arbeitgeber erfülle diese schönste Pflicht an der Jugend und melde freie Lehrstellen den hiesigen Arbeitsnachweisen. Wo es darum geht, dem kommenden Geschlecht Mut zu machen durch Hinleitung und Erziehung zu einem sinnvollen Lebensberuf, darf keiner beiseite stehen! " Dr. Albert Hirsch Zur Frage ,des kauf männischen Nachwuchses hat der Zentralausschuss der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau folgende Richtlinien festgesetztr 1. ) Der Nachwuchs ist dadurch gefährdet, daß der Drang der Jugend in starkem Masse zu handärbeitenden Berufen hingeht, und daß sich schon seit Jahren ein Lehrlingsmangel im kaufmännischen Wirtschaftssektor bemerkbar macht, der keineswegs eine rein jüdische Erscheinung ist, sondern auch im allgemeinen Lehrstellenmarkt seit langem zu beobachten ist. Andrerseits ist in Betracht zu ziehen, daß der Nachwuchs des kaufmännischen Wirtschaftssektors vielfach ohne Beanspruchung der gemeindlichen Beratungsstellen in die kaufmännische Lehrstelle eintritt. Hieraus, folgt 2. ) daß, da bei der jüdischen Jugend auf Grund der beruflichen Tradition eine durchschnittliche Eignung für den kaufmännischen Beruf angenommen werden kann, die Berufsberatung Wert darauf legen soll, in erster Linie für diesen Beruf besonders geeignete Personen auszuwählen. 3. ) Voraussetzung für die Vermittlung kaufmännischer Lehrstellen ist die Güte der gebotenen Ausbildung, die dem Lehrling gestattet, seinen Beruf möglichst überall in der Welt auszuüben- Es wird dabei die Notwendigkeit in Betracht zu ziehen sein, für die kaufmännischen Lehrlinge eine besondere zusätzliche Ausbildung in sprachlicher und beruflicher Hinsicht in die Wege zu leiten. 4. ) Lehrzuschüsse werden in der Regel nicht notwendig sein.. Fahrgeldzuschüsse und Unterhaltungsbeihilfen werden für Lehrlinge aus Klein- und Kleinstgemeinden in Betracht kommen, wenn eine geignete kaufmännische Berufsausbildung im oben genannten Sinne in der Kleingemeinde nicht geboten werden kann. 5. ) Da es sich, um ein neues Aufgabengebiet handelt, sollen die Wirtschaftsstellen Anträge dieser Art vorerst an die Zentral- _stelle gelangen lassen. Das Schriftwort Geschaffensein und Schaffen von MaxDienemann Midrasch ist nichts Einheitliches. Hunderte, Tausende kommen zum Wort, deuten das Schriftwort nach ihrer, ihnen eigenen Art, legen ihre Gedanken und ihre Willensstrebungen in das Bibelwort hinein; und da aus dieser Art der Bibeldeutung keine halachischen, keine für das praktische religiöse Leben wichtigen Konsequenzen gezogen werden, so stehen, die verschiedensten Deutungen einträchtig neben, nach einander; und der Leser mag für sich nehmen, was ihm gefällt, oder mag suchen, das scheinbar Widerstrebende mit einander zu harmonisieren. In der Fülle der Deutungen, die den Thoraabschnitt begleiten, der mit den Worten anhebt weele hamischpotim, „dieses sind die Rechtssatzungen" stehen zwei, die scheinbar sich widersprechen. Wir geben zunächst den einen wieder und suchen, seinen Sinn aufzudecken. „Akilas sagte zu Kaiser Hadrian: „Ich will mich der jüdischen Religion zuwenden und will ein Israelit werden." Antwortete ihm der Kaiser (der nach einer jüdischen Tradition ein sehr naher Verwandter des Akilas gewesen sein soll — Akilas war wirklich ein Proselyt und eine Uebersetzung der Bibel ins Griechische geht auf ihn zurück —): „Dieser Nation strebst Du zu? Wie habe ich sie in Schmach und Schande gestürzt? Wieviele aus ihren Reihen habe ich erschlagen? Der erniedrigsten aller Nationen willst Du Dich zugesellen? Was gefällt Dir denn an ihr, daß Du Dich zu ihr bekennen willst?" Akilas anwortete: „Der Kleinste und Geringste unter ihnen weiss, wie der Heilige, gelobt sei er, die Welt erschaffen hat, was am ersten, was am zweiten Tag erschaffen ward, wieviel Zeitseit der Erschaffung der Welt verflossen ist, woraus die Welt besteht, ihre Lehre ist Wahrheit."" Was ist der Sinn dieser Worte? Daß aller Frömmigkeit Anfang und Inbegriff das Bewusstsein ist, daß die Welt und alles, was in ihr lebt, von Gott geschaffen ist. Um ein Wort aus der Spracheneuzeitlicher Theologie zu gebrauchen: das Kreaturgefühl ist der Ausgangspunkt aller Frömmigkeit.. Frommsein beginnt damit, daß der Mensch sich seiner Selbstherrlichkeit entäussert, daß er weiß, alles kommt von Gott und ohne ihn wäre die Welt nichts, ist nichts. Frommsein heisse, alles Sein von Gott abzuleiten, in ihm den Maßstab aller Dinge zu erblicken, in ihm nicht

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