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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-01-01 · 5 (1.1935) · p. Seite 182

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
5 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 182 (sequence 16)
Language
German
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Seite 182 Dr. jur. Julius Sonn Steueru. Rechtssachen Umwandlung von Aktienges. u. 6. m. b. H.'s / Verträge Börsenstraße 2/4 — Tel. 22798 Nathan Doff, Janko Kauffmann und Julius Stern. Die Klavierbegleitung führte Toni Oberdorf er geschickt durch; <iie Violinsoli lagen bei Theo Ratner in guten Händen. Artur Holde konnte für die mühevolle Vorbereitung und geglückte Gestaltung des Konzerts wohlverdienten Beifall entgegennehmen. H. G. Zwei Vorträge in der Gesellschaft für jüdische Volksbildung nahmen Stellung zu aktuellen Fragen des jüdischen Geisteslebens: Dr. Ernst Simon sprach über „Ch. N. Bialiks hebräische Übersetzung des Wilhelm Teil" und fesselte durch geistvolle Gedankenverbindungen, die neue Bildpunkte vor allem in der Betrachtung Schillers und seiner Beeinflussung durch die Bibel eröffnen. Zum Vergleich zog Dr. Simon die Prosa-Tellübersetzung Ratners von 1882 heran, die nur der Bereicherung der hebräischen Sprache dient, sowie die 1920 gedruckte, besonders rhythmisch-treue Übersetzung Ben Zions. Sie alle kennzeichnet Abweichung vom deutschen Text. Sie tritt vor allem bei Bialik stark hervor. Er theotisiert die dem deutschen Idealismus eigene pantheistische und anonyme Sprache, entdemokratisiert und entmythologisiert, indem er beispielsweise: „Den verwegenen Alpenjäger hascht der Tod in hundert wechselnden Gestalten" hebräischem Denken gemäss: „Auf 77 Wegen geht dem Alpenjäger der Todesengel entgegen" übersetzt. Immer wieder kehrt die Geschichte Jakobs und seiner Söhne, — Dr. Simon wies hierbei auf die Bedeutung der Stämme im „Wilhelm Teil" — die Esthermegilla, Buch Ruth und Hiob. Auf die Frage, warum Bialik gerade den „Teil" übersetzt hat, fand Dr. Simon* die aufschlussreiche Antwort: Weil er, gleich dem Dichter und Übersetzer Schiller, in einer Epoche des erwachenden Nationalbewusstseins lebt, weil im „Teil" der Makkabäerstoff bis in Einzelheiten nachwirkt, weil die Didaktik und Philosophie der Schillerschen Dichtung und ihre Forderung der Rechte des unterdrückten Volkes der Denkart und 'Hoffnung vor allem der Ostjuden entspricht. — In seinem feinsinnigen Vortrag: „Der Gedanke des Trostes im Judentum" ging Rabbiner Dr. B. Italiener, Hamburg, v^on der Predigt Jellineks aus: „Bedarf Israel noch des Trostes?" (1863), welche die gottfremde Haltung des 19. Jahrhunderts kennzeichnet, das im Hochgefühl von Ratio und Emanzipation Leid und Trost für überlebt hielt. Heute wissen wir wieder darum, erfahren wir das Leid des Gemeinschaftsschicksals, den Trost aus und in der Gemeinschaft- und damit den Trost des-. Judentums, wie er aus der Bibel und den Psalmen spricht. Der Talmud: führt den Trostgedanken Jesajas vor allem fort, der Anderswerden, Reinwerden heisst. Das Kaddischgebet unseres Gottesdienstes nimmt ihn auf mit seinem Ausblick auf die Erhabenheit Gottes. Leid und Trost Israels sind Gedanken unserer Größten des Mittelalters, Juda Halevys und des Maimonides. Die seelische Not der Entfremdungvon Gott, das religiöse Ergebnis des 19. Jahrhunderts, empfand Nietzsche und stellte, zur Umkehr mahnend, das Bild des gottsuchenden „tollen Menschen" auf. Das leidvolle Schicksal der osteuropäischen Juden um die Jahrhundertwende erweckte wieder das Gefühl für Judenleid und Judentrost im Glauben. Ihn sucht der Zionismus in der Idee des Volkstums, ihn sucht Hermann Cohen, ahnt Franz Kafka in seiner Erzählung „Beim Bau der chinesischen Mauer",- ihn findet Franz Rosenzweig im „Stern der Erlösung" und spricht ihn in der Deutung des Gottesnamens Eh'je ascher eh'je, „ich bin da" aus.- Trost spricht heute aus Bubers Weisheit, die aus <ier Zeit der Wüstenwande- Reparaturen in eig. Werkstätte Alle rmmod. Iren nehme jcnlel Iteotaof in Zahlung er TELS25325 Biebergasse. rung die Zeit der Offenbarung werden sieht, Trost, dichterisch gefasst, aus Stefan Zweigs „Jeremias", Karl Wolfskehls Gedichten . „Die Stimme spricht" und aus der Hauptgestalt des Romanes eines ♦ zeitgenössischen Dichters: „Trost des Volkes", Jechiel, das heisst: r „Gott lebt". - xt. s Künstlerischer Abend!. . Ein künstlerischer Abend im Vereinshause Eschersheimer Landstrasse machte einem großen Kreis hörbares Vergnügen; viele freilich mochten nicht zuletzt wegen des anschliessenden „geselligen Teils" (Kapelle Kuttner) gekommen sein. Bei der Veranstaltung selbst fiel öfters das Wort „Kabarett", und nach dessen Muster warauch ein Ansager in* der Person des redegewandten Alfons F i n k-Berlin (früher Kabarett der Komiker) aufgeboten, der mit trocknen, heiteren Apergus und mit wirksamen eigenen Parodien Gunst und Lachen des Publikums gewann. „De gustibus non est disputandum" - aber unbestreitbar unnötig und gewaltsam erscheint mir eine mehr oder minder witzige Einführung bei ernsten Puccini-Arien oder gar bei Schubert-Liedern. Erni Fei tief, noch etwas befangen, zeigte an den Gesängen der Musette und Butterfly. (und an einer Johann Strauss- Zugabe) einen sehr reizvollen Koloratursopran, der gut trägt. Auch Nanny Rekeb, die. u. a. eine Soloscene der Mi aus Lehars „Land des Lächelns" im Kostüm darbot, verfügt über hübsche" Stimmittel. Heinriah Bornstein lieh den Schubert-Liedern seinen weichen „lyrischen" Bass, ohne allerdings den Gemütsgehalt dieser kleineh:großen Kunstwerke völlig auszuschöpfen. Mit vorzüglicher Sprechkunst erzählte Sophie Seligmann eine Geschichten vom „Möritzchen". Dr. Willi Salomon war den Sängern -fr; wie so oft — ein kundiger Helfer. — Der Abend fand, wie schon" gesagt, auch in seinem ersten Teil starken Anklang. Daß bei den Vorträgen im Saal nicht immer die dringend erwünschenswerte Ruhe herrschte, verzeichnet der Referent als bedauerlich^ Rücksichtslosigkeit gegenüber der disciplinierten Mehrheit! "• u g. sch. Kammermusik im Kulturbund Das Kammermusikspiel stellt an den Musiker inbezug auf geistige Beweglichkeit die , höchsten Anforderungen. Selbständigkeit und Unterordnung, werden zugleich verlangt. Eine neue Quartettvereinigung zumal wird immer geraumer Zeit bedürfen, bis sie vier verschiedene "Künstler-Individualitäten zur Einheit verschmolzen hat. Umsomehr überrascht es, daß bei dem erst wenige Monate bestehenden Kulturbun d-Q u a r t e 11 (Hans Bassermann, Ernst D-,r u c k e r, Richard K a r p, Felix R. Mendelssohn) jvon Anfangsschwierigkeiten kaum mehr etwas zu merken ist. Dank der zielsicheren Führung Bassermanns, dank der besonderen Eignung jedes einzelnen Spielers ist bereits eine Festigung des Ensembles erreicht, die auch schwierigen Aufgaben gegenüber eine hochwertige Ausführung gewährleistet. Gewiss istläer Unterschied der Temperamente, vor allem hinsichtlich der Tongebung^noch zu spüren. Das klangsinnliche Element wird überhaupt in noch stärkerem Masse bei der Weiterarbeit Berücksichtigung finden müssen. Aber der schon jetzt festgelegte Stand der'Leistung lässt erhoffen, daß die Ansprüche selbst einer verwöhnten Kammermusikgemeinde erfüllt werden können. Der erste eigene Abend, mit dem die Spielgemeinschaft an die Öffentlichkeit trat, brachte zwei Werke der klassischen Literatur. Haydns Opus 77,1 in G-Dur hörte man in feiner stilistischer Erfassung, die richtig zwischen objektiver Spielfreude und gefühlsbetonter Haltung zu vermitteln wusste. Bei Beethovens op. 59,n in e-moll, dem zweiten der berühmten Rasumowsky-Quartette, hätte man zuweilen noch mehr Grösse des Ausdrucks, noch stärkere Unmittelbarkeit gewünscht. Der Ge- , samteindruck war jedoch auch hier sehr erfreulich. Es zeugt für die Qualität des 2. Quartetts op. 35 von Hans Ga l — eines zeitgenössischen jüdischen Komponisten, des-Wie- 3 ner Kreises —, daß es sich zwischen jenen Meisterschöpfungen . relativ gut behaupten konnte. Das fünf sätzige, der Suitenform nahestehende Werk nimmt zwar unbedenklich Anleihen bei vielen Stilrichtungen auf, aber es deutet die fremden Einflüsse in persönlicher, ungemein gekonnter Weise um,Die bewegten Partien.namentlich zeichnen sich durch musikantische Lebendigkeit und geistvollen Witz aus. Die subtile Wiedergabe der rhytmisch und kontrapunktisch:'sehr- -kunstvoll gearbeiteten: neuzeitlichen Musik stellte dem Können Bässermanns und seiner Pultgenossen daö beste Zeugnis aus, Dr. E. :

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