Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 5 (1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Kulturarbeit des Monats Synagogal-Konzert Wie schon seit einer Keine von Jahren veranstaltete Max Neu mann, der von Beruf und Neigung her das Gebiet der jüdischen Musik gründlich kennt, ein Synagogal-Konzert, das in seinem glatten äußeren Verlauf, vor allem auch in der knapper gefaßten zeitlichen Dauer erfreulicher Weise früheren Beanstandungen Eechnung trug. Der künstlerische Eindruck hat sich durch diese Beschränkung sicher gehohen. Max Neumann brachte in Darbietungen seines Knaben- und Männerchors sowie in Einzelgesängen eine geschickt zusammengestellte Auswahl westlicher und östlicher Vertonungen des religiösen Kults. Den Eingang bildete eine eigene Komposition des Dirigenten „L'cho däudi", ein wohlklingendes, geschmackvoll gesetztes Stück. Bis auf geringfügige rythmische Unebenheiten, die für den Gesamtverlauf unwesentlich waren, zeigte der Chor in allen Stimmen erfreuliche Disziplin und — weiter — die Bereitschaft, das äußerste an Klangfülle herzugeben; mit Recht fanden auch die beiden Sopransolisten J. Brandstädter (der zumal durch ein paar Falsett-Töne überraschte und entzückte) und Adolf Kessler starken Beifall. Kammersänger Benno Ziegler lieh seinen warmen ansprechenden Bariton Einzelgesängen und verschiedenen Karitorsolis; und Heinrich Bornstein (Baß), in diesem Kreis ja kein Fremder mehr, bewährte wiederum seine sympathischen Stimmittel und die Vertrautheit mit dem Stil des Kultgesanges. An Harmonium und Klavier unterstützten Dr. Willy Salomon und Max Firnberg den Dirigenten und seine Helfer aufs beste. Das Konzert wurde in allen Teilen von einer zahlreichen Hörerschar mit Aufmerksamkeit und dankbar aufgenommen. g. sch. Heiterer Opern- und Operetten-Abend Eine der schwierigsten Fragen des jüdischen Kunstlebens bildet die angemessene Beschäftigung der für Podium und Szene in Betracht kommenden Tonkünstler. Bei der großen Zahl der Kräfte, die in Frankfurt Anspruch auf Beachtung und Beschäftigung erheben, können die bestehenden Organisationen nicht in dem angestrebten Umfang den Rahmen für deren Herausstellung abgeben. Auf der einen Seite also das berechtigte (nicht selten auch unberechtigte) Verlangen nach Wirkungsmöglichkeiten; auf der anderen das Bestreben, der Gefahr eines übersteigerten, der äusseren und'inneren Lage nicht entsprechenden „Kunstbetriebs" zu begegnen. Vorläufig — bis der erst allmählich erreichbare Ausgleich, der nach dem Prinzip der Auslese erfolgen wird, hergestellt ist — suchen viele Frankfurter Tonkünstler an eigenen ..Abenden Arbeitsraum zu gewinnen. Daß ihnen dabei in hohem Masse die Gefolgschaft des Publi- : kums zur Seite steht, bewies auch der „Heitere Opern- und Operetten-Abend". An ihm wurden Arien (Mozart, Bellini) von den Sopranistinnen Bettina F e i 11 e r und Lily Langen mit angenehmer Tongebung und gerundetem Vortrag beifallswürdig gesungen. Rolf Sanders schlanker Tenor gefiel in einer geschmackvoll geformten Arie aus Leoncavallos „Boheme". Sorgsam ausgefeilte Duette aus klassischen und modernen Operetten zeigten, ebenso wie die Lieder, Lilly Langens Anlage für das heitere Fach. Abwechslung brachten in die Vortragsfolge Szenen der phäntasiebegabten Tänzerin Greil Hauck. Am Flügel: in den Gesängen wie immer führend und stützend, Willy S a 1 o m o n, 4 Seite 181 WAL TER S TRA USS Versich. Berater \ Keine Vermittlung Lebensversicherungsfragen u. Aufwertungsangelegenheiten NECKARSTR. 9_ Fernspr. 33796 bei den Tänzen geschickt anpassend, Leni Morgenstern- Lorch. A. H. Marionettenspiel vom Präger Golem Die Aufführung des Marionettentheaters von Alfons Rosenberg (München), eine Sonderveran3taltung des Kulturbundes innerhalb der Channukkah — Kunstschau, zeigte in 5 Bildern Irrtum und Schuld des Hohen Rabbi Löw, das verzweifelte Suchen, des unseligen Golems nach Gott und Heimat, den Durchbruch seiner Dämonie. Die alte Sage als Legendenspiel wirkte darum so erschütternd und lebensnah, weil die Marionetten als handelnde und leidende Individuen und nicht als Typen ihren geheimnisvollen Geist verlebendigten. Von tiefer Einfühlung und feinem künstlerischem Stilempfinden sprachen die charakteristischen holzgeschnitzten Puppen, vor allem Rabbi und Golem, die Dekorationen des Studierzimmers, das die Faustparallele nur noch sinnfälliger machte, der Erweckungsszene des Golems mit Hilfe der Naturgeister am Ufer der Moldau und der Szene vor der historischen Altneuschul. Man empfand dankbar die echte Kunst, die hier in kleinstem und feinstem Rahmen geboten wurde, und die schöne Geschlossenheit von Form und Inhalt. xt. Gesellschaft für jüdische Volksbildung Die „Gesellschaft für jüdische Volksbildung" eröffnete ihre diesjährige Chanukkahfeier mit einer Ansprache ihres Vorsitzenden, Rabbiner Dr. Salzberger. Der Redner entwickelte in knapper Form aus den geschichtlichen und religiösen Grundlagen die Bedeutung des Chanukkahfestes für unsere Zeit. Die Rede wurde durch das Anzünden der Chanukkahlichter und den gemeinsamen Gesang des Moaus zur umrahmt. Daran schloss sich ein Konzert der Kammerstreichvereinigung und Singgemeinschaft der Musikfreunde unter Leitung von Artur Holde, das ein wertvolles Programm vermittelte. Es ist ein besonderes Verdienst des Dirigenten, daß er mit seinen willigen Helfern einem großen Hörerkreis auch Gebiete der Musik erschliesst, die weniger bekannt sind. So hörte man an kostbarer alter Musik eine Ouvertüre von- Lully, einige italienische Kammerduette, eine schlichte aber festliche Hymne von Mozart, sowie den groß aufgebauten 96. Psalm von Händel. Aus neuerer Zeit erklang als Erstaufführung das fesselnde „Lyrische Andante" für Streichorchester von Max Reger, ein Jugendwerk, das jetzt erst veröffentlicht wurde. Besonderes Interesse durfte der Sabbathpsalm Franz Schuberts als Beitrag eines deutschen Klassikers zur Synagogenmusik beansprur chen. Seit ihrem letzten Auftreten in einem Synagogenkonzert ist die Musikgemeinschaft Holdes zu noch geschlossenerer Leistung vorgeschritten. Vor allem das Orchester zeigte sich seiner Aufgabe in jeder Hinsicht gewachsen. Unter den Solisten verdient Nathan Saretzki für seine Tenorsoli an erster Stelle genannt zu werden. Ausserdem traten solistisch oder im Ensemble hervor die Damen Anneliese Bender, Erni F e i 11 e r, Lucie K a t z, Martel Neumaier, Senta Würzburger, sowie die Herren | FEINSTE JAPAN. 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