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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-01-01 · 5 (1.1935) · p. Seite 183

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
5 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 183 (sequence 17)
Language
German
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Seite 183 Renzert der Ortsgruppe des Reichsbandes jüdischer Frontsoldaten „Kamerad ist Hilfe, nicht Rat — Kamerad ist Ernte, nicht Saat — Kamerad kein Opfer zu schad Kamerad nicht Worte, stets Tat". Mit diesem: eindringlichen Vorspruch warb die Frankfurter Ortsgruppe des „Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten" im Programmheft beherzigenswert für den Zweck ihrer Veranstaltung: das Schicksal der jüdischen Kriegsopfer zu erleichtern und der „Kameradschaftshilfe" neue Mittel zuzuführen ren. Viele waren dem Ruf zu tätiger Nächstenliebe gefolgt, allerdings immer noch nicht genug, um, wie man es gewünscht hätte, den großen Saalbau ganz zu füllen. Wenn sich die Reihe der« Hörer im Verlauf des Konzerts stark lichteten, so dürfte dies nicht nur auf den zu späten Anfang — warum 20}£, in Wirklichkeit 20%,'anstatt wie früher 20 Uhr? — und die übergroße Länge der Vortragsfolge zurückzuführen sein. Ein erheblicher Teil des Gebotenen stand vielmehr nicht auf der künstlerischen Stufe, die in einer Stadt von den kulturellen Ansprüchen Frankfurts bei Veranstaltungen großen Stils fast eine Selbstverständlichkeit ist. Was hilft es, wenn viele Programmnumern - im „Ki k'schimcho" von Lewandowsky nicht einmal richtig -j— als Erstaufführungen für Frankfurt oder als Uraufführungen bezeichnet werden? Das künstlerische Gesicht erhält eine Aufführung schliesslich doch nur durch den Wert der Kompositionen und durch die Beschaffenheit der Wiedergabe.; In diesen beiden entscheidenden Punkten Hess der Abend berechtigte Wünsche offen. Von VokalWerken wie dem für den Berliner pomehor geschriebenen 91. Psalm „Trost in Sterbensgefahr" von Meyerbeer, der mehr den Reiz des Wenigbekannten als den des inneren Gehalts besitzt, wird es manchem nicht leicht gewesen sein, sich in der gesanglich und musikalisch unzureichend geschliffenen Form der Darstellung ein zutreffendes Bild der Komposition zu machen. Der Eindruck, daß der Verstärkte Chor der Wiesbadener Hauptsynagoge von seinem um daä Gelingen seiner großen Aufgabe redlich bemühten Dirigenten S. Lilienthäl nach weiterer intensiver Schulung an anspruchsvolle Aufgaben herangeführt werden könnte, Hess sich eher in Heinrich Schalits Hymne „In Ewigkeit" gewinnen, so wenig auch hier schon eine überzeugende^ Verlebendigung des Notenbildes durch eine innere Anschauung vorlag: Tonlich und ausdrueksmässig am besten gelangen liturgische Gesänge, in denen Nikolaus Naumo w-Fleiscbmann mit wuchtigen Stimmitteln solistisch hervortrat. Für Lieder von Schalit, Geiger-Kullmann, Lilienthal und Jepler, in denen die ersten beiden Autoren das Gewichtigere zu sagen hatten,- setzten sich die Sopranistinnen' Herta EDi r s c h- Bramssen und Hanna Stein ohne rechte Durchschlagskraft ein. Seine, an klassischen Meistern geschulte Satztechnik und Geschmakssicherheit bewies Siegfried Würzburger in zwei auf jüdischen Themen ruhendem Orgelwerken. Kontraste brachten in das Programm noch die von Selmar> Victor flüssig gespielten Stücke von Bloch und Achron. Aus ider übrigen, nicht durchweg künslerisch voll legitimierten Schar der Solisten seien noch Elsbeth S t r a u s s (Alt) und die Begleiterin Vera Wels mit Anerkennung genannt. Das Publikum zeigte jsich dankbar gestimmt '~- A. H. Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen,,daß die Friedhofsgärtnerei der Gemeinde den besonders gelungenen Blumenschmuck bei der Bewirtung der Gäste, gestellt "hat. Die Schriftleitung Chanukkah-Ausstellung im Museum Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler hat im Museum jüdischer Altertümer ine der Fahrgasse anläßlich der Chanukkahtage eine erlesene Auswahl von Chanukkahlampen und Leuchtern zusammengestellt. Hier muß der Kenner die ge- ■ schmackvolle Gruppierung und Anordnung feiner Kleinkunst genießen, der Gläubige findet vertraute Geräte zum Betrachten und Vergleichen zusammengereiht, — der Unbefangene aber erlebt eint seltsame Erschütterung. Er siehtr einen Kultgegenstand, die Chanukkahlampe im Wandel der Jahrhunderte bis zum Anbruch der Emanzipation, wie sie im Orient und in Italien, in den Niederlanden, in Deutschland, im jüdischen Osten wechselnd in Material und Formensprache ausgestattet wurde. Jedes Zeitalter hat seine Boten gesandt!. Ein zarter viereckiger, j innen ausgehöhlter Stein aus den Ruinen Karthagos trägt einen umlaufenden Zierstreifen und am Boden die^ Inschrift „Jerusalem"'; eine Menorah des 2. Jahrhunderts in mattem ornamentierten Alabaster zeigt die Vorliebe der frühen -christlichen Jahrhunderte für dieses schöne und bildsame Material.... Köstliche gotische Bronzearbeiten sind mit straffen Maßwerkmotiven zu in sich vollendeten künstlerischen Gebilden fefet gefügt, üppiger wirken die Schöpfungen der Renaissance mit reichlicher Uebernahme Dr.jur. Hugo Hoffmann Generalvertreter der Victoria-Versicherung Kalsersfrafjo 2 + Fernsprecher 24841/2 der zeitgemäßen Ranken, Putten, Tiere, Mischwesen usw. Die frühe Barockzeit zeigt behäbig-breite Messinglampen aus den Niederlanden, die späte zuerst das Baummotiv: Starker Stamm, breit ausladende Aeste, konzentrisch eingefügt, ein reiches dekoratives Gefüge mit Laubkränzen, Blumen, Vögeln und endlich Früchten, die als Lampen dienen. Im ausgehenden 18. Jahrhundert gibt es feinste Filigranarbeiten in Silber voll von der singenden Zierlichkeit und Anmut dieser Zeit, daneben aber schon strenge Formen von vornehm klassizistischem Gepräge. Die Zinngeräte der Biedermeierzeit haben den ihr typischen, trocken-kleinbürgerlichen Einschlag. Zu den Juden auf dem Lande führen die hessischen Lampen aus glasiertem Ton, bäuerliche Werke, wie wir sie auch sonst und noch für profane Zwecke* aus dieser Gegend kennen. Ueber den Bereich der Kleinkunst hinaus ragt der mächtige bronzene Leuchter aus einer ostdeutschen Synagoge, der mit flammenden Lichtern auf weit ausgreifenden Aesten zum großartigen Symbol dieses Freudenfestes wird, sein mächtiger Künder im Gotteshaus, während alle die kleinen Lampen Zeugen stiller heimischer Feiern sind. Eine erlesene Schau, die in ihren engen Grenzen in schöner Vollständigkeit Proben des europäischen Kunstschaffens vom Beginn der Entwicklung bis zur Neuzeit bringt. Und dies gerade ist eben in dieser kleinen Ausstellung das Wesentliche und Beispielhafte, was wir alle wissen, was uns aber doch so gegenwärtig und schaubar selten nur entgegentritt: tief schlug in jedem Land der Jude Wurzeln in dem fremden Erdreich, so, daß er schließlich sein Letztes und Eigenstens, sein Fest und dessen Zeichen schmückte mit den künstlerischen Formen derer, in deren Mitte er lebte. Und trotzdem blieben diese Werke sein Eigenes durch alle Zeiten. Dr. M. S. Die Ausstellung ist bis 15. Januar verlängert worden. Oeffnungszeit Sonntag bis Freitag 10—13- Uhr. Chan ukkah-Kunstschau Die diesjährige Chanukkah-Kunstschau der Frankfurter B n e B r i t h-L o g e n wurde gemeinsam mit dem Kulturbund deutscher Juden Bezirk Rhein-Main organisiert. Das gewohnte Bild lebenserfüllter Farbigkeit bot sich auch in diesem Jahr den zahlreichen Besuchern der Veranstaltung in der Frankfurt-Loge. Der Eindruck eines guten, zum Teil ausgezeichneten Niveaus, der von den früheren Ausstellungen zurückgeblieben war, bestätigte sich in erfreulicher Weise aufs Neue. Es darf als bedeutsames Zeichen ungebrochenen Schaffensmutes der jüdischen Künstler gewertet werden, daß fast alle Aussteller in diesem Jahre sichtbare Fortschritte gemacht haben. Diese Anerkennung gilt nicht nur hinsichtlich einer in vielen Fällen zu erkennenden technischen Entwicklung, sondern auch bezüglich des Ausmasses künstlerischer Vertiefung. Die jüdischen Motive, so beachtlich sie auch waren, genügen nicht, um das Bild künstlerischer Leistung zu verändern, die in ihrer Entwicklung von der Kunst der Umwelt bedingt und getragen wird, ja sogar ihrerseits diese Kunst in manchem fördert. Eine erstmalig der Ausstellung angeschlossene Kunstgewerbeschau stand auf ähnlicher Höhe wie die Ausstellung von Malerei, Graphik und Plastik. Erfreulicherweise war auch das wirtschaftliche Ergebnis für die ausstellenden Künstler und Kunstgewerbler nicht unansehnlich. Ghr. Wohlfahrts pflege [braucht öiSie! WASSERSPORT WINTERSPORT SKI ie 9.- 12.50 15.50 Hickory 17.5020.-24- Alles Zubehör „Hart"-Faltboote Gelegenhelten | Neue Mainzer Str. 6 SBiicS th. 29335

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