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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1935-01-01 · 5 (1.1935) · p. Seite 179

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
5 (1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 179 (sequence 13)
Language
German
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fühlt. Erinnerungen an Lieder, die seine Mutter, seine vermeintliche Amme sang, paralysieren die Erziehung, welche die ägyptische Königstochter ihm angedeihen Iiess. In die Geschichte des Moses ist die Hiobslegende verwoben: er wird zur Strafe heimgesucht, weil er als Katgeber Pharaos auf Bileams bösen Rat gegen die Juden schwieg, sein Elend war das Lösegeld für Israels Heil und als sich Israel dem verheissenen Gesetz zuwendet, erlöst Gott den Dulder Hiöb vor Satan. Nach rückwärts und nach vorwärts reichen die Geschehnisse in die Unendlichkeit: Moses Stab ist der Stab, den Adam zuerst besessen hat, und Pharao, der echte Sohn der Prinzessin, die Moses Pflegemutter war, wird als Einziger aus dem Schilfmeer gerettet, um als Nebukadnezar, Antiochus, Titus und Justinian in tausend Gestalten bis ans Ende aller Tage aufzuerstehen. Bei der Manna-Lese missachten Abiram und Dathan den Sabbat, „hätten, aber alle Hebräer vom ersten Augenblick an den Sabbat geachtet, so hätte kein Volk der Erde vermocht, Israel zu besiegen." Das Geschlecht, das aus Ägypten fortzog, erweist sich als zu schwach, Gott selbst anzuhören, als er die Thora, die Gott allen Völkern angeboten hatte, verkündet: hätten sie es vermocht, so hätten sie nie mehr gesündigt. Die tiefsten Teile des „Moses" beziehen sich auf Moses Verhältnis zu Gott: „Gott gehorcht ihm, denn Gott gehorcht, wenn ein Heiliger befiehlt". Gott straft ihn, dem er oftmals verzieh, als Moses an Israel zweifelt. Jüdische Zahlenmystik spielt hinein: Seth, der dritte Sohn Adams,, wurde zum Ahnherrn der Menschen, Sem, der dritte Sohn Noahs, zum Ahnherrn Israels, drei waren der Erzväter und Levi der dritte Sohn Jakobs, aus dessen Stamm, Moses hervorging, Moses aber der dritte Sohn seines Vaters usw. In einem „Salomo" setzt Fleg seinen Sinngebungsversuch fort. Bereicherte er seinen „Moses" um Züge aus dem Nachleben des biblischen Moses in den Legenden, sodass Flegs „Moses" seinerseits eine Fortsetzung der Überlieferung ist, so umgibt er den historischen Salomo, dessen Name auf hebräisch das gleiche bedeutet wie das deutsche „Friedrich", die historische Gestalt mit Sagen jüdischer und arabischer, äthiopischer und persischer, indischer und irischer Märchenerzähler. Und gerade diese Ausschmückung dient ihm dazu, eine psychologische Entwicklung der Persönlichkeit zu entdecken, die das „Hohe Lied" die „Sprüche" und sden „Prediger" dichtete. Fleg schaltet sehr frei den Fakten, wenn er die Sulamith des Liedes der Lieder mit jener Seite 179 Abisag von Sunam gleichsetzt, die seines Vaters David letzte Freude war, aber es ist eine Erzählung von mythischem Ausmaß, wenn er darstellt, wie Salomo, der Geliebte Gottes, die Weisheit als Geschenk erbittet, wie es seine Weisheit ist, der Thora treu zu sein, wie seine Weisheit ihn überheblich macht, seine Macht zu missbrauchen, wie er mit dem Missbrauch der Macht die Weisheit verliert und mit der Weisheit die Macht, wie er geläutert wird und sühnt und wie die Dämonen, die er einst zu Gottes und seinem Dienste zwang, im Wahne, er sei nicht gestorben, weiterbauen am Tempel des Messias, als der Salomo, der Zauberer und Weiberkneeht, der Narr und Bettelmann zu leicht befunden ward. Mit der Erwartung des Messias schliessen Flegs „Moses" und „Salomo". Solange der Messias nicht herrscht, ist der böse Trieb Gottes Werkzeug in der Welt, als ein Weg zur Erkenntnis, den Gott Moses vorenthielt. Der böse Trieb aber bringt Salomo dahin, nicht mehr gottgefällig zu wandeln,, daß die heidnischen Fraiien Macht über ihn gewinnen, statt, daß er sie zum Gotte Israels bekehrt, was seine Absicht war. Als Salomo die ägyptische Pharaonentochter heimführt, legt Michael, der Juden und der deutschen Erzengel, den Grundstein zu Rom, das Israels Zuchtrute wurde. Zwei Leitmotive durchziehen die biblischen Dichtungen Edmond Flegs: daß die Thora die Thora bleibt, unbeschadet aller Wandlungen, die sie im Lauf der Zeit erfährt. Und daß sich das Blut der Völker dem Blute Israels einen muß, auf daß die Einung der Welt geschehe. Es sind Apologien des Judentums und Erzeugnisse einer orientalisch-französischen Kultursynthese, wie sie es schon einmal im französischen Ritterroman gegeben hat. Wie der deutsche Philosoph Konstantin Brunner nimmt auch er Jesus für das Judentum in Anspruch wie die katholische Kirche das Mädchen von Orleans, das sie als Ketzerin verbrannte und später heilig sprach. Das Blut, daß die Pharisäer bei der Kreuzigung Christi auf die Kinder Israels herabgeflucht hätten, wäre durch das Blut, das jüdische Märtyrer vergossen hätten, längst verwirkt. Die Werke Edmond Flegs tragen keinerlei Gattungsbezeichnung. Sie sind in der Tat — ganz abgesehen von ihrer Bedeutung und ihrem Wert — einzigartige Gebilde: heroischer Stil wechselt mit einer fast feuilletonistischer Plauderei, Märchenzauber aus Tausendundeiner Nacht mit tiefen Weisheiten, Erklärer unserer Heiligen Schrift. |\ELZE-rAÄcNKTf{i Maßanfertigung — Umarbeitungen I Hancke & Lohse H früher lanf jähriger Mitarbeiter der Firma Kovatschek I Steinweg 8 1 direkt an der Hauptwache Tel. 25708. 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