Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 4 (12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 159 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 159 Tagungen Lernen und Gestaltung Bericht von einer überbündischen Tagung Wer an der ersten Tagung der Mittelstelle für Erwachsenen-, bildung in H e r r 1 i n g.e n teilnehmen durfte, ihre Fraglichkeit zuvor gespürt, dann ihr Gelingen unter dem einzigartigen Geist Jener Waldschule droben im Schwäbischen Jura erlebte, der mußte sich gerade wegen dieses Gelingens der Fraglichkeit bewußt werden, die mit der Einberufung zu einem überbündischen Treffen verbunden war. — Der Reichsausschuß jüdischer Jugendverbände hatte die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung gebeten, eine Schulungswoche für 60 Führer aller jüdischen Bünde zu veranstalten. Nur von seiten der Revisionisten und der Agudas Jisroel trat man diesem Plan entgegen, f Lehnitz war kein zweites Herrlingen, und das war gut so: Herrlingen war Zeit des Erkennens, der Sichtung, des „ecnten" Gespräches, Lehnitz Woche des Lernens und der Gestaltung. Der Tag begann mit Waldlauf und Körperschule, er endete rix langen Einzelgesprächen spät in der Nacht. Es war ein Wechselspiel von Einheit und Vielfalt. Einheit im Lernen, Vielfalt in der Gestaltung. So kam es vor, daß plötzlich das Ueberbündische versehwand und das Politisch-Begrenzte sichtbar wurde; aber a\ich dann blieb es fruchtbar und das Gespräch war offen und kein Standpunkt verhärtete sich. Fast alle Bünde hatten Führer geschickt. Und wohl kaum in der Welt werden Fragebogen (höchstens in Palästina) ein bunteres Bild ergeben haben als jene, die Prof. Dr. Ernst Kanto-rowicz in seiner Arbeitsgemeinschaft über „Gegenwartskunde" von allen Führern erhielt. — Es wurde den Führern die Methodik der Arbeit, des Lernens gezeigt. Nach ihr soll dann die Eigengestaltung in den einzelnen Bünden erfolgen. Prof. Dr. Martin B u b e r , dessen Persönlichkeit der Tagung ein bestimmtes Gepräge gab, zeigte an Hand eines Bibelabschnittes (Abraham) die Wege auf, in denen sich das Bibellernen in den Bünden zu vollziehen hat. — Eine Freitagabendstunde brachte einen Vortrag verschiedener Psalmen, übersetzt und gesprochen vonj Martin Buber. Vielen wurde da die TJrkraft jener Worte offenbar. — Dr. Ernst Simon las ein Ge-, dicht von Bialik und seine Arbeitsgemeinschaft zeigte die Wege des Hebräischlernens. — Dr. Bamberger erörterte Fragen verschiedener Emanzipationen und in Verbindung hierzu sprach Dr. Ernst Simon über „Einfluß der Bibel auf das CromweH'sche England". — Ausgestaltung für Feier- und Heimabende (in Verbindung mit Dr. Ernst Simon), sowie einen Kurs über Methodik des Musizierens und Singens wurde von Karl Adler, Stuttgart, geleitet. Für alle, die je mit ihm auf diesem Gebiet zu tun hatten, ist Karl Adlers Name ein Begriff geworden. Begriff, weil seine Art eine Einmaligkeit bedeutet und seine Arbeit uns zum Erlebnis wurde. — Prof. Dr. B o n d i sprach in seiner Arbeitsgemeinschaft mit den Führern jene Fragen durch, die auch heute noch im Mittelpunkt aller Bünde stehen: Führertum. Auslese, Koedukation. Vielfältig waren Erfahrungen und Meinungen; der Wille zur Gestaltung zeigte die Verschiedenartigkeit in der Blickrichtung. Die Abendstunden brachten Vorträge und Aussprachen, so Dr. Friedrich Brodnitzr „Hilfe- und Aufbauwerk", ein Referat mit einem ungeheuren Tatsachenmaterial. Demgegenüber versuchte Dr. Alfred Hirschberg in seiner Aussage über „Jüdische Einordnung in Deutschland", die augenblickliche Situation deutscher Juden aufzuzeigen. — Adler-Rudel brachte eine „Sicht des Ostjudentums", wie es wohl keiner berufener tun könnte. Viele wurden zum ersten Male dieser ungeheuren Zersplitterung gewahr. E. Liebensteins Referat über „Historische Voraussetzungen des Palästinaaufbaues" brachten Stunden ernsthaften Gespräches. Es wurde die Methodik des Lernens gezeigt. Die endgültige Gestaltung bleibt nach wie vor Eigen-Aufgabe der Bünde. Es wird keinen unter ihnen geben, für den die Tagung in Lehnitz nicht einen ungeheuren Wert besaß. -:<:<: S-f0- P. Y. M. Tagung des Deutschen Vortrupp in Mainz Von einem Teilnehmer wird uns geschrieben: Am lO./ll. November fand in Mainz ein süddeutsches Treffen des Deutschen Vortrupp statt, zu dem Dr. Hans Joachim Schoeps und zahlreiche Freunde (aus dem BdjJ. und den Sportgruppen) erschienen waren. Das auf der Berliner Führertagung vor 2 Monaten begonnene Gespräch um die Situation des Menschen heute, um die Möglichkeit des getrösteten Leides trotz seiner tiefen Verzweiflung, wurde weiter geführt zu der Erkenntnis, daß auch heute noch wahre Begegnung von Mensch zu Mensch, daß noch echte Zwiesprache möglich ist. — In der praktischen Aussprache klärten wir unser Verhältnis zu den neben uns stehenden Bünden und Vereinigungen und befaßten uns mit den vordringlichsten Aufgaben dieses Winters (Sozialarbeit, 'Staatsjugendtag und Oneg Schabbat, zusammen mit dem BdjJ., Plan einer jüdischen Lernwoche über Weihnachten etc.). Der Niederschlag der Gespräche findet sich in dem neuesten Vortruppheft. Rtl. Aus der Arbeit des Reichsausschusses der jüdischen;; Jugendverbände Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände veröffentlicht folgende Kundgebung: An dem Tage, an dem Ludwig Tietz uns verlassen hat, bekennt sich der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände erneut zu dem Gedanken der alle Gruppen und Richtungen der jüdischen Jugend einigenden und umfassenden Gesamtverantwortung und Gemeinschaftsarbeit. Wie Ludwig Tietz den Reichsausschuß als lebenden Ausdruck eines neuen Geistes aufgebaut hat, wollen wir sein Werk im Dienste jüdischer Jugend und jüdischer Zukunft fortsetzen. Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände: Brodnitz Sommerfeld * In Ergänzung der Mitteilungen der Reichsvertretung geht uns der folgende Aufruf des Reichausschusses der jüdischen Jugendverbände zu: Der Aufruf der Reichvertretung der deutsehen Juden, den vom Schuluntericht befreiten Sabbath der jüdischen Jugend in festlicher Ausgestaltung wieder zu einem Mittelpunkt jüdischen Gemeinschaftslebens zu machen, wird bei den jüdischen Jugendbünden den stärksten Widerhall finden. In dem Wunsche, dem Sabbat seine alte Bedeutung als Ruhetag jüdischer Selbstbesinnung und Erneuerung wieder zu geben, begegnen sich alle Richtungen der jüdischen Jugend. Wie die Reichsvertretung die Gemeinden zur Mitarbeit an der Ausgestaltung des Sabbats der jüdischen Schuljugend sammelt, so ruft der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände die jüdischen Jugendvereine auf, ihre Kräfte für diese große Aufgabe bereitzustellen. Aufgiibe bereitzustellen. Ihre Lösung hängt von den Menschen ab, den Rabbinern, den Lehrern und den Jugendführern, die eingesetzt werden können. Eine schematische Regelung würde den örtlichen -Arbeitsvoraussetzungen nicht gerecht werden. In jeder Gemeinde sollen deshalb nach der Anregung der Reichsvertretung Beratungen zur Planung der Sabbatgestaltung stattfinden. Wir fordern unsere Landesausschüsse und Ortsringe auf, sich den Gemeinden zur Beratung und Mitarbeit tatkräftigst zur Verfügung zu stellen. Ein Werk, das der jüdischen Jugend dienen soll, darf nicht ohne die tätige Mitwirkung der Jugend selbst aufgebaut werden. Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Neuheiten! Gelegenheiten I Reparaturen! Seewald Nur Zell 19 Telefon : 22621 POR WASSERSPORT .WINTERSPORT alles für den Skibesonders . preiswert SDOTI Telefon: 2 9335 Neue Mainzer Str. 6 Direkt an der Brücke