Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 4 (12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 136 (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 136 r Rezitationsabend Otto Bernstein. Die Gesellschaft für jüdische Volksbildung lud ihre Mit glieder und Freunde zu einer Veranstaltung, die aufs Neue von ihrem guten Ge.-cbmack überzeugte. Der erste Teil des Abends brachte" Lyrik: „Die Schöpfung", ein Sonett von Manfred Sturmann, dem Münchener Dichter, ferner „Altern" und „Schlaflied für Miriam" von Beer-Hofmann. In der taktvoll reservierten Art Otto Bernsteins, der das Thema dieser Dichtungen, die Gesetze in Natur und Menschenleben, eindringlich und sachlich formulierte, lag bereits alle Gefühls- und Ausdruckskraft, die den zweiten Teil des Abends den Hörern zum Erlebnis machte. Otto Bernstein trug das letzte Kapitel der „Geschichten Jaakobs" von Th. Mann vor, das unter dem Titel „Benoni" von der „Tragödie der nichtangenommenen Tapferkeit" Raheis erzählt. Hier entfaltete Bernstein^die große Kunst seiner Sprache, die wunderbar beseelt die Hörer erschüttert mitriß. Der Gehalt jedes Wortes, das Wesen jeder genannten Person war sichtbar in seinem Gesicht, war erkennbar in seiner Stimme. So wurde Reflexion zum Gesehehen, Handlung durch den Gedanken durchgeistigt. Meisterhaft traf Bernsteins Rezitation den zugleich epischen und lyrischen Stil Th. Manns, meisterhaft diese ganze Schilderung des Todesopfers der „Rechten und Liebsten" Jaakobs. — Im Vortrag ehassidischer Geschichten von Martin Buber brachte Bernstein das Wesentliche, die auf Lebenskenntnis und Gottesgläubigkeit beruhende halb lächelnde, halb ernste Weisheit sehlicht zum Ausdruck. Zum Schluß verlas er die heitere Erzählung „Das große Los" von Scholem Alechem, worin er noch einmal sein außerordentliches Können bewies. Den Dreitakt des Abends beschloß die Harmonie, zu der Rel Tewje ein kindlicher Weiser durch Gottes Gnade fand. Und die Hörer, noch unter dem Eindruck von Raheis Sterben, empfanden sie erleichtert und dankten Otto Bernstein für zwei erlebnisreiche, wertvolle Stunden. xt. Slawischer Abend Hans Assenheim und Theo Ratner In zäher Aufbauarbeit suchen sieh die in Frankfurt ansässigen zahlreichen Solisten ein eigenes Wirkungsfeld zu schaffen. Daß ihnen bei diesem mühsamen Beginnen die Sympathien der musikalischen Kreise zur Seite stehen, bewies wieder einmal der stark besuchte „Slawische Abend", den der Baritonist Hans Assenheim in Gemeinschaft mit dem Geiger Theo Ratner im großen Saal des Vereinshauses veranstaltete. Der Sänger hat seit der vergangenen Saison beträchtliche Fortschritte gemacht. Die von der Natur gut bedachte Stimme ist biegsamer und ausdrucksfähiger geworden. Sein Augenmerk möge der Künstler besonders darauf richten, den Vortrag noch farbiger zu gestalten und die seelischen Gehalte der Texte stärker auszuschöpfen. Das Programm enthielt Vielgesungenes: einige Nummern der Biblischen Gesänge von Dvorak, Wenigbekanntes: Gefällige Lieder von Gretschaninoff und eine konventionell-pathetische Arie aus der Oper „Orestie" von Tanejew. Den zweiten Teil füllten polnische, tschechische und ungarische Volkslieder, von denen manche durch ihre Eigenart und durch die ansprechende Uebermittlung fesselten. Theo Ratner braucht seine Qualifikation als Solist nicht mehr nachzuweisen. Er verbindet die in bester Schule erworbene Gediegenheit der Technik mit den Eigenschaften des instinktsicheren, geschmackvollen Musikers. Mit elegantem, federndem Strich und nobler Tongebung bewältigte der Geiger mühelos Tschaikowskys Konzert op 35 D-dur. Seinem Temperament sollte Ratner, besonders wenn es sich um slawische, stets affektbetonte Musik iiandelt, ruhig etwas mehr die Zügel schießen lassen. Beide Solisten und Dr. Willy S a 1 o m o n , der als Begleiter des Violinkonzerts ausgezeichnet orchestrales Kolorit gab und den Gesängen feinfühlig folgte, ernteten lebhaften Dank. ' Ar. H. Kammermusik im Kulturbund Der ausgezeichnete Geiger und Musiker Stefan Frenke 1, der sich 1927 beim Fest der Internationalen Gesellschaft für Musik höchst ehrenvoll bei dem Frankfurter Publikum einführte, und Hans Wilhelm Steinberg haben sich schon öfter 'zu gemeinsamem Musizieren verbunden: Ihr Ensemble in einem Sonaten-Abend des Frankfurter Kul- Dr. jur. Julius Sonn Steueru. Rechtssachen Umwandlung von Aktienges. u. G. m. b. H.'s / Verträge Börsenstraße 2/4 — Tel. 22798 J turbundes erreichte auch diesmal hohes Niveau und fand die dankbare Anerkennung eines vom Programm gefesselten Zuhörerkreises. Es heißt Steinbergs ungemein kultiviertem Klavierspiel nicht zu nahe treten, wenn man ihm gelegentlich eine gewisse Zurückhaltung im Stärkegrad empfiehlt; das Forte der Geige kann — deren Natur nach — nicht mit dem des Tastinstrumentes Schritt halten. Die Neigung „con brio" zu spielen, führte in den Ecksätzen der Bee thovenschen Sonate op. 30, Nr. 2 (c moll) zu sehr — fast allzusehr — beflügelter Temponahme. Um so eindringlicher und schöner kam das wundervolle Adagio cantabile in seiner ganzen Gefühlsinnigkeit zum Ausdruck. Schumanns „zweite große Sonate in d-moll, op. 121", ein in den Konzertsälen merkwürdig vernachlässigtes Werk aus einem Guß, wurde ungemein frisch als lebenssprühendes Zeugnis gesunder Romantik gestaltet. Dem Geiger Stefan Frenkel, der stets auch für die ernste moderne Kunst eingetreten ist, hat der jüngst nach Amerika berufene österreichisch-jüdische Komponist Ernst T o c h eine interessante „Sonate op. 44" gewidmet, deren drei knapp gefaßte Sätze stark vom Rhythmus her bestimmt sind. Toch, dessen Klavierkonzert op. 38 den Haupterfolg des oben erwähnten Musikfestes bedeutete (sein zweites Klavierkonzert wird bekanntlich Heida Hermanns im Kulturbund zur deutschen Uraufführung bringen), stellt auch in dieser Sonate Anforderungen an den Hörer; aber seine Musik ist doch so innerlich bewegt, geistvoll und in jeder Weise lebendig, daß sie als Gewinn für den Konzertsaal gelten darf. Zumal, wenn ihr eine derartig blutvolle und ausgeglichene Wiedergabe zuteil wird, wie durch Frenkel und Steinberg. g. sch. Ein Chorkonzert Seit Dr. N. iE h r e n r e i c h vor etwa einem Jahre die „J ü d is c h e C h o r v e r e i n i g u n g" ins Leben gerufen hat, ist sie rasch zu einem bedeutsamen, allgemein geschätzten Faktor des jüdischen kulturellen Lebens unserer Stadt geworden. Die Befähigung zum Chordirigenten hatte Dr. Ehrenreich in vergangenen Zeiten an ungemein schwierigem Posten hervorragend bestätigt, als es ihm gelungen war, verschiedene Volkschöre (deren Mitglieder zum großen Teil nicht einmal Noten lesen konnten) zu bemerkenswerter Höhe heranzubilden. Diese fleißige und tüchtige Erziehungserfahrung kommt jetzt der „Jüdischen Chorvereinigung" zugute, und der Erfolg ist wieder ein trefflich diszipliniertes, in allen Teilen fein ausgewogenes, dabei aber doch frisch und ursprünglich bleibendes Musizieren. Die Vereinigung hat sich schon so nachdrücklich, für jüdische Tonschöpfungen eingesetzt, daß sie getrost auch einmal einjProgramm bringen durfte, in dem nur die dichterischen Vorlagen der Komponisten die Verbindung mit dem alten Testament wahrten. Man hörte zunächst ein etwa 300 Jahre altes, kleines Oratorium des berühmten Giacomo Carissimi „J e p h t a", das tiefe Empfindung in schlichten Formen äußert. Die gleiche innerlich belebte Wiedergabe, wie diesem Werk der italienischen Klassik, wurde zwei geistlichen Gesängen für gemischten Chor und Klavier von Schubert und dem 13. Psalm von B r a h m s (für dreistimmigen «Frauenchor und Klavier) zu Teil, Kompositionen, die durch die Erweiterung des musikalischen Ausdrucks dem Geschmack unserer Tage an sich leichter zugänglich sein mögen. Dr. Ehrenreich, der den Abend mit einer mächtigen Motette Bachs wirkungsvoll abschloß, hatte an seinem Chor wie dem „Kammerchor" willige, freudig folgende Helfer am Werk. Ebenso wies das Solisten-Quartett ausgezeichnet© Besetzung auf. Der schlanke, reizvolle (nur gelegentlich leicht nasal gefärbte) Sopran von Emmy Joseph zeigte sich ebenso kulti- Reparaturen in eig. Werkstätte Alle uBmod. Iren nehme Ich bei Henfcaiil In Zahlung S\ 3? TEU2537S C" Biebergaäse^