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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-12-01 · 4 (12.1934) · p. Seite 137

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
4 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 137 (sequence 15)
Language
German
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Seite 137 viert wie der warme, ebenmäßige Alt von Paula Levy. Max iL i p m a n n (Tenor) ist ein „bei eanto"-Sänger mit schönen Stimmmitteln, und das Fundament zu Chor und Einzelgesang gab der wuchtige sonore Baß Jänko Kaufmanns. Am Klavier liehen Herbert Fromm und Rudolf Döblin dem Ganzen kundige Unterstützung. — Das Konzert, das im Rahmen des Kulturbundes Bezirk Rhein-Main stattfand, hat viele Hörer in hohem Maße gefesselt und befriedigt; es bedeutete künstlerischen Gewinn und Erhebung. Der Beifall nach dem zu unvergleichlicher Wirkung gesteigerten Ba'ch'schen Chor galt den Sängern, Pianisten und dem Dirigenten gleichermaßen. g. sch. Konzert auf zwei Klavieren Alice R o s e n b a u m und Willy S a 1 o m o n hatten für ihren Abend auf zwei Klavieren ein interessantes Programm aufgestellt, dem ein zahlreich erschienenes Publikum mit Anteilnahme folgte. Man gewann von dem Zusaminenspiel der beiden Künstler einen vorzüglichen Eindruck; kleine, restliche Unebenheiten (Thema der Haydn-Variationen von Brahms!) werden durch weitere Zusammenarbeit ganz verschwinden. Die Passacaglia in d-moll von Hugo K a u n ist ein typisches Werk der neudeutschen 'Schule, dem man Genialität nicht wohl zuerkennen kann. Ein unplastisches, merkwürdig gestaltloses Thema wird mit gewohnten Steigerungen, tonaler Abwechslung und Schluß-Apotheose durchgeführt. Das Ganze hält sich — bei dankbarer Spielbarkeit — im Bereich des Handwerklichen. Als Uraufführung hörte man Variationen über ein eigenes, sanglich erfundenes Thema von Rosy Geiger-Kullmann, eine fesselnde Arbeit, aus Schumann-Brahmsischem Geist erwachsen, doch, durchaus eigener Haltung. Das Werk steckt voll guter, gesunder Einfälle, denen man manchmal allerdings eine breitere Entwicklung gönnen möchte. Der Aufbau ist klug disponiert, führt in allmählicher Loslösung 211 immer freieren Gestaltungen und wieder zurück zu engerer Anlehnung an das Thema. Ob einige Variationen, die nur einen Teil des Themas verarbeiten und daher eine starke Verkürzung erfahren, dem formalen Empfinden näherkommen, wird sich nur bei öfterem Hören entscheiden lassen. Die Walzer von Willy Salomon — sein vornehmes durchgeistigtes Klavierspiel bedarf hier keiner neuerlichen Bestätigung — bieten weit mehr, als der anspruchslose Titel verrät. Sie stellen eine außerordentlich reichhaltige und feine Arbeit dar, die mit überlegenem Können und geläutertem Empfinden für klavieristischen Satz geschrieben ist. Der Dreivierteltakt wird Gerüst für eine phantasievoll sich ausbreitende Romantik, das Raffinement des Rosenkavalierkomponisten ersteht in eigenartiger, persönlicher Umwandlung. Es wäre zu wünschen, daß der Komponist sich zu einer Umarbeitung für Orchester entschließt, um dem Werk die ihm gebührende breitere Wirkungsmöglichkeit zu sichern. In zwei Stücken von Schubert und C. M. v. Weber ließ sich Alice R 0 s e n b a u m als Solistin hören. Der rühmlich sparsame Pedalgebrauch brachte ihre geschliffene Technik vorteilhaft zur Wirkunsr. Doch wäre gelegentlich dem Anschlag noch etwas mehr Fülle im wünschen. H. F. Jeremias Der Kulturbund deutscher Juden, Bezirk Rhein/Main begann die Einlösung seines programmatischen Versprechens, auch Werke der Schauspielkunst zur Aufführung zu bringen, mit einer Einstudierung von Stefan Zweigs Jeremias. Er ist damit dem Beispiel des Berliner Kulturbundes gefolgt, der das Zweigsche Werk vor wenigen Wochen zur Aufführung brachte. Was in Berlin als schauspielerischer Erfolg von Publikum und Presse anerkannt wurde, ist in Frankfurt ausgeblieben: die wirklich dramatische Gestaltung der Dichtung, deren Bühnenwirksamkeit von vornherein fraglich sein mußte, und die nur ein höchsten Ansprüchen genügendes Ensemble hätte sichern können. Im großen Saal des Saalbaus hatte sich ein Publikum eingefunden, dem die Erwartung und die Aufnahmewilligkeit in einer ergreifenden Weise abzulesen war. Das Bedürfnis nach jüdischen Stoffen scheint in allen Schichten unserer Gemeinde zu bestehen, das Fehlen einer jüdischen Theaterkunst in allen Kreisen empfunden zu werden. Deshalb verdient die Absicht des Kulturbundes, jüdisches Theater zu vermitteln, Dank und alle Unterstützung. Ist es aber richtig, so möchte man angesichts der Jeremias- Aufführung fragen, diese Tätigkeit mit einem Werk^ eröffnen, dessen dichterische Herrlichkeit und dessen jüdisches Ethos so bühhenscbwierig, ja im Grunde so theaterfern ist? War es richtig, Mühe und Mittel, Arbeit und Begeisterung auf eine Dichtung zu konzentrieren, deren Wirksamkeit durch die Ungunst des Saales und die Besetzungsschwierigkeiten noch mehr in Frage gestellt war? Entscheidend kann nicht sein, mit welchem sichtbaren Aufwand von Mühe und Hingebung, mit welchem Opfer an durchprobten Nächten ein Werk zur Aufführung kommt — einzig und allein derErfolg rechtfertigt den Aufwand. Wir sind betrübt, feststellen zu müssen: Der Aufwand wurde nicht gerechtfertigt. Die Regie Leopold Sachses hat, unterstützt durch die außerordentlich geschickten Bühnenbauten Alfred Oppenheims, das Saalbaupodium zum Bühnenraum gestaltet und durch Streichungen und Gruppierungen der Dichtung zu vielen wirksamen Momenten verholfen. Der Spreehchor, dem Franz Oppenheimer eine kluge künstlerische Erziehung zu teil werden ließ, hat die besonders schwierigen Aufgaben, die ihm zufallen, mit großem Erfolge durchgeführt. Dieser Erfolg beruht nicht nur auf der zu künstlerischer Größe emporgewachsenen Laienarbeit, sondern auf der absolut vollwertigen sprachlichen und bewegungsmäßigen Bewältigung der Chorpartien. Wenn Sprechchöre leicht der Gefahr erliegen, monoton zu werden, zu schreien oder zu leiern — Franz Oppenheimer gelang es, seinen Sprechchor vor diesen Gefahren zu bewahren und ihm die verlockende Aufgabe mit vollem Gelingen zu übertragen. Franz Oppenheimer als temperamentvollem, der Leidenschaft und der Besinnung zugänglichem B a r u c h verdankt die Jeremias- Aufführung einen großen Teil ihrer Wirkung. Er und Ben Spanier, in der Rolle des Königs Zedekia, waren die eigentlichen schauspielerischen Garanten der Aufführung. Ben Spaniers gepflegte Sprechkunst, die Hoheit seiner Erscheinung, die psychologische Gestaltungsfähigkeit, die er der Rolle des unsicheren, aber starren Königs verlieh, machten sein Auftreten zu Brennpunkten des Spiels. Nach dem Bilde „Stimmen um Mitternacht", als Zedekia und Baruch in Rede und Gegenrede die Spannung des Geschehens zum Höhepunkte führen, ist aus dem „Jeremias" ein „Zedekia und Baruch" geworden. In dieser Verschiebung der Gewichte lag zugleich das Schicksal der Hauptrolle: Der geschickte Regisseur Leopold Sachse war kein Jeremias. Abgesehen von stimmlicher Indisposition litt seine Leistung an einer allzu pathetischen, allzu gestikulierenden, sich oft überschlagenden Interpretation. Dieser Jeremias hatte keine Gesichte, sondern Zustände, keine Ekstase, sondern Pathos. Von ihm strahlte nicht Gewißheit und Gläubigkeit, sondern Besessenheit und Suggestion aus. Die ungeheuer schwierige gedächtnismäßige Bewältigung der Rolle, die schauspielerische Hingabe an ihre Deutung flößten hohe Achtung ein. In der Darstellung der Mutter (Mela Kennedy) konnte man nur schwer die Erfüllung der Vorstellungen, die die Lektüre des Jeremias von der Mutter des Propheten erweckt, finden. Eine Reihe Frankfurter Schauspieler, zumeist Schüler des verdienstvollen Alfred Auerbach, betätigten sich mit beachtlichem Können und beglückender Spielfreudigkeit in den zum Teil recht anspruchsvollen Rollen. Wir erwähnen mit besonderem Hinweis die Herren Rudolf Ganz und Hans Assenheim, sowie Ludwig Neugaß, Bernhard Horkheimer, Helmut Metzger, Jakob Neubauer, Erich Lehmann, Hugo Bermann, Wolf gang Hirschberg, Zascha Berger, Karl Ritter, Eduard Schreiber, Manfred Hamburger und die Damen Sophie Seligmann, Marietta Lupescu, Herta Marx und Ilse Joseph. Sie alle gaben ihr Bestes, um einen Stein heben zu helfen, — der zu schwer war. Ghr. Orchesterkonzert des Kulturbundes Milhaud — Haydn — Mendelssohn Die dankenswerten Bemühungen Steinbergs um die Musik jüdischer Autoren brachte uns im 2. Konzert des Kulturbund- Orchesters ein typisches Werk der jung-französischen Schule, die Serenade von Darius Milhaud. Dieser jetzt 44jährige Komponist, eine der führenden Persönlichkeiten der neuen französischen Kunst, hat sich stets rückhaltslos im Leben und im Schaffen für sein Judentum eingesetzt. Er besitzt also besonderes Anrecht darauf, in unserem Kreise gehört zu werden. Die Serenade, eine mit modernen Ausdrucksmitteln gefertigte Imitation der klassischen Ständchenmusik, gewinnt ihren besonderen Reiz durch die knappe, schlagfertige Formulierung des thematischen Materials. Die polytonalen Kühnheiten — melodische Linien in verschiedenen Tonarten erscheinen gleichzeitig — sind in echt ((ctoab DER MANTEL nach Ihrem Mass, in rrm"ss"oNnKTroNi Ber,ineri M<;fe,,-!'on^ft!!"' ^»jj f|i| liu'iji.i.i.»fll'B aus reinwollenen Stoffen, mit Anproben ab RM. 77.—

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