Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 4 (12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 134 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 134 geben. Sie nennt sich: „Die Heilige Schrift, neu ins deutsche übertragen"'.*) Bisher liegt der 1. Band vor, die Thora, das „Fünfbuch", übersetzt von Hermann Schreiber. Die Anregung zu diesem Werk gab vor 30 Jahren der Rabbiner der Berliner Gemeinde, Prof. Dr. Siegmund Maybaum. Aber erst vor 10 Jahren hat der Vorstand seiner Gemeinde eine Kommission zur Vorbereitung und Durchführung der Arbeit eingesetzt. Die Bearbeitung der einzelnen biblischen Bücher und Büchergruppen wurde an Fachmänner — mit Ausnahme des Herausgebers, dem der Löwenanteil an der Arbeit zufiel, und eines anderen Gelehrten durchweg Rabbiner, darunter zwei Frankfurter Rabbiner — übertragen. Die einheitliche und tiefgreifende Redaktion hat' der bedeutendste jüdische Hebraist und Bibelforscher unserer Zeit Harry Torcxyn e r. bis vor kurzem Dozent an der Lehranstalt für die Wissensehaft des Judentums in Berlin,.jetzt Professor an der Universität Jerusalem, übernommen .und im Laufe eines Jahrzehnts durchgeführt. Wie mühevoll und entsagungsreich diese Arbeit, noch dazu für einen bibelkritisch eingestellten Gelehrten war, davon kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß es galt, die Uebersetzungen der verschiedenen Uebersetzer nicht nur im einzelnen zu berichtigen, sondern auch zu einem möglichst einheitlichen Ganzen zu formen, wie es bei allen Gegensätzen die Bibel doch ist. In einem Geleitwort legt Torczyner in gedrängter Kürze die Absicht dar, von der die Bibelübertragung gelenkt wurde. Sie will ,.die jüdische Bibel so wiedergeben, wie sie durch Jahrtausende im Judentum lebendig und geheiligt gewesen ist. Sie ist daher bemüht, soweit dies möglich ist, den überlieferten hebräischen Text mit letzter Treue -zu übertragen, aucli da. wo er uns dunkel und schwierig erscheint___ ßo schwierig es auch war, an dem Satzbau und Erzählungsstil des Hebräischen der Bibel festzuhalten, so war es doch unser Streben, in der Uebertragung den Charakter des Grundtextes zu möglichst reinem Ausdruck kommen zu lassen." Es versteht sich, daß es nicht ihr Ziel sein kann, die hebräische Bibel zu ersetzen, „sondern an ihren Inhalt, ihren Sinn und ihre Schönheit heranzuführen---- Die Treue zum Text verpflichtet zur Wahrung des ihm eigenen Stilcharakters. Darum sind wir bemüht gewesen, erzählende Teile der Bibel in der ihnen gemäßen Schlichtheit wiederzugeben. Bei den rhetorischen oder poetischen Teilen betrachten wir es als Aufgabe, mit den Mitteln der deutschen Sprache eine möglichst gleiche Stilhaltung zu erreichen." Das Fünfbuch, das vorliegt, ermöglicht durch sein eigentümliches Miteinander von erzählender Prosa, von Gebot und Gesetz, Spruch und Lied, einen guten Einblick in das, was der Uebersetzer, bezw. der Herausgeber von seinen Absichten erreicht hat. Die einzelnen Bücher sind nach ihren hebräischen Bezeichnungen (in sefardischer Aussprache) mit lateinischen Buchstaben wiedergegeben und unter Zuhilfenahme der üblichen griechisch-lateinischen Namen frei übersetzt: Anfänge, Auszug, Priestertum, Wüstenzug, Rückblick, Die Eigennamen im Text erscheinen in einer Umschrift, die der hebräischen Schreibung nahekommt: Esaw (Esau), Ribka {Rebekka), Jisrael, Mizräer. Die Angabe der Kapitel und Verse für jede Seite findet sich an dem oberen Rand, die Verszahlen am Rande des Textes, während das Versende selbst durch ein Sternchen, der Abschnitt durch einen Punkt kenntlich gemacht ist. Diese Anordnung und ganz besonders die Gliederung des Textes in Sinn- und Formaibschnitte, in prosaische und poetische, erleichtert wesentlich die Lektüre, weil sie unnütze Unterbrechungen vermeidet und notwendige Ruhepausen schafft. Inhaltlich hat die Uebersetzung von Schreiber im Negativen wie im Positiven von allen ihren Vorgängerinnen Nutzen gezogen, auch der Einfluß der Buber-Rosenzweig'schen auf die Wortwahl ist unverkennbar. (Schade, daß der ungemein gedanken- und aufschlußreiche Kommentar zur Genesis von B. Jakob hierfür zu spät kam!). Es entspricht dem Charakter dieser „Laienbibel!", daß sie den Rhythmus der biblischen Prosa nicht wie die Buber'sche im Druck hervorhebt, sondern nur die als Poesie erkennbaren Teile. Aber der Rhythmus der sechs Schöpfungstage hätte doch, in der Form von Sinnabschnitten sichtbar — hörbar gemacht werden dürfen, wie das Original es tut. Ob für das schwierige ohel moed, as Luther mit „Stiftshütte", Neuere mit „Offenbarungszelt" übersetzen, „Erscheinungszelt", ein glücklicherer Ausdruck ist als Bubers „Zelt der Gegenwart", ist zu bezweifeln. Zweifellos aber ist die Wiedergalbe des herrlichen Gotteswortes: „es werde Licht!" mit „es werde hell!" ein Mißgriff. Auch mit der Aenderung des anderen Gotteswortes: „Ich werde alle meine Schöne (statt: Güte) an dir vorüberziehen lassen (n Mose 33, 19) können wir uns nicht einverstanden erklären. Weshalb sind die Tfillin statt zum Zeichen zur „Marke an deiner Hand" geworden? (V Mose 6, 3), warum die Höhen der Feinde, auf die das gottbefreite Volk treten soll, zu deren „Leichen"? (V Mose 33, 29). Sind „deine Heime Jisrael", wirklich schöner oder richtiger als deine Wohnungen? {TV Mose 24, 5). Und es ist weit mehr als ein sprachliches Bedenken, das wir gegen die Uebersetzung von nabi, gewöhnlich „Prophet", mit „Begeisterten" erheben (V Mose 34, 10). Sollten wir hier nicht dankbar Bu'bers „Künder" annehmen? Wiederum ist zu begrüßen, daß es bei dem schon sprichwörtlichen: „Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Ewige" (HI Mose 19, 18) gegen Bubers: „Halte lieb deinen Genossen, dir gleich. Ich bin's" geblieben ist. Um von dem anderen Kernsatz der Thora zu reden, so ist nicht einzusehen, weshalb im „Höre Israel" es deutscher sein soll: „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deiner ganzen Kraft" zu sagen, da doch im hebräischen das „dein" gleicherweise bei allen drei Hauptworten steht (V Mose 6, 5). Unverständlich bleibt, warum bei gleichem Grundtext im 2. Bundeswort Gott einmal „Liebe erweist tausenden (Geschlechtern)" (II Möse 20, . 6) -- eine überzeugende Verbesserung der üblichen Uebersetzung! — während er das andere Mal eben doch „Liebe erweist bis ins tausendste Geschlecht" (V Mose 5, 10). Auch dürften gewisse Formen zwar dem hebräischen, nicht aber dem deutschen Sprachgefühl gerecht werden, etwa: „Jakob ... nachtete daselbst" (I Mose 28, 11) oder „fürchte nicht vor ihnen" (V Mose 7, 18), während , bald darauf (V. 21) richtig: ängstige dich nicht vor ihnen". Aber was wollen solche kleinen Ausstellungen, die nur Fragen sein können an einen, der doch nach reiflicher Ueberlegung und mit guten Gründen sich eben für dieses Wort und diese Wendung entschieden hat, gegenüber den Aufschlüssen bedeuten über manche dunkle Stelle (z. B. I Mose TV, 7) und gegenüber ungezählten, vortrefflich gelungenen „Wort-Entsprechungen" in den prosaischen und ganz besonders in den poetischen Stücken der Thora., in den eingestreuten Sprüchen, dem Schilfmeerlied, dem Segen Jakobs, dem letzten Lied und dem Segen Moses? Nach einem geistvollen Worte Franz Rosenzweigs heißt „übersetzen zwei Herren dienen. Also kann es niemand. Also ist es wie alles, was theoretisch niemand kann, praktisch jedermanns Aufgabe". Nur freilich ist nicht jeder zum Uebersetzer der Bibel berufen. Der hebräischen Sprache Raum zu lassen (Luther) und der deutschen zugleich ihr Recht einzuräumen wird von ihm verlangt. Welches Wissen, welches Verständnis, welches Sprachgefühl, welcher Glaube und welche Demut gehören dazu! Bei der vorliegenden - Uebersetzung spüren wir von alledem ein hohes Maß. Sie hält sich DEUTSCHE EFFECTEN*UND WECHSEUBANK vormals L. A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seit 1872 Konstabier Wache Vi»ami#em»t'am maim Aucn in den Städten: Allerheiligenstrasse 89 PRANlirUKI AM rl A I N Osthafen Kaiserstrasse 30 "ft**?' 1' Hanauerlandstrasse 125 Dalbergstrasse 3 Bockenheim ■ j ■ « j ii n i Offenbach a. M. Leipzigerstrasse 50 I fl O I V I fl II e I I 6 Beratung IFrankfurterstrasse 54