Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 4 (12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 131 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 131 tatkräftige Unterstützung weiter jüdischer Kreise bewältigt werden kann. Neben den Hilfsmöglichkeiten der Darlehenskassen und der Wirtschaftshilfsstellen stehen noch die großen Aufgaben der Wohlfahrtspflege, die auf der Tagung ausführlich besprochen wurden. Vor allem wurden Mitteilungen über die iro. Gang befindliche interne Sammlung für Hilfe und Aufbau und die Beteiligung am Winterhilfswerk gemacht, sowie über die Unterstützungen der jüdischen Wohlfahrtspflege und deren Verhältnis zur öffentlichen Fürsorge. Der Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiet der ß e - rufsum Schichtung und deren künftige Ausgestaltung bildete den Gegenstand der Nachmittagsaussprache. Der Vertreter der Zentralstelle gab Auskunft über die Gründe der in der letzten Zeit aufgetretenen Hindernisse der Berufsumschichtung und stellte in Aussicht, daß in Kürze die aufgetauchten Schwierigkeiten behoben werden. Jedenfallls steht schon jetzt fest, daß die übernommenen Verpflichtungen unter allen Umständen erfüllt werden können und die jetzt in Umschichtung Stehenden ihre Ausbildung vollenden können. Zur ausführlichen Erörterung kamen vor allem die pädagogischen Fragen, besonders die der Führung der Uraschichtlerheime (Bathe Chaluz). Die auf der Tagung anwesenden Vertreter der Jugendbünde stellten die Forderung auf, ihre bündischen Einrichtungen vollkommen selbständig zu verwalten. Hierüber entspann sich eine lebhafte Auseinandersetzung, die durch die Erklärung des Berliner Vertreters beendet wurde, daß die Selbstverwaltung der Bathe Ch a 1 u z weitgehend gewährleistet werden solle, daß aber für die Wirtschaftsführung eine Anleitung und Instruktion erforderlich sei. Das Schicksal derer, die ihre Berufsumschichtungszeit beendet haben, die Aussichten für Handwerker und Landwirte in Palästina und Deutschland wurden beleuchtet, auch die B e - dingungen der Zertifikatserteilung eingehend besprochen. Für die Erstausbildung kommen im nächsten Jahr voraussichtlieh etwa 7500 schulentlassene Jugendliche in Frage, von denen man annimmt, daß ein Drittel in die kaufmännische Lehre eintreten wird. Die übrigbleibenden 5000 werden etwa zur Hälfte in ihrer Berufsausbildung aus öffentlichen j Li d i s c h en Mitteln gefördert werden müssen. Die liierfür notwendigen großen Beträge werden, wie bestimmt in Aussicht gestellt wurde, wieder aufgebracht werden; doch ist auch hier die Mithilfe jedes einzelnen Juden in Deutschland nicht zu entbehren. Die berufliche Zukunft unserer Jugend wird für die nächste Zeit im Mittelpunkt des Interesses unserer verantwortungsbewußten Persönlichkeiten stehen. Wenn auch bei der Durchführung des Umschichtungswerks eine noch größere Sparsamkeit als bisher wird herrschen müssen, so kann man doch auf Grund der Offenbaeher Arbeitstagung die feste Hoffnung hegen, daß das begonnene Werk mit neuen Methoden und Verbesserungen weitergeführt werden kann. Dr. E. Stahl 130 Jahre Philanthropin Auftakt zur Pädagogischen Woche des Philanthropins Die Wochen intensiver Vorbereitung, die Mühen organisatorischer Planung sind nicht vergeblich gewesen: Die Zahl der Gäste, die sich zur Eröffnung der Pädagogischen Woche des Philanthropins aus allen Teilen des Eeiches eingefunden haben, ist erstaunlich groß. Es ist nicht das gewohnte Bild eines Kongresses, das sich hier bietet. Die ernsten Männer und Frauen aus allen pädagogischen Disziplinen, die hier zusammen gekommen sind, haben in besonderem Maße das Bedürfnis, nach Aussprache und Klärung. Es gibt kein Gremium ,vor dem über Fragen der jüdischen Schule in Deutschland bisher Erfahrungen ausgetauscht werden könnten. Das Zusammentreffen führender Schulmänner, aller Sparten der jüdischen Schulen zu einer praktisch-pädagogischen Woche in Frankfurt am Main wird deshalb für die künftige Gestaltung der jüdischen Schule in Deutschland nachwirkend sein. Diese Bedeutung der Veranstaltung kam im Besuche der Eröffnungsfeier am Sonntag, den .24. November, im Festsaal des Philanthropins durch die Anwesenheit von Vertretern der prominenten Organisationen der deutschen Judenheit zur Geltung. Oberstudiendirektor Dr. Otto D r i e s e n , von dem die Anregung zur Pädagogischen Woche und ihre Durchführung initiiert ist, konnte neben dem Vertreter der Eeichsvertretung Ministerialrat a. D. Hirsch, die Vorsitzenden der Landesverbände der jüdischen Gemeinden-von Preußen, Bayern, Württemberg, Baden und Hessen begrüßen. Der Präsident der Eeichsvertretung, Eabbiner B a e c k, betonte in einer Botschaft die Bedeutung der Pädagogischen Woche und ihre Durchführung. Nachdem Dr. Driesen den Sinn der Woche erläutert hatte, ergriff Sanitätsrat Dr. Ettlinger das Wort, um im Namen des Schulrats von den Aufgaben der Schule zu sprechen. Der Vorsitzende des Vorstands der Israelitischen Gemeinde, Justizrat Dr. Blau erneuerte das Bekenntnis der Gemeinde zu ihrer Schule und versicherte auch für die Zukunft die treue Fürsorge der Gemeinde für dieses von ihr hochgehaltene Institut. Ministerialrat Hirsch rief der Tagung das „Sinn auf!" aus Wilhelm Meisters pädagogischer Provinz zu, Eektor Stern überbrachte die Grüße des Eeichsverbands jüdischer Lehrer und Lehrerinnen und der Berliner Schulen. Chöre unter Leitung von Studienrat Frank Rothschild rahmten die Feier ein. Als erste praktische Arbeitsleistung ist zunächst das Referat von Dr. Siegmund Hirsch zu verzeichnen: „Der Geist des Philanthropins im Lichte der Schriften seiner Lehrer". Die Ausführungen Dr. Hirschs stellten eine Synthese der großen geistigen Leistungen dar, die von Franz Joseph Molitor über Jost und Geiger bis Kracauer im Eahmen des Philanthropins entstanden. Das kurze Eeferat wird als geistvoller Beitrag zur Geschichte des jüdischen Anteils in der Wissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts seinen Platz behaupten. Wir möchten schon heute dem Wunsche Ausdruck geben, daß dieses ebenso gelehrte, wie scharf formulierte Werk eigener geistiger Arbeit durch den Druck vor der Vergessenheit bewahrt werde. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem von verschiedenen Seiten die Bedeutung der Veranstaltungen beleuchtet wurde, trat der Eeichsverband der Landesvereine jüdischer Lehrer zu einer Arbeitssitzung zusammen. Der Sonntagabend war durch einen Kunstabend ausgefüllt „Jüdisches Erleben in deutschem Kulturkreis". Neben den Chören - des Philanthropins wirkten Bettina Feitier, Hans Assenheim, Herbert Fromm, Alfred und Evelyn Auerbach mit. Nicht nur in der Programmgestaltung, auch in der künstlerischen Durchfuhrung der Vortragsfolge ist dabei Erstaunliches geleistet worden. Neben den begeistert aufgenommenen Kompositionen Herbert Fromms, sei besonders die rezitatorische Leistung Alfred Auerbachs hervorgehoben. Am Montag begannen die Unterrichtsproben. Hiervon und von den zahlreichen, überaus sehenswerten Ausstellungen soll in einer zusammenfassenden Darstellung nach Abschluß der Pädagogischen Woche gesprochen werden. Ghr. < Neu eröffnet %fi Goethe-Kaffee-Restaurant Inh. Herbert Kallmann Zeil 97 Fernsprecher 21713 Das Kaffee mit dem gutgeleiteten Restaurationsbetrieb Spezlalautschank: Bay. Schwanen Export>Br8u