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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-12-01 · 4 (12.1934) · p. Seite 129

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
4 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
Seite 129 (sequence 7)
Language
German
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Seite 129 durchglüht von dem Glauben an die kosmische Existenz des Menschen. („Fast huldige ich dem Glauben, dem Welt-Stoff sei ebensosehr eine ewige Sehnsucht nach Verschmelzung mit dem Welt-Ich immanent, als umgekehrt. Der Künstler brauche daher nur seine Arme zu öffnen.") Diese Sehnsucht nach Verschmelzung zwischen „Welt-Stoff" und „Welt-Ich" ist der Inhalt des Mombertschen Werkes. Schon die beiden ersten Bücher „Tag und Nacht" (1894) und besonders „Der Glühende" (1896) enthalten vollgültige Zeugnisse eines großen, umfassenden Dichtergeistes. Die „Schöpfung" (1897) — sicher eines der kühnsten Bücher der Menschheit — stößt endgültig zu den höchsten Bezirken des Geistes vor. Der Mensch schafft die Welt aus sich heraus neu — „die einst im Inneren gebrannt, die Glut I ist in den dunklen Raum hinaüsgeflossen. / Also entstanden Sonne, Mond und Sterne." Er erlebt an sich selber Schmerz und Triumph der Welt-Geburt. Die nun folgenden Gedicht-Werke „Der Denker", „Blüte des Chaos", „Held der Erde", „Atair" machen den Menschen die im titanischen Bingen neu eroberte Welt Untertan. Der Mensch wird von Gott ersehnter Erbe, Inbegriff des Alls. — Die Dramatische Trüogie „Aeon" stellt den Typ eines neuen^ Geschichte und Menschendasein umspannenden mythischen Dramas auf. Die beiden „Aigla"-Dramen gestalten die kultische Idee der Herabkunft des Ewig-Göttlichen auf die Erde und Errichtung eines Heiligtums als Wohnsitz der Göttin Aigla. (Besonders „Aiglas Tempel" wäre als großes, allgemeingültiges Msnschheits-Festspiel sehr wohl für eine feierliche Bühnen-Darstellung zu denken.) — Momberts Werk ragt weit über das Nur-Poetische hinaus. Es ist die Welt-Schau eines mystisch ergriffenen Sehers, der sich einer wunderbaren und oft geheimnisvollen Bildersprache bedient. Nie war Dichtung so sehr „Ton-Geburt". Wer mit kühlem Intellekt sich nähern will, wird an vielen Stellen Hieroglyphisch-Unverständliches' finden. Wie Musik Wendet sich Momberts Dichtung nicht an den Verstand. Sie nimmt den Willigen-in ihren kosmischen Wellenschlag auf und. zeigt die Welt in letzten, klärenden Sinnbildern. Mombert hat der Sprache ihren heiligen Sinn zurückgegeben: Er denkt nicht in Begriffen, seine Rede ist orphisches Ur-Wort Jede Erklärung bleibt unzulänglich vor dem geheimnisvollen Maß des Dichterwortes, das in Laut und Rhythmus schon Alles enthält Höhen-Klang großer Dichtung umfängt uns. Das Ungewohnt-Neuartige der Sprache mit ihrem oft mächtig überflutenden Rhythmus mag den Zugang zum Werk erschweren. Nur wer sich ganz dem glühenden Gedicht hingibt, wird seine Offenbarung haben. Das Jüdische im enteren Sinn spielt — trotz vereinzelter Hinweise — keine ausschlaggebende Rolle in Momberts Werken. Dagegen ist das leidenschaftliche und produktive Neu-Erleben der alten Kulturen des Ostens nur aus dem jüdischen Blut des Dichters zu erklären, der auch mit führenden Persönlichkeiten des modernen jüdischen Geistesleben in Verbindung steht. — Es nimmt kaum Wunder, daß ein Dichter, der alles Modisch- Zeitgebundene hinter sich zurückgelassen hat, sein Leben in fast sagenhafter Einsamkeit zubringt und vorerst nur von Wenigen verstanden und geliebt wird. Gewiß, der von ihm geschaffene Mythos ist subjektiver Natur — aber wir müssen Hans Carossa recht geben, der da meint, daß, wenn diese Stimme durch Jahrhunderte her zu uns käme, jeder den Kühnen bewundern würde, der einmal einen solchen Weg zu beschreiten gewagt hat. Wir bangen nicht um ihn, denn sein Wort ist gesprochen. „Menschenfern ruht es in dauernder Schrift Kommen wird eine Zeit, der wird es leuchten. Kommen wird das Geschlecht, das wird es heiligen." Aus der sozialen Arbeit unserer Gemeinde Das neue Wohlfahrtszentrum in der Königswarterstrafie Das Haus Königswarterstraße 26, das ehemalige Königswarter- Hospital, war im Jahre 1914 nach Eröffnung des neuen Gemeindekrankenhauses der Stadtgemeinde Frankfurt a. M. überlassen worden, die es zunächst als Krankenhaus, später für andere, behördliche, Zwecke verwandte. Nachdem im Juli 1931 die Stadt die Räume nicht weiter in Anspruch nahm, blieb das Haus fast unbenutzt M Herbst 1931 konnte die Jüdische Toynbeehalle — die jetzige Arnold Lazarus- Halle — in dem Gebäude neu zur Tätigkeit gelangen und auch für die jüdische erwerbslose Jugend wurde hier ein Tagesheim eingerichtet Im Herbst 1933 wurden vorübergehend Anlernwerkstätten' für Schlosser und später für Schreiher eröffnet und einige Räume des Hauses den Juforderte eine strenge Gruppierung innerhalb der einzelnen Stockwerke und Flügel des Gebäudes. Die bestehende Anlage der Treppenhäuser und Zugänge ließ das Gebäude für den gedachten Zweck besonders geeignet erscheinen. Nach vorheriger Beratung mit den einzelnen unterzubringenden Institutionen wurde eine Anzahl von Räumen durch Teilung und Vergrößerung so umgestaltet, daß eine möglichst praktische Abwicklung des Geschäftsverkehrs gesichert ist Dem Arbeitsvorgang folgend, sei die Schilderung des Hauses im IL Obergeschoß begonnen. Hier ist außer der Hausmeisterwohnung ein Wohnheim für Berufsumschichtler untergebracht Es umfaßt acht helle luftige Schlafräume mit 2 Vis 6 Betten, 2 Arbeits- und Leinazimmer und phot. Edith Oestreidter Unsere Bilder zeigen Front und Blick in Arbeitsräume des durch Architekt Ernst Schragenheim umgebauten Hauses Königswarierstrasse 26 in dem die Wohtfahrtselnrichtungen der Gemeinde untergebracht sind., . gendvereinen zur Verfügung gestellt. Im März 1934 wurde zunächst vorübergehend die Jüdische Notstandsküche in einem Seitentrakt des Gebäudes untergebracht *3 Mitte Juli wurde von den Gemeindebehörden der Beschluß gefaßt, nunmehr das' ganze Gebäude in Benutzung zu nehmen und in ihm ein , Zentrum jüdischer Wohlfahrtspflege erstehen lassen. Zu diesem-Zwecke war es notwendig, neben der Erneuerung des Daches umfangreiche . Instandsetzungsarbeiten im Innern und bauliche Veränderungen vorzunehmen. Die Verschiedenartigkeit der einzelnen im Hause unterzubringenden Institutionen und die Abgrenzung ihrer Arbeitsgebiete ereinen ca. 60 qm großen Saal als Speise- und Versammlungsraum. Außerdem wurden ein Waschraum mit Duschen, ein besonderer Waschraum für Mädchen und zwei Küchen eingerichtet. Nächst der westlichen Seitentreppe befinden sich mit abgeteilten Zugang die beiden Geschäftsräume des Provinzialverbandes für die Jüdische Wohlfahrtspflege. Im I. Obergeschoß, und zwar auf der Ost-Hälfte, ist, von dem breiten luftigen Haupttreppenhaus aus zugänglich, die „Jüdische Wohlfahrtspflege" (früher Hans Handwerkstraße SO) untergebracht Die einzelnen, dem Publikumaverkehr und den Büro-

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