Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 3 (11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 117 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 117 Die Voraussetzung für das Teilnehmen am öffentlichen Leben Palästinas ist die hebräische Sprache. Daher wird von jedem Einzelnen ein intensives Lernen des Hebräischen gefordert. — Weiter erstreben -wir eine Vertiefung in die jüdischen Wissensgebiete, um eine engere Beziehung zu den zum Teil verlorengegangenen Werten der jüdischen Kultur zu gewinnen. Demnach sind es drei Faktoren, die das Leben im Beth Chaluz bestimmen: Arbeit, Lernen, Gemeinschaft. — Die Arbeit hat in einem Beth Chaluz eine andere Bedeutung als in einem Land- Kibbuz. Hier ist es nicht die Arbeit in der eigenen Wirtschaft, an der alle interessiert sind; die Leute gehen tagsüber auf Außenarbeit, das Gemeinschaftsleben beginnt erst, wenn sie abends nach beendeter Arbeit zusammenkommen. — Die Gestaltung der Freizeit, besonders am Schabbat, ist eine wesentliche Aufgabe im Beth Chaluz. Hier zeigen sich die Werte der Gemeinschaft — schwer und schön ist diese Aufgabe. Schwer, weil man onne jede Voraussetzung da herangeht; es gibt keine feste Form, immer ist es abhängig von den Menschen, die da zufällig zusammenkommen; es hängt von der bisherigen Erziehung der Menschen ab, ob sie vorher im Bund waren oder aus welchem Milieu sie kommen, vom Altersunterschied, von der Einstellungsfähigkeit auf andere, die der Einzelne mitbringt. Schön ist das Bemühen um die Gestaltung der Gemeinschaft, da hier der Einzelne schöpferisch sein kann. Außer dem individuellen Charakter, den jedes Beth Chaluz hat, besteht eine Gemeinschaft aller Bathe Chaluz des In- und Auslandes. Es ist der gleiche Geist, der hier bestimmt vom gleichen Ziel in den verschiedenen Zentren winksam ist. Daher kommt es, daß wenn einer von uns in ein andres Zentrum kommt, er sich schnell einlebt; man singt die gleichen Lieder, hat ähnliche Diskussionen. Die Bedeutung des Beth Chaluz liegt in seinem erzieherischen Wert. Die sinnvolle Hachscbarah kann nur im Beth Chaluz geschehen. Einzelhachscharah ist ein Ausweg, kein Ersatz. Eine Chaluza Wir haben im Frühjahr eine Rundfrage unter den Jugendbänien nach ihren Arbeitszielen veranstaltet. Als Nachtrag zu den darauf eingegangenen Antworten bringen wir heute die beiden nachfolgenden Darstellungen. Bund deutsch^üdischer Jugend „Bereitschaft" unser Gruß! Bereitschaft zum Leben als Juden im deutschen Lebensraum. Judentum ist für uns in seinem. Wesen Religion. Die Aufgabe, die wir erfüllen wollen, Jude zu sein. Immer bewußt, daß wir nicht nur Juden werden können, denn das Vaterland, in dem wir leben, ist Deutschland. Schwer und verantwortungsvoll ist der Weg des Bundes. 'Endziel aller Arbeiten ein neues Geschlecht von Juden. Ein Geschlecht, bewußt seines Wertes, gewachsen im harten Ringen mit der Zeit. Deutscher Boden ist es, der die Gräber unserer Väter birgt, deutscher Boden hat uns gebildet. Menschen werden es sein, die aufrecht und stolz stehen, denn sie haben einen Halt. Das Judentum ist wesentlicher Bestandteil ihres Seins. Nur bündische Erziehung der jungen Menschen führt ans Ziel, weil sie Gemeinschaftserziehung ist. Der Einzelne gilt nur als Glied der Kette, als Teil des Rings. Unser Symbol darum: Weißer Ring auf schwarzem Grund! Und wie ist die Arbeit? Gemeinschaft kann nur eine Gruppe bilden; deswegen sind unsere Jungens und Mädels nach Altersgruppen eingeteilt. Umfaßt wird die Attersstufe zwischen 10 und 18 Jahren. Die Arbeit innerhalb der einzelnen Gruppen gliedert sich in 1. Heimnachmittag, 2. Basteln und 3. Fahrt. Der Heimmchmittag gilt vor allem der geistigen Heranbildung, besonders der jüdischen Arbeit. Das Basteln dient zur Ausbildung der Handfertigkeit, also als Gegengewicht zum Geistigen. Auf der Fahrt (im Rahmen der gesetzlich erlassenen Bestimmungen) bilden wir unsere Jungens zu Menschen, die Iernenjj auf sieh selbst gestellt zu sein. So erzieht der Bund Deutsch-jüdischer Jugend Jungens und Mädels, die dereinst dem deutschen Judentum wertvolle Dienste leisten werden können. Af. Winferarbeif der nationalen Jugend „Herzlia" Groß ist der Durst der jüdischen Jugend nach jüdischen Werten in der letzten Zeit geworden. Zu einer Zeit, in der sie von den fremden Ufern, an denen sie lagerte, entfernt wurde, erkannte sie plötzlich die Kraft der eigenen und ewigen Quellen des Judentums. Und dennoch sind die Wege, durch die unsere Jugend im Judentum ihre Heimat wieder zu finden sucht, verschieden und erst recht verschieden in der Auffassung dessen, was sich ihr beim Eindringen in die jüdische Geschichte offenbart. Es gibt ein Schöpfen aus den jüdischen Quellen, wobei man lediglich eine Erfrischung, eine Stärkung in der heutigen schweren Zeit erstrebt bis der Sturm vorbei ist, und es gibt ein Eindringen in jüdische Werte, das darüber hinaus, jüdisches Schicksal in der Zukunft zu formen und zu gestalten bezweckt. Die „Nationale Jugend Herzlia" knüpft unmittelbar an eine weit zurückliegende Epoche an. Betar, die letzte jüdische Festung im Kampf um die jüdische Freiheit in Erez Israel dient als Symbol. Wie damals unter Bar Kochba und Rabbi Akiba die physischen und geistigen Kräfte vereint im Kampf um die jüdische Freiheit -standen, erstrebt heute die betarische Jugend, diese Kräfte, im Kampf um die Wiederherstellung des Judenstaates zu vereinigen. Diese Einstellung verleiht der „Nationalen Jugend Herzlia" auch innerhalb der zionistischen Jugendbünde einen besonderen Charakter und daher tragen auch hier die Arbeitsgemeinschaften ein besonderes Gepräge. Die Erziehung zeigt drei charakteristische Merkmale auf, deren Betonung in der Form der Arbeitsgemeinschaften zum Vorschein tritt: Juden Staat. Die „Nationale Jugend Herzlia" kennt nur einen Zionismus, den von Herzl, aus der Anomalie des jüdischen Schicksals heraus geprägten Judenstaatsgedanken. Die Tragik des jüdischen Schicksals in der Diaspora sieht sie in erster Reihe darin, daß wir zu allen Zeiten der Galuth und überall nur eine Minderheit darstellten, nur ein Werkzeug in den Händen der Völker und nie Träger des eigenen Schicksals waren. „Herzlianer" bedeutet daher die Gleichsetzung mit dem Begriff Judenstaatler. Zionismus bedeutet für einen „Herzlianer" nicht lediglich die Lösung des Problems der jüdischen Kultur, sondern die Lösung der Judenfrage im Judenstaat Erez Israel, wodurch erst die Grundlage für ein jüdisches Kulturzentrum gewährleistet werden kann. Zu dieser Erkenntnis gelangt der Betari durch ein eifriges Lernen und Studieren der jüdischen Geschichte, wobei er erkennen muß, daß selbst die besten und höchsten Werte, großer jüdischer Kulturzentren der Diaspora an einem Tage zertrümmert werden konnten — und der Jude wieder zum Wanderstab greifen mußte. Monismus. Diese „maximale" Festlegung des Endziels und der unerschütterliche Glaube an dessen Verwirklichung setzt ein unbedingtes Einsetzen aller Kräfte und die klare Erhaltung der Einheit der Idee voraus. So stark auch , die Neigungen zu Ideen universaler Natur sein mögen, müssen diese auf dem Wege zum Judenstaat ausscheiden. Der Betar lehnt daher jede Proklamation eines Klassenkampfes ab. Seine Fahne ist Blau- Weiß. Jede andere Färbung betrachtet der Betar als Trübung und Schwächung des zionistischen Gedankens. Im Stadium des Aufbaues ist jeder, sowohl der Arbeiter, wie auch der Kapitalist, ein Pionier, ein Chaluz. Lediglich in der Verbrüderung und nicht in der Kampfansage sieht der Betar die Möglichkeit der Erreichung des Judenstaates. Legionismus. Aus der Geschichte der jüdischen Kolonisation in Erez Israel lernt der Betari, daß der Widerstand der A raber nicht zu überbrücken sei. Diese Tatsache ist für ihn nicht neu, denn die Geschichte jeder großen Kolonisation weiß von einem Widerstand der Eingeborenen gegen die „Eindringlinge" zu erzählen. Er weiß auch, daß selbst bei den minimalsten