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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-11-01 · 3 (11.1934) · p. Seite 116

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
3 (11.1934)
Date
1934-11-01
Page
Seite 116 (sequence 38)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt _ Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 3 NOVEMBER 1934 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche V« antwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, zu richten. Oneg Schabbat Im Ansdiluss an den Vormittagsgottesdunst f indet in folgenden Synagogen Oneg Schabbat statt: Bockenheim, Börneplatz, Hauptsynagoge, Unterlindau, Westendsynagoge. Der Hechaluz in Frankfnrt a. M. Innerhalb der organisierten jüdischen Jugend Deutschlands hat der Hechaluz in den letzten 1% Jahren durch seine zahlenmäßige Ausweitung von 500 auf 14 000 Menschen eine führende Rolle übernommen. Dieser Strom zum Hechaluz ist in der nahezu vollständigen Antwort begründet, die der Hechaluz den entwurzelten jungen jüdischen Menschen in Deutschland auf ihre Situation gibt. Innerhalb der Frankfurter Gemeinde zählt der Snif Hechaluz etwa 300 jüdische Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren. Von ihrem Leben und von ihrer Arbeit «oll im Folgenden die Rede sein: Aus allen sozialen Schichten sind die Menschen zum Hechaluz gekommen, jedoch kommt der größte Teil von ihnen aus dem sogenannten „guten Bürgertum", das am Beginn, vielfach aber auch schon am Ende seiner ökonomischen Depossedierung steht. Diese Tatsache leistet dem Verständnis für die Forderung der Berufs-Umschichtung Vorschub, denn die Menschen erkennen ihre ökonomische Situation und lernen begreifen, daß der Weg zur völligen ■Gesundung unseres Volkes nur durch die Rückkehr zum Beruf des Arbeiters, zur produktiven Arbeit in den breitesten Schichten des Volkes gehen kann. - Doch um die Verwirklichung der Haehscharah nicht als eine Flucht . vor der Gegenwart in Erscheinung treten zu lassen, sondern ihr *den Inhalt für den Beginn eines völlig umgestalteten wieder sinnvollen Lebens zu geben, bedarf es einer längeren sehr intensiven ideologischen Schulung, die in den Plugoth (Gruppen) zu je 20 Menschen durchgeführt wird. Diese Schulung erschöpft sich nicbt nur in einer sehr genauen Analyse der jüdischen Situation in den letzten 75 Jahren, (in einigen Fällen setzt auch die Erlernung unserer Geschichte mit Beginn der Emanzipation ein) sondern unsere Menschen sollen gleichzeitig einen Instinkt und ein starkes Interesse für die aktuellen Probleme in Palästina und in der Welt bekommen. Diese Aktualität, des Jischuws, die aufs stärkste durch die Anwesenheit von 2 Palästinensern vermittelt wird, vollzieht sich nicht in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem, sondern in ihrem wesentlichsten Teil auf dem Lande, wo einerseits die wirtschaftliche Notwendigkeit, andererseits der Wille zur Gestaltung der Gesellschaft Formen des menschlichen Zusammenlebens erstehen ließen, die von dem Blickfeld eines „bessere Zeiten" gewohnten Bürgertums nur zu leicht mißverständlich sind. Gleichzeitig mit dem Versuch, unseren Menschen eine völlig neu orientiert« Welt zu erobern, beginnt mit dem ersten Tage der Anmeldung im Hechaluz die konkrete Forderung des Hebräisch- Lernens. Der Forderung de"s intensiven Eriernens des Hebräischen wird durch eine jetzt vorgenommene Umgestaltung des Snifs ein verschärfter Nachdruck gegeben. Ein Leben im Hechaluz ohne ein wirkliches Erlernen der hebräischen Sprache und Kultur und ohne ernsthafte Beschäftigung mit dem Tenach wird nicht mehr möglich sein. Im übrigen zeigt die Erfahrung auch hier, daß; wenn unsere Menschen über den Berg der Anfangsschwierigkeiten hinaus gekommen sind, die Freude an der Kenntnis einer neuen Sprache, die Chance der E r kenntnis' einer werdenden Kultur das Lernen erheblich" beschleunigen. Einen nicht geringen Teil in der kulturellen Arbeit des Hechaluz nehmen die Onege-Schabbat ein. Wie in Palästina zum Ausgang des Schabbat sich in allen Punkten der Jischuw versammelt, so kommt auch hier in Frankfurt vor Schabbat-Ausgang der ganze Snif zusammen, um wieder Beziehung zum schönen und echten künstlerischen Schaffen aus den Urquellen unseres Volkes zu finden. Das stetige Ringen um die Form dieses Oneg Schabbat vertieft ihn und hat ihn zum unumstößlichen Bestandteil unseres Zusammenseins gemacht. Alles oben Beschriebene ist nur eine kurze Skizze von--dem Leben, das sich innerhalb des Snifs abspielt. Das Erlebnis dieser völligen inneren und äußeren Umgestaltung der Menschen und das Erlebnis der völligen Neu-Oriehtierüng persönlichen Seins erscheint dem Außenstehenden oft unglaubwürdig, läßt den Miterlebenden aber tagtäglich aufs Neue die gewaltige Gestaltungskraft der chalüzischen Pionierbewegung erkennen und den ersten Tag; an dem die Menschen auf Haehscharah gehen, einen großen Schritt in - einem neuen Leben sein. Während bisher größtenteils religiös-liberale Menschen in den Hechaluz gekommen sind, hat in den letzten Wochen ein sehr erheblicher Zustrom religiös-orthodoxer Menschen eingesetzt. Die Erkenntnis dieser Mensehen von der Einheit und Geschlossenheit der jüdischen Renaissance-Bewegung in der Galuth wie in Erez Israel hat sie den Weg zum Hechaluz finden lassen. Diese Gruppe, (der Hechaluz Ha d a t i i) führt innerhalb des Hechaluz ein völlig autonomes Dasein, hat ihre eigene Hachscharah-Kibbuzim und wird im Frühjahr 1935 als eine geschlossene Gruppe in Palästina eine neue Position schaffen. Der Hechaluz hat seinen Ruf als stärkster Faktor in der palästinensischen Aufbaubewegung bisher bestätigt und erachtet seine' jetzige Größe als den Beginn, das Anfangsstadium weiterer Ausbreitung des chalüzischen Gedankens auch im deutschen Judentum. Leo.Jelesniakow Wozu brauchen wir ein Beth*Chalüz! Das Leben im Beth Chaluz ist nur im Rahmen der gesamten Hachscharahbewegung zu verstehen. Die Hachscharah-Eignung soll den Menschen nach einem bestimmten Bild formen, ihn erziehen. Unser Erziehungsziel ist der Chaluz, der Mensch, der sich praktisch, geistig und ideologisch auf das Leben in Erez Israel vorbereitet. Diese drei Faktoren müssen jedoch zusammenkommen, damit die Haehscharah sinnvoll wird. Die rein praktische Ausbildung ist sehr wichtig, doch sie genügt nicht. Es ist dies das Ziel der Berufsumschichtung; unsere Forderungen gehen weiter. Wir verlangen eine ideologische Schulung; unsere Menschen müssen um die Situation in Palästina wissen, um die ökonomische und kulturelle Bedeutung der Arbeiterschaft für Land und Volk. Sie sollen die Formen der Gemeinschaftssiedlung des palästinensischen Arbeiters, in deren Kreisen sie drüben leben sollen, kennen lernen. . ..

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