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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-11-01 · 3 (11.1934) · p. Seite 93

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
3 (11.1934)
Date
1934-11-01
Page
Seite 93 (sequence 15)
Language
German
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Seite 93 Den Höhepunkt des Abends bildete unzweifelhaft das Klavierkonzert in G-dur, das der junge Pianist Franz 0 s b o r n in einer so außerordentlichen Darstellung vermittelte, daß man, um seine Leistung zu charakterisieren, die größten Namen der pianistischen Zunft zum Vergleich heranziehen müßte. Osborn stellt eine klavieristische Technik von seltenen Graden in den Dienst eines Musikantentums, bei dem sich Vitalität und Temperament mit Beherrschtheit und Vergeistigung paaren. Es läßt sich gewiß manches sagen gegen die Freizügigkeit, mit welcher der Künstler mit dem Stoffe des immerhin „klassischen" Werkes verfährt, wie er die Agogik behandelt oder lyrische Stellen im Expressivo übersteigert. (Der nicht ganz zulängliche Flügel mag hier an manchem schuld sein.) Aber das Gesamtbild der Wiedergabe war doch so imponierend, daß der überaus begeisterte Beifall des Publikums begreiflich erschien. Hervorragend auch die Begleitung des Orchesters und das bewundernswerte Ineinandergreifen von Solo und Tutti. Dr. E. Eröffnung des Herbstlehrganges 1934 im Jüdischen Lehrhaus In der Eröffnungsfeier zum Herbstlehrgang des Jüdischen Lehrhauses sprach Professor Dr. Martin Buber über die Mächtigkeit des Geistes. Ausgehend von einem Wort des Grafen Keyserlingk, daß in unserer Zeit die suggerierenden Kräfte die geistiglenkenden verdrängt hätten, kam Buber auf das wechselnde Verhältnis zwischen den Elementarkräften und dem Geiste des Menschen in den großen Kulturepochen zu sprechen. Unter Geist wird dabei nicht der Intellekt verstanden, sondern Geist ist Buber die Gesamtheit aller Triebe, Kräfte und Anlagen, die den Menschen konstituieren. Im Heidentum und im Christentum besteht eine andere Beziehung zwischen Elementarkräften und Geist als im Judentum, wo die Elementarkräfte durch den Geist eingeheiligt werden. Im Judentum ist die Mächtigkeit des Geistes in ihrer reinsten Form zu finden. Aus der Einsicht über die Mächtigkeit des Geistes in unserer jetzigen Lage sprach Buber auch über das Neuheidentum, das diesen Mächten zuwiderstrebe. — Die in ihrer Klarheit und der Straffheit ihrer Formulierung bezwingenden, wenn auch keineswegs immer leicht verständlichen Ausführungen Bubers waren umrahmt von Gesängen des Dr. Ehrenreichsehen Kämmerchors. Psalmen von S. de Rossi gelangten in bewundernswerter Reinheit und Klangfülle eindrucksvoll zur Wiedergabe. Ghr. Erfolge Frankfurter Künstler auswärts Der jüdische Kammerchor unter Leitung von Dr. Nathan Ehrenreich gastierte im Jüdischen Kulturbund in Würzburg. Das Programm brachte deutsche geistliche Gesänge, hebräisch-liturgische Lieder, jüdische Volksgesänge und heitere Chorlieder. Die freudige Aufnahme im überfüllten Saale, der in dem Dirigenten einen langverehrten Bekannten begrüßte, stellte die Stimmung her, in der der Kammerchor sich zu einer über alles Lob erhabenen Leistung zusammenfand. Dr. Ehrenreich erfaßte und gestaltete in diesem Konzert, gestützt auf das willige Mitgehen seiner Sänger und Sängerinnen, die diffizilsten musikalischen Möglichkeiten und konnte mit seinem Chor begeisterten Beifall.ernten. Rosy Geiger-Kullmann durfte für einige Chorlieder lebhafte Ovationen entgegennehmen. —n. Literarische Rundschau Frank Rothschild / I. B. Levy, Sabbath-Lieder für Schule und Haus. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Geb. Mk. 1.35. Die Familie als Trägerin gesanglicher Tradition spielte im Judentum von jeher eine große Rolle. Dir die vielfach verlorengegangene Stellung wieder einzuräumen, ist vornehmste Pflicht der Gegenwart. Ebenso wird sieh die jüdische Schule stärker als bisher für das jüdische Lied einsetzen müssen. Beiden Zielen dient das soeben erschienene, von bewährten Fachleuten herausgegebene Büchlein der „Sabbath-Lieder". Die 14 für Freitagabend („Semiroth") und Sabbath-Ausgang bestimmten Gesänge, die aus der Ueberlieferung Nord- und Süddeutschlands sowie Osteuropas zusammengestellt sind, wollen dem praktischen Gebrauche dienen. Sie wollen „gesungen" werden, nicht lediglich „angehört" sein. Neben bekanntem Liedgut (etwa „Schir bamaloth" in der gebräuchlichen Melodie und in der Weise der zionistischen „Hatikwah") finden sich in der Hauptsache weniger geläufige Gesänge, die aber alle der Aufzeichnung wert sind. Daß ein und derselbe Text in mehrfacher musikalischer Fassung vorliegt, wird willkommen sein. Jeder kann sich so das seinem Geschmacke Zusagende heraussuchen. Die Ausführung kann einstimmig, mit und ohne Begleitung, oder auch mehrstimmig geschehen. Bei den chorisch gesetzten Stücken sind vor allem die Gegebenheiten der Schulchöre berücksichtigt. Die leichte Spielbarkeit des Klavierparts macht auch weniger geübten Pianisten die Wiedergabe möglich. Der musikalische Bearbeiter F. Rothschild hat die Melodien mit einer sauberen, gefälligen und gutklingenden Harmonik versehen, die, ohne prätensiöse Ansprüche, die Schlichtheit der Weisen nicht beeinträchtigt, sondern sie unterstreicht. Die textliche Redigierung verrät die Hand des gewiegten Sachkenners (J. B. L e v y). Einen besonderen Vorzug bildet die Handlichkeit des Bändchens. Das Notenbild ist übersichtlich und nacht durch Texthäufung überladen. Die Strophenwiederholungen sind vielmehr in hebräischen Lettern einem eigenen Heftchen anvertraut. Die drucktechnische Ausstattung ist vorzüglich gelungen. Man möchte der kleinen Sammlung trauter Sabbathlieder eine weite Verbreitung wünschen. Dr. E. Aus der Arbeit der Reichsvertretttng Der Beirat der Reichsvertretung trat am Sonntag, den 14. Okt., zu einer Tagung zusammen, um ein Jahr nach Bestehen der Reichsvertretung die Berichte über die bisherige Entwicklung entgegenzunehmen und die Situation seit seinem letzten Zusammentritt im Februar d. Js. zu erörtern. Rabbiner Dr. Baeck, der Präsident der Reichsvertretung, begrüßte die zahlreich erschienenen Beiratsmitglieder. In seiner Ansprache ging er von der Notwendigkeit aus, die organisatorische Gesamtheit des deutschen Judentums zur Grundlage der Arbeit der Reichsvertretung zu machen. Aus ,den Kraftzentren, die die Gemeinden darstellen, müsse immer neue Kraft geschöpft werden können. Dr. Baeck kam dann auf die bevorstehenden Aufgaben der Reichsvertretung zu sprechen, als deren vornehmste er die Erhaltung unserer moralischen Kraft bezeichnete. Direktor Heinrich Stahl begrüßte im Namen der Berliner Jüdischen Gemeinde den Beirat. Er erklärte, daß die Gemeinde in allen ihren Körperschaften hinter der Reichsvertretung stehe und ihr Loyalität entgegenbringe. Wir Berliner Juden, so meinte Direktor Stahl, sehen uns mit allen Juden eins. Wir sehen unsere Aufgabe darin, treu für alle zu wirken. Das haben wir oft bewiesen und werden es immer weiter beweisen. Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, der Vorsitzende des Präsidialausschusses der Reichsvertretung, gab in seinem Referat über die „Innere Lage im deutschen Judentum und seine Organisation" einen Ueberblick über den Stand der Grundfragen, die für den Ausbau des deutschen Judentums entscheidend sind. Im Namen es Präsidialausschusses unterbreitete Dr. Hirsch dem Beirat den Vorschlag, einen Haushaltsausschuß einzusetzen, der zu allen finanziellen Fragen der Reichsvertretung und des Zentralausschusses zuständig sein solle. Die Aussprache, die sich an das Referat von Dr. Hirsch anschloß, ergab die einstimmige Auffassung, daß die Reichsvertretung und der Präsidialausschuß in seiner bisherigen Zusammen- ■»■■■■■■■■■■■■■■■»■«■■■■■^■■■■■■■v DIREKTION: N EUES THEATER ARTHUR HELLMER SPIELPLAN RUNDER TISCH ein Theaterstück von Walter Leonhard. IM NOVEMBER: DIE VERSCHWÖRUNG DES FIESCO ZU GENUA ein republikanisches Trauerspiel von Schiller. 23., 24. und 26. November: 3 GASTSPIELE der VIER NACH RICHTER mit ihrem neuesten Stück: DIE NERVENSKGE

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