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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-11-01 · 3 (11.1934) · p. Seite 85

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
3 (11.1934)
Date
1934-11-01
Page
Seite 85 (sequence 7)
Language
German
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Seite 85 entwdcklung der jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M. schon aufgezeigt wurden (vergl. April- und Maiheft 1934 des Gemeindeblättes), es wird aus ihnen aber, verglichen noch mit der Volkszählung von 1910, die Verschärfung aller Ausschläge im Landjudehtum gegenüber dem 'Stadtjudentum klar. Wir haben in einer Tabelle die Ergebnisse der drei Volkszählungen nach der regionalen Gliederung des Keiches miteinander verglichen. Die Tabelle zeigt die absoluten Zahlen, die Verteilung der Juden auf je Tausend der Bevölkerung und. schließlich die prozentuale Veränderung der absoluten Zahlen gegenüber der letzten und der vorletzten Aufnahme. War wissen, daß in den Zahlen bis Mitte 1933, die die Volkszählung 1933 enthält, die Abwanderung des vorigen Jahres nur zum kleineren Teil, und die Auswanderung 1934 überhaupt noch nicht inbegriffen sind. Es läßt sich also als wahrscheinlich annehmen, daß heute die Zahl der der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehörenden Deutschen auf knapp 450 000 zusammengeschrumpft ist, also kleiner ist als die Einwohnerschaft von Frankfurt a. M. Daneben steht freilich die in ihrer Höhe sehr umstrittene Zahl der „nichtjüddschen >Nichtarier" und man muß es im Interesse der Statistik bedauern, daß nicht einmal der Versuch gemacht wurde, die Rasse-Mchtarier statistisch zu erfassen. Der Erfolg, der einem derartigen Versuch beschdeden sein mag, wird allerdings gering sein, denn abgesehen davon, daß die statististische Genauigkeit bei einer derartigen Aufnahme weniger groß sein muß als sonst, es ist oft wohl überhaupt nicht möglich, die nichtarische Abstammung festzustellen. Von den Gründen, die zu der Verminderung der jüdischen Bevölkerung beigetragen haben, möchten wir in erster Linie den Sterbeüberschuß nennen. Wir konnten für Frankfurt a. M. die steil ansteigende Kurve dieses Ueberschusses in den Jahren 1929 bis 1933 feststellen; in den ländlichen Bezirken, in denen die jüdische Bevölkerung noch viel mehr überaltert ist als in der Großstadt, ist die Geburtenziffer noch geringer, die Sterbeziffer noch größer. Demgegenüber gewinnt die im amtlichen Kommentar vorangestellte Auswanderung vor dem Jahr 1933 keine so große Bedeutung. Der Zustrom aus dem Osten, der zwischen 1910 und 1925 trotz der Toten des Krieges und trotz des- Ausfalls der Geburten in den Kriegsjahrgängen dazu mitgeholfen hatte, daß die absolute Zahl der deutschen Juden etwas angestiegen ist, hat zwar in den letzten acht Jahren aufgehört, aber die Gegenauswanderung war zwischen 1925 und 1932 doch noch recht gering. Für die Austritte, den letzten Faktor der Bewegung, haben wir eine Vorstellung durch das Frankfurter Beispiel: der Ueberschuß der Austritte aus der Gemeinde — nicht aus dem Judentum überhaupt, — war halb so groß wie der natürliche Sterbeüberschuß über die Geborenen. Wenn sich die Zahl der religiös Gemeinschaftslosen in der Volkszählung 1933 gegenüber 1925 auf 2,44 gegen 1,44 Mill. mehr als verdoppelt hat, so dürften in der Vermehrung zwar auch ehemalige Israeliten enthalten sein, aber doch weniger als früher in Zeiten anderer Verhältnisse. Die regionale Uebersicht läßt immerhin eine Reihe interessanter Tendenzen erkennen, die teilweise schon seit 1910 anhalten, teils aber jetzt erst neu aufgetreten sind. Kennzeichnend für die Israelitische Wohnbevölkerung Von 1000 Personen Veränderung der Ziffer 1933 bei der Volkszählung waren Israeliten in °/o 1910 1925 1933 1910 1925 1933 geg. 1910 geg. 1925 12712 11337 8838 6,0 5,0 3,8 -30,5 -22,1 144007 172672 160564 38,6 43,0 37,8 +11.5 - 7,1 7349 8442 7616 3,0 3:2 2.8 4- 3,6 - 9,8 8862 7761 6317 5,1 4,1 3,3 -28.8 -18,6 3835 3437 2775 12,3 10,5 8,2 -27,6 -19,3 Niederschlesien .... 26657 29953 25145 9,0 9,6 7,8 — 5,7 -16,1 Oberschlesien . . . . 9700 10069 9228 7,6 7,3 6,2 - 4,9 - 8,4 7833 8341 7146 2,5 2,4 2,1 — 8,8 -14,3 Sjhleswig-Holstein . . 3311 4152 3117 2,2 2,7 1,9 — 5,9 -24,9 15596 14895 12611 5,2 4,6 3,7 -19,1 -15,3 21053 21595 18819 5,0 4,5 3,7 -10,6 -12,8 Hessen-Nassau * . . . 51781 52757 46923 23,3 22,0 18,2 —10,3 -11,9 53770 58223 52426 8,3 8,0 6,9 — 2,5 -10,0 405 " 335 301 6,0 4,0 4,1 -25,7 -10,3 366876 403969 361826 10,5 10,6 9,1 - 1,4 —10,4 Bayern r. d. Rh. . . . 46396 41295 35452 7,7 6,4 5,3 -23,6 -14,2 Bayern 1. d. Rh. . . . 8721 7850 6487 10,2 8,4 6,6 -25,6 —17,4 Bayern........ 55117 49145 41939 8,0 6,7 5,5 - 24,0 -14,7 Sachsen ....... 17587 23252 20584 3,6 4,7 4,0 +17,1 -11,5 11982 10827 10023 49 4.2 3,7 —16,4 - 7,4 25896 24064 20617 12.1 10,4 8,5 -20,4 -14,3 3820 3603 2812 2,5 2,2 1,7 -25,6 —20,0 24063 20401 17888 18,8 15,2 12,5 -25,7 - 12,3 Hamburg ...... 19472 19904 16973 19,2 17,3 13,9 —12,8 —14,7 1667 1407 1003 2,2 1,8 1,2 -39,8 -28,7 1525 1513 1240 3,1 2,8 2,2 -18,7 -18,0 Braunschweig..... 1757 1753 1174 3,6 3,6 2,3 -33,2 -33,0 1843 1508 1438 6,2 4,5 3,9 -22,0 - 4,6 Anhalt....... . 1383 1140 901 4,2 3,2 2,5 -34,9 —21,0 . 780 607 510 . 5,2 3,7 2,9 -34,7 —16,0 623 629 497 5,4 4,9 3,6 —20,2 -21,0 Schaumburg-Lippe . . 230 180 187 4,9 3,7 3,7 -18,7 + 3,9 Deutsches Reich . . . . 538909 564379 499682 9,3 9,0 7,7 - 7,3 -11,5 * ausserdem in Waldeck 1910 539, 1925 477 Israel. Einwohner.

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