Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 2 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 70 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 70 gegeben, mit dem sie aufwachsen, in das sie hineinwachsen. Schwerer ist die Enttäuschung der Eltern und die Aufgabe der Mutter bei der Aufzucht eines kranken Kindes. Ihr Instinkt wird sie treiben, es mit doppelter Zärtlichkeit zu hegen, zu pflegen, zu tragen. Entspricht es doch mütterlichen Wünschen, sich das Kind lange körpernah verbunden zu fühlen, es der Obhut nicht entgleiten zu lassen. Aus solchen egoistischen Motiven werden gebrechliche oder nicht vollsinnige Kinder oft maßlos verwöhnt, zu kleinen Haustyrannen geradezu gezüchtet und dadurch fürs Leben erst recht unbrauchbar gemacht. Aber Liebe zeigt sich nicht in gedankenlosem Hätscheln, sondern in verantwortungsbewußter, sehr durchdachter Erziehung — trotz des Körperfehlers zum Vollmenschentum. Kinder haben keinen Maßstab für die eigene Leistung; auch der einsichtige Erwachsene beurteilt ihren Wert mehr nach der aufgewandten Mühe als nach dem tatsächlichen Erfolg. So gebe man dem leistungsbehinderten Kind wohl ausgleichende Anerkennung, aber man erspare ihm nicht die harte Mühe. An gehunfähige Kinder muß man vielmehr von klein auf um so größere Anforderungen an Handgeschicklichkeit und geistige Disziplinierüng stellen. Man muß ein solches — meist ja geistig reges — Kind so vielseitig beschäftigen, daß es keine Langeweile spürt und kann den sportliehen Ehrgeiz, der auch ihm wohl innewohnt, zum ..denksportlichen" Interesse sublimieren. Inwieweit auch körperliches Trainieren erlaubt oder geboten ist, wird der Arzt entscheiden. Man beobachte sorgfältig, ohne aber durch ängstliche Miene und fortwährend warnendes Wort zu hemmen. Der Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus darf man Großes zutrauen und der Erfinderfreude des Kindes soll man Spielraum schenken, und man wird oft erstaunt sein, welchen Ausweg zur Selbstbetätigung diese beiden finden. — Einseitig beingelähmte Kinder möge man „hüpfen" lassen, um zu der ersehnten schnellen Fortbewegung zu kommen; sie dürfen auch klettern mit ihren am Treppensteigen kräftig entwickelten Armen und dem durch die unsichere Gangart geübten Gleichgewichtsgefühl. Vor allem lasse man sie früh schwimmen lernen, -da ja das Wasser „trägt" und die Arme die Fortbewegung übernehmen bei diesem den Körper* behinderten-meist einzig zugänglichen und von ihnen sehr geliebten Sport. So gewähre man dem Kind das Mögliche an Bewegungsfreiheit und sinne darauf, dem eingeschränkten Leben um so mehr Inhalt und Tiefe zu geben. Schon dem kleinen Kinde, dem die erlebnisreichen Vorstellungen aus Bewegung und Ertasten mangeln, gilt es, diese durch Heranbringen vieler Gegenstände zu ersetzen und ihm besonders lebhafte Eindrücke durch Auge und. Ohr zu vermitteln. Dieser Weg führt zwar unwillkürlich zu einer intellek* tuellen Einstellung, die eigentlich unkindlich ist, weshalb auch Krüppelkinder oft frühreif und altklug wirken. Es entwickelt sich jene „Scharfsinnigkeit", die im Zusammenhang mit der fehlenden Körperharmonie das volkstümliche Vorurteil von der „Bösartigkeit" des Krüppels verursacht haben mag. Die feinfühlige Mutter wird aber der Gefahr einseitiger Intellektualität vorzubeugen wissen, indem sie ohne Verweichlichung das Gemüt des Kindes pflegt und ihm Freudigkeit durch viele kleine Freuden gibt. Wo Geschwister mit dem körperbehinderten Kind aufwachsen, wird von selbst ein Anschließen und Einfügen entstehen, sonst müssen Freunde zum täglichen Umgang herangezogen werden, auf daß sich Spiele unter seiner Einbeziehung gestalten und es beizeiten, das „Zusehen" lerne, das es im Leben doch wird üben müssen. Manchmal trifft man blinde oder krüppelhafte Menschen, um die eine schöne Stille ist und deren Gesichtsausdruck von einem andersartigen, aber befriedigten Innenleben zeugt. Sie können den' Ihren und. ihren Schicksalsgefährten unendlich viel bedeuten! Nach jüdischer Denkungsart halte man sie nicht von der" Berührung mit leidenden Menschen zurück, um ihnen den Anblick zu „ersparen", sondern bereichere ihr Dasein durch tätige Teilnahme und seelische Verbundenheit mit den Menschen gleichen und oft schwereren Geschickes. IrmaDresdner Elegante Damenhute aTb^^ (\ k \ 1 * Fellnerstraße 6 pari. JXAC MAa* Tel. 57185 (früh. Edith Schmidt) la HERRENSTOFFE LD„r„»1 kaufen Sie jetzt preiswert im TUCHLAGER A. FRÄNKEL Inserieren bringt Gewinn! ST1FTSTRASSE7L Reparaturen in eig. Werkstätte ren-Sinqer TEL52532S . Biebergasse^' 6kgante MM mit prachtvollem Pelzkragen, aus warmen molligen Wollstoffen in sehenswerter Auswahl fufjrländer Das große Spezialhaus für Damenkleidung Hau & Holmonn Spenglerei und Installationsgeschäft Rechneigrabenstrasse 13 Tel. 25931 Georg Rudolph 60 Allerheiligensfrasse 60 Installationsgeschäft für Gas u. Wasser. Bauspenglerei Sämtl. Ausführg. prompt u. billig Bin ^ÄjPorzellan und alle übrigen Fabrikate Kallee-Servlce »6^*11. Speise-Service mre pers. ab ii- BING IST BILLIG! Kaiserstr. 4 Inn. P. Buseck A. Loeb