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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-10-01 · 2 (10.1934) · p. Seite 69

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
2 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 69 (sequence 27)
Language
German
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Seite 69 Bildungsbedürfnisse der jüdischen Frau Dem starken Wunsch, durch Eroberung neuer Wissensgebiete Verständnis für unsere veränderte Lage zu gewinnen, stand anfangs bei vielen jüdischen Frauen die gebieterische Tatsache gegenüber, sich zunächst rein äußerlich umzustellen: die Wohnungen zu wechseln, den Haushalt rationeller zu gestalten, für die Kinder neue Möglichkeiten der Fortbildung zu finden — Aufgaben, die so dringend den ganzen Menschen verlangten, daß alles andere zurückstehen mußte. Nun aber sind diese zurückgestauten Wünsche nach eigener Weiterbildung nur stärker geworden: manches, was an Vereins- und sozialer Arbeit uns sonst in Anspruch nahm, ist fortgefallen. Was brauchen wir nun am nötigsten, um uns einigermaßen zu rüsten für die Aufgaben, die eine neue Zeit gerade von uns Frauen verlangt? Wir wollen von unserer Bildung sprechen, und heute alles bei Seite lassen, was der bloßen beruflichen Ausbildung dient. Dazu gehören auch die eiligen Sprachkurse, die nur das absolut für den Alltag Nötige vermitteln sollen, ohne gründliche Vertiefung in den Geist einer fremdsprachlichen Kultur. — Da sind es denn zwei große Gebiete, die wir Frauen kennen lernen wollen: jüdisches Brauchtum und jüdische Geschichte. Vielleicht wäre es richtiger, die jüdische Geschichte an erster Stelle zu nennen; denn sie allein kann uns unsere eigene Wesensart verständlich machen, indem sie die Zusammenhänge sichtbar werden läßt, die uns so gestaltet haben, wie wir geworden sind: Produkte aus Erbanlage und Umweltseinflüssen, die z. T. bewußt, zum viel größeren Teil aber unbewußt rezipiert und dann zu eigenen, nicht so ohne weiteres verständlichen Formen der Haltung weiterentwickelt wurden. Also keine Geschichte, die nach einem Lehrbuch erlernt werden soll, sondern ein Anknüpfen etwa an den jüdischen Kalender oder einen bestimmten Festbrauch, als Zugang zu der Vergangenheit, die doch bei uns niemals ganz „vergangen" ist, sondern immer wieder und meist gänzlich unerwartet unsere Gegenwart mitbestimmt. .Wo können wir nun so lernen? Genügen die Lernmöglichkeiten, die die allgemeine Volksbildung uns in Vereinsvorträgen und Lehrhauskursen bietet, brauchen nicht wir Frauen, entsprechend unseren ganz besonderen Zwecken und unserer Vorbildung, daneben noch besondere Möglichkeiten der Frauenbildung? Könner, wir überhaupt — um ein naheliegendes Beispiel zu nehmen — das lernen, was wir zum Verständnis unserer Eigenart brauchen, ohne wirklich in die hebräische Sprache einzudringen, und kann man da einen „abstrakten" Sprachunterricht geben, wenn die Vorkenntnisse so gänzlich verschieden sind bei Männern und Frauen? Und wenn wir von diesem Beispiel ausgehend weiterfragen: sind nicht auch im Geschichtlichen, im Geistes- und Kulturgeschichtlichen die Voraussetzungen, an die jeder lebendige Unterricht anknüpfen muß, so verschieden, daß erst nach Ueberwindung dieser „Ungleichheiten" ein gemeinsames Teilnehmen an allgemeinen Kursen möglich sein wird? Dabei glaube ich nicht einmal, daß das dann dem Wunsche aller Frauen entsprechen wird: viele von ihnen werden dauernd Eigenwünsche haben, weil ja hier nicht zweckfreie Wissenschaft übermittelt werden soll, sondern ein Mittel zur geistigen Durchdringung und damit Meisterung unseres jüdischen Frauen- und Mütterschicksals. Neben dem Lehrhaus, der Gesellschaft für jüdische Volksbildung und den anderen jüdischen Wissensstoff vermittelnden Vereinen bleiben den Frauen vereinen, an erster Stelle also dem „Jüdischen Frauenbund", wichtige Bildungsaufgaben: Gewiß werden sich die Vorstände bemühen, allen möglichen Wünschen entgegenzukommen, aber wer sich wirklich bilden will, muß nachdenken, Avas ihm fehlt, Vorschläge machen, aus der Passivität heraustreten, der wir jüdischen Frauen stark zuneigen: wir lassen uns lieber etwas Fertiges vorsetzen, als daß wir aktiv an der Gestaltung der Programme mitwirken! Darin ist uns die Jugend bestimmt über, und wir können da nur von ihr lernen. Eine andere Frage ist dann, ob unsere Forderung nach besonderen Bildungsmöglichkeiten für Frauen auch denen der jungen Mädchen und Frauen entsprechen? Ich glaube, ja; denn, wenn auch hier die Vorkenntnise nicht so verschieden sein mögen, so sind es doch oft die Bildungä z ie 1 e: außerdem reagieren jüngere Menschen viel stärker auf die Persönlichkeit des Lehrers — ein Lehrer, der glänzend in einer Jungenskiasse ist, versagt oft vor Mädchen — und zwar um so merklicher, je stärker er als Persönlichkeit ist und je stärker der übermittelte Lehrstoff an die seelischen, und nicht nur an die intellektuellen Fähigkeiten der Schüler rührt. Je mehr es sich also um wirkliche Bildung — im Gegensatz zur reinen Aneignung technischer Kenntnisse — handelt, um so stärker muß der Uebermittelnde auf die Sonderart der Schüler sich einstellen: und dann kann — im idealen Fall — eine wirkliche Gemeinschaft im „Tun", im „Lernen" entstehen, in der jeder Nehmender und ebenso jeder Gebender ist. Solch eine ideale Arbeits- Gemeinschaft vermag Kräfte auszulösen, die die Lernstunde uns — dem Lernen oft schon jahrelang entwöhnten Frauen — zu beglückenden Feierstunden machen. Dr. Dora E d i n g e r Körperbehinderte Kinder Schmerzlicher als das Leid körperlich behinderter Erwachsener rührt ein gelähmtes Kind an unser Mitgefühl. „Junges", das bedeutet ja im Tier« und Menschenreich Bewegung, übendes Spiel der Muskeln und Sinne. Und-doch gibt es zahlreiche Kinder, die vom Schicksal der Körpergehemmtheit betroffen weiden — sei es, daß ein Neugeborenes, nicht mit geraden Gliedern gesegnet ist oder daß ein blühend gesundes Kind der spinalen Kinderlähmung zum Opfer fällt. Früh Erkrankte empfinden ihr Los als natur- ANKAUF KUNSTHANDLUNG LUDWIG SCHAMES Uhlandsfrasse 52 Fernspr. 45272 VERKAUF Feinste Wollstrümpfe in modischen Farben und Mustern. Preiswert und gut A. HÖCHBERG, Kaiserstrasse 15 /Wühl i ►RZELLAN-BÄRI

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