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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-10-01 · 2 (10.1934) · p. Seite 54

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
2 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 54 (sequence 12)
Language
German
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Seite 54 Kulturarbeit des Monats Gesellschaft für jüdische Volksbildung «* / Die „Oesellschaft für jüdische Volksbildung" hat einen großen Teil ihrer im vergangenen Jahr übernommenen künstlerischen Aufgaben an den „Kulturbund Rhein- Main" abgetreten. Der veränderten geistigen Situation entsprechend wird sie sich aber nicht mehr auf die vor der Gebietserweiterung erfaßten Sparten beschränken, sondern ihre Ziele so stecken, wie es ihrer allgemeinen volksbildnerischen Tendenz entspricht. Bei diesen Bestrebungen wird naturgemäß das religiöse Moment wieder einen bevorzugten Platz einnehmen. Auf solcher Linie lag auch die erste musikalische Veranstaltung der Gesellschaft nach den Sommerferien: Sie diente dem Gedanken der inneren Vorbereitung auf die hohen Feste zunächst durch die ß'lichaus-Gesänge von Boruch-Leib Rosowsky, in denen mit den ausgeprägten Stilmerkmalen des östlichen Chasonus die Stimmung der bevorstehenden Feiertage geweckt wurde. In anderem künstlerischen Boden wurzelt der Mantuaner Salomone R o s s i (um 1587—1628), den wir als die erste große, lange ohne gleichwertige Nachfolgeschaft gebliebene Erscheinung unter den jüdischen Tonsetzern Europas ansprechen dürfen. Rossi, auf vielen Gebieten tätig, hat auch den Synagogengesang um zahlreiche- Werke bereichert. Seine dem Massenstil der damaligen Zeit, besonders dem Palestrinas, nahestehenden Chöre für den jüdischen Kult zeichnen sich durch edle Haltung der Melodie und Klangschönheit des Satzgefüges aus. Als Uraufführungen wurden Thoragesänge, Teile einer ausgedehnten hebräischen Chorsuite, von Hugo Adler geboten. Sie enthalten motivisches Material der in Süddeutschland gebräuchlichen Weisen. Ein formgewandtes und erfindungsreiches Talent hat mit ihnen ein für Konzertzwecke gut verwendbares und ansprechendes Werk geschaffen. Die Wiedergabe durch den Jüdischen Kammerchor unter der klar und wirksam disponierenden Leitung Dr. Nathan Ehrenreichs vermittelte von allen Chornummern ein eindrucksvolles Bild, zu dessen Profilierung auch die Soli N.Naumow-Fleischmanns und Markus G e r 1 i c h s beitrugen. Als ethisches Kernstück diente dem Abend die eindringlich formulierte Ansprache des Rabbiners Dr. Heinrich Lemle. In ihr wurde die Idee: Ueberwindung der Naturgewalten durch die Kräfte des Geistes behandelt. A. H. Aus der Tätigkeit Frankfurter jüdischer Künstler Die bekannte Frankfurter Pianistin Alice Rosenbaum konzertierte am 4. Oktober am Luxemburger Sender. Die_Künstlerin brachte Werke von Schubert, Reger, Sekles und Liszt zu. Gehör. * Der Komponist Ernst T o c h, der soeben nach Amerika übergesiedelt ist, hat ein zweites Klavierkonzert vollendet, das den Titel „Symphonie für Klavier und Orchester" trägt. In dem Werk, das im Rahmen der Orchesterkonzerte des Kulturbundes Rhein-Main unter Leitung von Hans Wilhelm Steinberg zur deutschen Uraufführung vorgesehen ist, wird Heida Hermanns als Solistin wirken. Im Laufe dieser Saison kommt die Novität mit der selben Solistin im Kulturbund Berlin unter Leitung von Generalmusikdirektor Joseph Rosenstock zur Aufführung. Hans Marcus Treuhänder und Fachberater für Steuer- und Devisenrecht Frankfurt a. M., Goethestr. 5 Telefon 28561 Persönliche Nachrichten Albert Cohen » Am ersten Tage des Laubhüttenfestes ist Albert Cohen im Alter von 59 Jahren unerwartet seiner Familie und der Gemeinde entrissen worden. Eine Blinddarmentzündung warf ihn am Tage vor dem Versöhnungsfest aufs Krankenlager. Mehrere Tage hindurch hatte man gehofft, daß er genesen werde, aber auch die sofort vorgenommene Operation konnte ihn nicht retten. Mit ihm hat die Gemeinde eines ihrer treuesten, die Gemeindevertretung eines ihrer arbeitsfreudigsten Mitglieder verloren. Albert Cohen war in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater stammte vom Niederrhein und mütterlicher Seite gehörte er einer Alt-Frankfurter Familie an. Nachdem er hier das Wöhler=Real- Gymnasium besucht hatte, wurde er als Kaufmann ausgebildet, war dann 15 Jahre in England bei der Firma Henry A. Merten tätig und begründete schließlich in Frankfurt a. M. ein eigenes kaufmännisches Unternehmen. Sein großes Interesse an jüdischen und Gemeindeangelegenheiten führte ihn vor zehn Jahren in die Gemeindevertretung. Vom Tage seines Eintritts an hat er in einer vorbildlichen Weise sich den Pflichten des Amtes gewidmet. Er wurde Schriftführer der Gemeindevertretung, Mitglied wichtiger Kommissionen, so der beiden Finanzkommissionen, der Besoldungskommission und der Kultuskommission; er wurde in den Vorstand der Westendsynagoge delegiert. Jedes Amt aber, das ihm/ über<= tragen wurde, empfand er als eine ehrenvolle Auszeichnung, die man nicht genießt, sondern als Aufgabe betrachtet, der man sich mit ganzem Können unterzieht. Wenn er als Schriftführer der Gemeindevertretung seines Amtes waltete, wenn er in einer Kommission an den Beratungen teilnahm, war es immer erstaunlich, wie er sich ganz der Sache hingab, jedem Privatgespräch abgeneigt war, und seine gesamte Aufmerksamkeit den Verhandlungen widmete. In der Finanzkommission war er Referent für das Bestattungswesen, und seine sachliche ernste Arbeit war allen bekannt. Aber er betätigte sich auch innerhalb des Büros der Gemeinde mit Fleiß und Hingabe. Wann immer man seines Rates und seiner Erfahrung bedurfte, er stellte seine Arbeitskraft mit Verständnis und Erfolg uneigennützig in den Dienst der Gemeinde. An seiner Bahre wurde schon geschildert, welche Genugtuung es ihm war, den Kindern am Laubhüttenfest Gaben zu verteilen und Freude zu bereiten. Diese innere Freundlichkeit seines Wesens, verbunden mit Offenheit und Geradheit, verschaffte ihm bei allen Gemeindevertretern Zuneigung und Sympathie, sein unermüdlicher Fleiß und sein praktisches Wirken wurde in allen Kreisen der Verwaltung der Gemeinde aufs höchste geschätzt. Sein Hinscheiden bedeutet einen schweren Verlust für die Gemeinde. Die Mitglieder der Gemeindegremien trauern mit seiner Witwe, die ihm eine so verständnisvolle Gefährtin war, und seinen Söhnen um den vortrefflichen Mann. Bei der Beisetzung, bei welcher Dankesworte für das Wirken des Verstorbenen innerhalb der Gemeindevertretung und deren liberaler Fraktion von Dr. Merzbach und für den Freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben von Sanitätsrat Dr. Ettlinger gesprochen wurden, hat Rabbiner Dr. Seligmann die liebenswerte Persönlichkeit des Verstorbenen eingehend geschildert; die Worte, in die seine Gedächtnisrede ausklang, mögen hier wiederholt werden: - Möge es unserer Gemeinde nie an Männern fehlen, die mit der gleichen Hingabe, der gleichen Uneigennützigkeit und Warmherzigkeit für sie arbeiten! R. M. Goldene Hochzeit 19. Oktober: Kaufmann Bing und Frau Mina,' geb. B a e r, Wingertstraße 3. Silberne Hochzeit 20. Oktober: Heinrich Süß und Frau Lena, geb. Brafmann, Hegelstraße 14. 70. Geburtstage 24. September: Frau Sabine Feüehtwanger, Körnerstr. 3 4. Oktober: Siegfried K a hn, Gärtnerweg 6 5. Oktober: Frau Friedericke Wittekind Wwe., Seilerstr. 9 10. Oktober: Hugo Koch, Liebigstraße 50.

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