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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-10-01 · 2 (10.1934) · p. Seite 52

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
2 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 52 (sequence 10)
Language
German
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Seite 52 Sportverbänden kommenden nichtzionistischen Sportlern neue Betätigungsmöglichkeiten zu geben. Mit eins standen diese vor einer völlig veränderten Sachlage. In Deutschland war etwas geschehen, was die Blickpunkte verschob. Der Sport, bisher Selbstzweck, wurde plötzlich zu einem Faktor völkischer Erziehung, die sich ohne die Juden vollzog. Notgedrungen begann man innerhalb des deutschen Judentums einen eigenen Bau zu errichten. Hatte man sich bisher geirrt, die Geschichte der Leibesübungen falsch gesehen? Oder war mit eins überall, nicht nur in Deutschland, der Sport zu einem Faktor von volkserzieherischer Bedeutung erwachsen? Innerhalb des deutschen Judentums wurde auf dieses Ereignis wie auf andere politische Geschehen verschieden reagiert. Der deutsche Makkabikreis stand bisher schon und steht auch weiter auf dem Boden der Anschauungen von Rasse, Nation und jüdischen Volkstum. Seine sportliche Erziehung erhält so eine klare Zielsetzung. Die anderen, von der Erziehung zur deutschen Nation plötzlich ausgeschlossenen, stehen vor der Tatsache: auch für sie gibt es heute einen jüdischen Sport, auch für sie gewinnt jetzt jedes Spiel, jeder neue Verein an jüdischer, klarer, bestimmter deutsch-jüdischer Bedeutung. Sie können sich nicht auf den Boden von Blut und Rasse stellen; ihre große Aufgabe sehen sie darin, junge jüdische Menschen sportlich zu erziehen, nicht mehr um ihrer selbst — sondern um des deutschen Judentums, damit auch um Deutschlands willen, in und mit dem sie weiterleben wollen. VI. In einem ungeahnten Maße nehmen nun die jüdischen Sportverbände an Zahl und Ausdehnung zu: der Makkabi erfaßte in 55 Vereinen 14 000 Mitglieder, der neugeschaffene"^,Sportbund im - R. j. F." innerhalb eines Jahres: in 133 Vereinen 13 000 Mitglieder. Nimmt man nun hierzu noch die neutralen Sportgruppen, die jetzt auf Grund der neuesten Verordnungen sich zu einem der beiden Großverbände bekennen müssen, so dürfte die Zahl der organisierten jüdischen Sportler in Deutschland 32 000—35 000 betragen. Diesen 35 000 jüdischen Sportlern stehen nun 55 000 Jungens und Mädels (in 13—14 Reichsbünden) gegenüber, die in dem „Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände" zusammengeschlossen sind. Wohl dürfte hier, gerade bei den zionistischen Bünden, manche Ueberschneidung vorliegen, so daß man wohl mit rund 75 000 organisierten jüdischen Menschen in Deutschland rechnen kann, die entweder durch die Bünde oder die Sportverbände Leibesübungen betreiben. — Das sind 20—25% des deutschen Judentums! Alle anderen sind immer noch nicht erfaßt, oder treiben als Unorganisierte Sport. Mit der Tatsache aber, daß immer und immer mehr den jüdischen Jugendbünden die Betätigungsmöglichkeiten genommen werden, die beiden jüdischen Großorganisationen im Sport aber staatlich anerkannt wurden, hat der jüdische Sport — gleich welcher Zielsetzung — ungeheuer an Bedeutung und Verantwortung gewonnen. Wir deutschen Juden haben eine ungeheure Chance. Wir leben in einem begrenzten Lebensraum. Der äußere Druck hat uns — zumindest im organisatorischen Sinne — zu einer Einheit gefügt. Einheitlich für alle Richtungen deutschen Judentums bleibt die Möglichkeit der völligen körperlichen Erneuerung. Rechnen wir einmal: werden in 20 Jahren durch Schulen, Bünde und Vereine alle Menschen bis zu vierzig Jahren systematisch durchgeschult, so haben wir dann ein deutsches Judentum, das rein körperlich über weitaus größere Kräfte verfügt, als das heute der Fall ist. — Hinzu kommt die geistige Erneuerung dieser Zeit. Diese Chance ist rein theoretisch errechnet; aber trotz aller Verschiebungen durch die Tatsachen täglichen Geschehens — ein Teil bleibt Realität. Diesen Teil zu nutzen ist unsere Aufgabe. Wir haben die Chance der Eigengestaltung: wir können neue Wege gehen, prüfen, suchen. Es ist Aufgabe dei Schulen, Verbände und Vereine, der Mittelstellen, der Eltern und Erzieher, die Aufgabe der Situation zu erkennen. Abschied von einem Schriftstellerheini Moritz Goldschmidts Kunstsammlung wurde versteigert Von Dr. Georg Schott Es ist so oft Schicksal der Kunstsammlungen, daß sie, mit unendlicher Sorgfalt und Liebe von überall her mühsam zusammengetragen, wieder nach aller Welt zerstreut werden, wenn ihr Besitzer dahingegangen ist. Auch das Heim des bekannten Frankfurter Schriftstellers und Kunstfreundes Moritz Goldschmidt, den im Juni der Tod von seinen treu gehegten Kunstschätzen und dem — trotz allem — so sehr geliebten Leben abrief, hat jetzt (am 13. September) sein Mobiliar und seinen Schmuck an den hergeben müssen, der das Meiste dafür geböten hat. — Die Wohnung, in stiller Westendgegend gelegen, ist schon zu Lebzeiten Goldschmidts ein kleines „Museum" oder, wenn man will, ein „Old curiosity shop" gewesen; erst recht trat am Besichtigungs- und Versteigerungstage in den drei sehr kleinen Zimmern der reiche Bestand klar und in „neuer" entstaubter . Frische zu Tage. U. eberall Bilder, Bücher und schöne Gegenstände, die — so entbehrlich sie vom Standpunkt der Zweckmäßigkeit mitunter sein mochten — für den Inhaber dieser Räume weit mehr als bloßen Zierrat bedeutet haben. Was in Jahrzehnten gesammelt und — mit Opfern — erworben war, wurde gleichsam ein Stück von ihm selbst, und nur schweren Herzens brachte er es zuweg, sich von irgend etwas zu trennen, wenn es ihm die bittere Notwendigkeit des Daseinskampfes dringlich gebot. Vieles von dem, was jetzt ein letztes Mal zusammen vereint war, hatte eine Geschichte: Dankbarkeit von Künstlern unserer Tage, die Moritz Goldschmidt, der feinsinnige Kenner und Versteher, auf ihrer Bahn gefördert hat, sprach daraus, ein sicheres Urteil für heranreifende Begabungen, ein offenes Auge für Schönheiten und Reize, die nicht an der All-. tagsstraße lagen. Man ahnte kaum, was die bescheidene Bürgerwohnung alles in sich barg; ein „Miniatur-Louvre" war dort nach und nach entstanden, die Wände ebenso voll behängt, jede Raummöglichkeit bis zum letzten Winkelchen {ja bis an Bett und Waschtisch) ängstlich ausgenutzt, alles scheinbar ebenso locker und völlig unsystematisch aneinandergereiht wie in der ber.ühmten Pariser Kunststätte. Und es hat^für den Besucher einen Reiz besonderer Art ausgemacht, wenn er mit dem Inhaber, der von jedem kleinen Ding alle Einzelheiten genau wüßte, diese Schau betrachten, mustern, genießen konnte. Hinderte haben noch einmal die letzte Möglichkeit genutzt und einen Blick in dieses — vom Auktionator schmuck hergeriuhtete — Schriftsteller he im geworfen. Sie fanden auf engem Raum nicht weniger als etwa 30 0 Bilder und Handzeichnungen älterer und modernerer Meister, darunter gute Namen aus der nahen Vergangenheit wie der Gegenwart. Eine Und dann vergessen Sie nicht die DROGERIE SCHNEEMAN .. Schillerstrasse 2 - Telefon 22273 »

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