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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-10-01 · 2 (10.1934) · p. Seite 50

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
2 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 50 (sequence 8)
Language
German
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Seite 50 gönnt war -durch die Wirren der Vergangenheit und die Schwierigkeiten der Gegenwart hindurch die Bank zur alten Kraft und Größe zurückzuführen". Aber er hatte selber seine alte Kraft nicht wiedergewonnen, und ehe ein Jahr verging, traf ihn ein Herzschlag, am 8. September 1934. Dem künftigen Historiker des deutschen Judentums mag zunächst der äußere Verlauf dieses Lebens kennzeichnend erscheinen: ein jüdischer Bankier, der zum Leiter einer der größten.deutschen Aktienbanken wurde, mit seinen ungewöhnlichen Gaben in diesen Jahrzehnten der deutschen Wirtschaft hingebungsvoll diente und zum Schlüsse gefällt wurde von einer Enttäuschung, die ein Stück des Gesamtschicksals der deutschen Juden war. Aber eine solche Typisierung würde nicht einmal Wassermanns Berufsleben gerecht werden. Mancher deutsch-jüdische Kaufmann hat ähnliches erlebt — aber wie viele waren darunter, die noch Talmud zitieren konnten? Und für Oscar Wassermann war — obgleich er keineswegs orthodox war — diese Bindung ans Judentum keine nebensächliche Beigabe, sondern ein Stück seines Wesens, eine Quelle für die menschliche Ueberlegenheit, die den Berufsweg bestimmte. Aber diese Bindung war ihm nicht nur treu bewahrte Tradition, sondern stets lebendige Verpflichtung. Mit den religiösen Parteien und politischen Organisationen des deutschen Judentums wußte er freilich nie viel anzufangen; besonders wenig vielleicht deshalb, weil er, der aus der Geschlossenheit des süddeutschen Gemeindelebens kam, mit dem zerspaltenen jüdischen Leben in Berlin schwer Kontakt finden mochte. Seine Neigung und Mitarbeit galt betont gesamt jüdischen Aufgaben: zunächst der Akademie und der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, dann und vor aUem dem Aufbau Palästinas. Sein Wirklichkeitssinn sagte ihm, daß er dabei rechnen müsse mit dem führenden Einfluß des jüdischen Nationalismus, den er nicht billigte; aber derselbe Wirklichkeitssinn sagte ihm auch, daß die nie abgerissene Gefühlsbindung Palästina einen Vorzug verschaffe unter allen Ländern, in denen Aussicht bestand, jüdischer Jugend durch Siedlung eine Zukunft zu schaffen; und schließlich sagte er ihm, daß das Judentum die Chance nicht versäumen dürfe, seine Lebenskraft zu stärken durch die Entwicklung eines jüdisch-kulturellen Lebens im jüdischen Land und in der hebräischen Sprache. So setzte Oscar Wassermann seine Bedenken beiseite und stellte sich führend vor die Reihen derer, die um die Mitwirkung auch der nichtzionistischen deutschen Juden am Aufbauwerk warben. Von der Gründung im Jahre 1922 an präsidierte er dem deutschen Keren Hajessod. ebenso von 1929 an dem deutschen Initiativkomitee für die Erweiterung der: Jewish Agency. Sodann gehörte er dem Council und dem-Administrative Committee der Jewish Agency an und war einer der- Vorsitzenden ihres Finanzausschusses. Sein Rat hat in diesem Kreise gute Dienste geleistet, aber er begnügte sich nicht mit dem Rat; er hat auch persönliche Opfer gebracht, ernstere, alsman außerhalb eines engen Kreises weiß. Heute ist nach langen Kämpfen einem großen Teil des deutschen Judentums die Verbindung von Treue zur deutschen Heimat und Anteilnahme am jüdischen Leben Palästinas Lebensgrundlage geworden. Es soll nicht vergessen werden, daß Oscar Wassermann in seiner Bindung an jüdische Tradition und in seiner Freiheit in deutscher Gegenwart diesen Weg ein Jahrzehnt lang geführt hat. Gewiß hat Oscar Wassermann auch Fehler gemacht. Aber er war auch sich selber gegenüber kritisch genug, um sie selbst zu erkennen, und seine Schwächen waren nur die Schatten seiner Vorzüge. Ob er im Bewußtsein seiner Pflicht für Palästina arbeitete oder für . die Bank oder ob er zu seiner Freude seinegroße und schöne Sammlung alter Kunst um ein neues- Stück bereicherte, er war immer derselbe: klug, treffsicher und unabhängig in seinem Urteil, ruhig, sachlich und schlicht in seinem Wesen — ein D^n und ein Qfi zugleich. Es ist ein. Trost, zu wissen, daß das deutsche Judentum fähig war, in diesen, Jahrzehnten einen solchen Mann hervorzubringen. a. o. * Von den zahlreichen Aeußerungen der Hochachtung, Freundschaft und Trauer, die bei Oscar Wassermanns Tod bekannt wurden, geben wir nur eine wieder. Die Reichsvertretung der deutschen tfuden und der Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau haben folgende Kundgebung veröffentlicht: „Tiefer Schmerz um den allzu frühen Heimgang von Oscar- Wassermann erfüllt die Gesamtheit der deutschen Juden. Früher und stärker als viele hat der Verewigte den Gedanken des großen Ganzen, das alle verbindet und alle umschließt, zu sich sprechen lassen. Früher und lebendiger als viele haben ihn Fragen und Aufgaben der Zukunft des Judentums innerlich ergriffen. Seinen Ideen hat der Gang der Tage Recht gegeben. Als ein Mann, zu: dem alle mit tiefer Gewißheit und Verehrung hinblickten, stand der Entschlafene in unserer Mitte. Seine Erkenntnis und sein Rat waren immer bestimmend und entscheidend in ernsten Stunden. Die treue Dankbarkeit für das, was Oscar Wassermann durch' seine Persönlichkeit und durch sein Wirken uns allen gewesen ist, wird aus unserer Mitte nicht schwinden." Leibesübungen und Judentum Von Paul Yogi Mayer I. In diesen Tagen, in denen der Lebensraum der jüdischen Bünde durch neue Verordnungen immer mehr und mehr eingeengt wird, haben sich die beiden großen jüdischen Sportverbände Deutschlands, der „Deutsche Makkabikreis" und der ,,Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" zum „Reichsausschuß jüdischer Sport verbände" zusammengefunden, der als alleinige jüdische Sportorganisation staatlich anerkannt wurde. Unter dem Eindruck dieser, in ihrer Bedeutung fast noch völlig verkannten Tatsache, sei das Folgende aufgezeigt. n. Nur aus echtem Verhältnis der Dreidimensionalität: Seele — Geist — Körper — kann der Mensch erwachsen, der Bewahrer und Gestalter des deutschen Judentums werden soll. — Diese, vielen DEUTSCHE EFFECT EN* UND WECHSEL,BANK Konstabier Wache Allerheiligenstrasse 89 Osthafen Hanauerlandstrasse 125 Bockenheim Leipzigersirasse 50 vormals L A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seit 1872 FRANKFURT AM MAIN Kaiserstrasse 30 Individuelle Beratung Auch in den Städten: Höchst a. 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