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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-09-01 · 1 (9.1934) · p. Seite 35

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
1 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 35 (sequence 37)
Language
German
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Seite 35 Heiligung, die uns an jenem Tage in Wahrheit zu einem „Volk von Priestern" macht, der braucht nicht zu fragen, ob ein Erlebniswert von ihm ausstrahlt, da fühlen wir uns als Teil eines Ganzen, da erleben wir jüdische Gemeinschaft. Wieder und wieder hört man in Kreisen, die nur die äußere Form der Weihe sehen, Stunde um Stunde die Worte statt des Sinnes hören, warum etwa das Sünden- Bekenntnis so allumfassend und'in der Pluralform gesprochen wird, und doch ist es uns, die wir den Geist dieses Tages zu erfassen suchen, die selbstverständliche Form der Verbundenheit des Einzelschicksals mit dem Gesamt judentum, da wir als Glaubensgemeinschaft die Heiligung erfahren. Kann man aber soich Erlebnis der-Jugend vermitteln, kann man sie empfänglich machen für den eindringlichen Ruf des Schofartons? Mit schmerzlichem Bedauern — nicht um unseret- Avillen — sehen wir auch heute noch große Teile jüdischer Jugend abgewendet solchem Judentum, aufgehend in wirtschaftliche und politische Sorgen, verhärtet gegen den Sinn. Auch in unseren Reihen ist mancher, dem religiöses Erleben fern stand, da es im Elternhause nicht gepflegt wurde, wir suchen sie teilnehmen zu lassen an dieser Weihe des Daseins, indem wir besprechen und suchen lassen, indem wir sie einführen und sich einfügen lassen in die Gedankenwelt jüdischen Seins. In Formen, die sie verstehen, in Weihestunden, die ihrem Empfinden entsprechen, führen wir sie Schritt um Schritt zurück zu jüdischem Erleben. So bereiten •wir sie und uns alle für unsere Feste und insbesondere für das Erlebnis dieser heiligen Tage vor und wenige Tage vor dem Feste des Anfangs begehen wir eine gemeinsame, von uns selbst gestaltete Weihestunde, aus eigenem zu zeigen und herauszuarbeiten, wie wir die Größe dieser Feiertage erfassen, um sie als Gemeinschaft zu erleben. Jeder Einzelne in der Gemeinschaft muß sie in sich erarbeiten, muß sie verstehen als Glied der großen jüdischen Gemeinschaft, wie als sittliche Forderung an ihn selbst. Heilig ist nur der Ewige, wir aber sollen einmal im Jahre uns erheben zu jener unerreichbaren Größe, einmal abstreifen alles Irdische und nur der Seele leben, die sonst, das weiß die jüdische Religion, ja immer verdrängt wird, zu oft der Härte der Notwendigkeiten unterliegt. Einmal im Jahre aber kann es wahr werden, kann der Mensch sich sammeln und Krone der Schöpfung sein und kann gestärkt und gereinigt durch solche Größe in die irdische Welt zurückkehren. Dann müssen solche Stunden auch Früchte tragen, da sie loslösen vom eigenen Selbst und uns zusammenschmelzen als Kinder eines Gottes, als Träger Seines Namens durch die Jahrtausende, für Ihn und stark durch Ihn in der Gemeinschaft. Mit solchen Gedanken gestärkt wissen wir uns frei von bänglicher Sorge, sind wir bereit zum Kampfe des Lebens. Und wenn draußen unüberwindlich scheinende Hindernisse uns entgegentreten und Furcht uns zu befallen droht, dann kämpfen wir mutig als Jugend um unser Dasein und tragen doch zugleich mit dieser Jahr um Jahr sich erneuenden Befriedung in Demut stark unser jüdisches Schicksal. A r t h u r A 5 t h e i m e r Jüdische Feste und deufschjüdische Jugend Dinge der Religion sind fast nie. wenn man sie tief verantwortungsbewußt leben will, ein Gemeinsames, sondern immer einzelbezogen, einzelbezogen weil die religiöse Substanz die tiefste Weisung unseres Lebens, immer personengebunden, nie Gemeinschaftsbesitz sein kann. — Nimmt man nun die Tatsache des Vorhandenseins als etwas Gemeinsames, so muß man sich trotzdem bewußt sein, daß Gemeinbesitz erst durch Gemeinwi 11 e zur Gemein s e h a f t wird. Wenn der junge Jude in Klarheit zu den Dingen seiner Religion stehen will, so muß er das Erlebte in die Bewußtseinsebene zu heben versuchen, sich bemühen, es in das heutige Geschehen einzuordnen. Das kann aber nur erfolgen, wenn er weiß, wie sich diese Zeit in andere Zeiten fügt. — Religion ist zeitverbunden. Religiosität zeitlos. Zu diesem ewig Zeitlosen, dem Religiösen, sei zuerst etwas gesagt. Religiosität eines jüdischen Menschen kann nie etwas anderes sein als jüdische Religiosität. Jüdische Religiosität kann ihren Niederschlag nur in jüdischer Religion finden. Aber von religiöser Substanz bis zur Religion ist ein langer Weg. Der Weg kann länger sein als ein kurzes Menschenleben. Und von diesem Weg hier zu sprechen, ist Aufgabe, wenn man die Verbindung „jüdische Feste und deutschjüdische Jugend" aufzeigen will. Darum muß man, wenn man von der deutschjüdischen Jugend sprechen will, den Ursprung ihrer Haltung, das Bündische und aus ihr jenes ewig Zeitlose, das Religiöse ihres Lebens zu erkennen versuchen. H. „Wir wollen unser Leben nach eigener Verantwortung und mit innerer Wahrhaftigkeit gestalten." (Meißner-Formel.) Bündische Menschen: Das sind junge Rebellen gewesen, die Sturm liefen gegen Staat und Gesetz, Gesellschaft und Moral, Zeitgeist und Mode, Kirche und Dogma. — Ueber ihrem Sturmschritt flatterte ein Wort wie eine Fahne: „Freiheit!" — Personenhafte Verantwortung, eigene Verantwortung, - Mein Hut-SaEon befindet sich jetzt Fellnerstrasse6, part. i früher Edith Schmidt f\ * II. Atelier für elegante Damenhüte •jJCAt »VU/W Telefon jetzt 57185 |AA Spezialhaus ■ ^Swfll^SV feiner Damen-Wäsche Gr. Eschenheimerstr. 8 Handschuhe » \ ' . META SIMENAUER Katha-rinenpforte. 2 zeigt den EIN GANG NEUER PULLOVER an. ä Adolf Breitenstein Konstabier Wache Das Spezialgeschäft für gute Herrenwäsche - Krawatten

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