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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-09-01 · 1 (9.1934) · p. Seite 36

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
1 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 36 (sequence 38)
Language
German
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Seite 36 darum ging es. Um Entscheidung aus der eigensten Substanz heraus, aus dem Ich, dem Individuum, nicht dem Kollektiv. Und das mit innerer Wahrhaftigkeit! — So waren jene berauschenden Worte am lodernden Feuer, schweigende Märsche in herbstnebliger Nacht voller echtem Pathos. Aber nur so konnten sie einen Weg finden aus ihrer eigensten Substanz heraus, die sich eigene Werte schuf. So kam es, daß der Prometheus ihr Gebet, der Zarathustra ihre Bibel wurde. Das war. — Was geworden ist, ist dem unendlich fern. Die deutsche Jugendbewegung ist in den Strom der nationalsozialistischen Bewegung eingemündet. Der Weg der deutschjüdisehen Jugend muß aber eine andere Richtung finden. Herkommend von gemeinsamem Aufbruch mit anderer deutscher Jugend steht sie nun allein. — Und über die damalige gemeinsame Aufgabe hinaus ragt jetzt eine zeitbedingte und zeilgeformte Forderung: Neubau deutschen Judentums. DI. Unsere Aufgabe ist es, das Religiöse, das Ewigzeitlose zu erkennen. Diese Aufgabe ist so groß, daß wir Jahre dazu brauchen werden. Einzelne werden heute schon weiter gehen können. Aber erst aus dem Gemeinbesitz des Religiösen kann sieh eine Gemeinschaft zur Religion, Gemeinde, entwickeln. Es bleibt daher immer zu prüfen, wieweit es zum Gruppenbesitz, Gesamtwille geworden ist. — Und sollte einer sein ganzes Leben dazu brauchen, um jenes Religiösen offenbar zu werden, so müssen wir wissen, daß uns diese Bemühung unendlich wertvoller sein muß, als jene „pathetische Pose", in die oft die Synagoge hinabgezogen wurde. Wir hassen jenes falsche Pathos! — Wahrer Neubau kann erst dann beginnen, wenn jener seelische Stuck und jene religiösen Atrappen niedergerissen worden sind! — Wenn man wilL so mag man diese Bewegung revolutionär nennen, und so bleiben denn die bündischen Menschen deutschjüdischer Jugend weiter Rebellen. w. Manches dieser Worte mag hart gewesen sein, vielen ihre Verbindung mit jüdischen Festen unverständlich. Aber, wo keine Werkstunden sind, ist kein Feierabend, wo keine Feierabende sind, keine Feiertage, wo jenes Ewigzeitlose das Religiöse nicht mitschwingt, kein Judentum. So haben Karnevalveranstaltungen an Purim wohl kaum noch etwas mit Judentum zu tun. Wir haben Zeit, unendlich Zeit, mehr als je eine Generation vor uns. — Wir haben nichts mehr zu verlieren, höchstens uns selbst, aber wir haben alles zu gewinnen, nur aus uns selbst! — Und weil wir diese unerschütterliche Gewißheit haben, darum können wir zaghaft beginnen. Wenn man unser Tasten nicht sieht, unser Suchen nicht hört, weil andere unter blauweißer Fahne marschieren, so wissen wir, daß der Urbeginh in dem Ewigzeitlosen liegt und suchen stumm weiter. Uns ist zu aktuell, was da geschieht, alles zu zeitbedingt, alles zu zeitgeformt. Was wir zu tun haben, muß über der Zeit stehen. V. Not lehrt beten. Wir haben nicht gesehen, daß die Not die Gebete inniger gemacht hat. Sie haben das Judentum als Politik, ja sogar als. politische Theologie entdeckt. Dort ist kein Anfang, aber dort ist ihr Ende, Ende des Judentums. Wir stehen am Anfang. Beim Menschen, bei uns. in uns. Was geschieht, ist leis und "zaghaft, und wer es nicht hören will, kann es nicht hören. Der sieht es erst, wenn es mehr geworden ist. So mag er warten, wie eben alle Juden warten, oder er mag die von uns suchen, die schon weiter sind. So stehen wir zu jüdischen Festen und von dort aus kommt unsere Bemühung um sie. Das Problematische hieran ist das „wir", denn wer hat zutiefst das Recht und die Gewißheit statt ,ich" „wir" zu sagen? — Aber man hat nach einem „wir" gefragt und so habe ich mein „Ich" in das „Wir" gestellt. Weil wir hier in Deutschland eingeboren sind, darum hat jene Bemühung ihre bestimmte Prägung. Und sollten wir einst in die Gestaltung jüdischen Lebens eingreifen können, daß auch alle es sehen, so werden unsere jüdischen Feste unser Eingeborensein in Deutschland offenbaren. Die Zeit ist laut und das Laute steht gegen uns. Aber wir lachen der Zeit, weil wir um das Ewigzeitlose kämpfen, um das Religiöse. Paul Yogi Mayer Spezial-Damen-Friseur E. BIELINSKI & Schweizer straße 12 Tel. 61862. Dauerwellen, Haarfärben, Wasserwellen & Rolinim 6X9 26« -85 Ig Aufnahmen UJ A *>* nnuusfi Fotoarbeiten fachmännisch und schnell E. KRIEGER jetzt Friedbergerldstr. 25 Einziges jüd. Geschäft am Philanthropin S5mtl. Schulartikel f. d. Philanthropin Papiei. Schreibwaren, Kurz-, Merceriewaren Hertha Hirsch Sachsenhausen Textorstr. 9 Tel. 61998 empfiehlt sich in Kolonialwaren, Obst und Gemüse, Südfrädite Hermann HecKeroth Geschmackvolle u. gut sitzende Leibwäsche Feine Bett- und Tischwäsche E. 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