Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 13 (1934-1935)
- Issue
- 1 (9.1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
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Seite 34 der täglichen Betätigung bessere Berücksichtigung fände. Ein paar Stunden im Jahre seinem inneren Menschen geopfert, können dem ganzen Jahre fruchtbare Anregungen verschaffen. Es gibt Dinge im menschlichen Leben, die dem erkennenden Verstände verschlossen bleiben. Ereignisse besonderer Art erhellen oft plötzlich innere Zusammenhänge, die unsichtbar schienen. Nichts ist geeigneter, dem suchenden jungen Juden sein Judesein näherzubringen als die „Jomim nauroim" dieser Zeit. Die jüdische Jugend Deutschlands steht heute an der Front jüdischen Grolusschicksals. Ihr sind daher die Worte eines Jungen der Frontgeneration von 1918 vielleicht verständlicher: „Wenn Eltern sonst die Tränen ihrer Kinder sehen, hier sehen Kinder ihre Eltern weinen und wissen nicht warum — sie ahnen nur. Und dieses Ahnen ist der „Furchtbaren Tage" tiefster Sinn. In diesem stummen Ahnen unserer Kinder liegt das Mysterium des Judewerdens ..." Es gibt nichts, was dem Leben und den Gedankenkreisen unserer Jugend so nahe steht, wie die Art der Feier des Sukkausfestes. Heraus aus der verhaßten Atmosphäre von Klubsessel und Schulbank in die Romantik der Laubhütte. Früher schon im Freien Früchte gesammelt zu ihrem Schmuck, Ketten gemacht und die wundersamsten Gehänge aus Buntpapier geschnitten. Das hat stets die Großen und die Kleinen, die Mädels Avie die Buben erfreut. Wenn wir hören, wie die Palästinawanderer aus mitgebrachten Kistenresien sich ihre Sukko zimmern, so wird uns die Aktualität des Dranges zur Einfachheit, die gerade dem Reiferen liegt, verständlich. Der Feststrauß bringt in seiner Mannigfaltigkeit die vielfache Verbundenheit mit den Erzeugnissen des Bodens und dem Boden unseres Landes in Erinnerung. Die ungebundene Freude von Simchas Thauro, so sehr sie doch auch ein Fest der Alten sein müßte, ist bei uns die unumschränkte Domäne der Jugend geworden. Es besteht bei unserer Jugend trotz allen Ernstes der Zeit ein großes Bedürfnis, das angeboren scheint, Feste zu feiern. Hier ist einmal eine Gelegenheit, jüdisch zu feiern, uhne Künstelei und innere Fremdheit, wie sie noch manchem „Oneg Schabbath" anhaftet. Der reiche Schatz von Melodien der Synagoge und des Hauses steht zur Verfügung und die Suggestion allgemein freudiger Erregtheit macht das einfachste Spiel und den harmlosesten Humoristen zur Quelle sorglosester Fröhlichkeit. So kann auch heutige Jugend unsere Feste jüdisch begehen. Dr. Ernst Freimann Der religiöse Erlebniswert der hohen Feiertage In einer Zeit, in der die jüdische Jugend sich mehr denn je auf ihr Judentum besinnt, aufrecht und stark ihr jüdisches Schicksal zu tragen bereit ist und es zu erfassen sucht, weisen die hohen Feiertage, mit denen unser jüdisches Jahr beginnt, unmißverständlich und eindringlich fort von äußerem Geschehen zu innerem Erleben. Die religiös-liberale Jugend, die mit tiefem Ernst in den Geist unseres erhabenen Glaubens einzudringen gewillt ist, ist empfänglich für die eherne Wucht dieser Stunden. Wie sie, mit keinem anderen „Feste" vergleichbar, fordernd und mahnend vor uns stehen, so wollen wir sie erfassen und zum seelischen Erlebnis gestalten. Zwei Dinge treten an diesen Tagen vor uns hin: VergänglichkeitundHeiligung. In diesem jetzt ablaufenden Jahre hat die jüdische Jugend Frankfurts zwei wertvolle junge Führer verloren, uns alle hat dies zutiefst erschüttert. Und dennoch liegt es in der Natur der Jugend begründet, den Tod als ein sehr fernes, sie kaum betreffendes Geschehen zu empfinden. Nicht so sehr die eindringliche Mahnung an die .Vergänglichkeit unseres Daseins, der Schauer in der Symbolik der Totenkleidung erschüttert die Jugend, es ist die völlige Loslösung vom Alltag, die Empfindung der Gottesnähe in, der Forderung der Heiligung des Menschen, die zu uns spricht. Hier haben diese Tage ihren Erlebniswert für die, die sie begreifen, ungleich größer und tiefer, als alle Feste des" Jahres. Ja es ist wohl der größte Erlebniswert, der einem Menschen überhaupt zuteil werden kann, dies Hinauswachsen über sich selbst, über die kleinen und großen Sorgen, die Befreiung von den Fesseln irdischen Kampfes. Wer je den V e r s ö h n u n g s t a g erfaßt hat mit dem tiefen Sinn des Vergessens aller erdgebundenen körperlichen Triebe, jene restlose ununterbrochene Hingabe an den göttlichen Vater, wessen Seele sich emporgeschwungen hat zu jener f(------- - % C h arl otte- S c h mu c k Charlotte-Geschenke für jeden Geschmack und . . . billig r*La»lAllA Rossmarkt 17 VnOrivT ■© neb- Salamander jetzt auch Kartenvorverkauf Neue*Theat. [ohne Au'schlag^jj LinaKasselNcM. Eüs. Müsse KalbSc«<er- A^r/ gasse 18/,<y / Tel. /f/ 26934 / SPCZ □ / Hachez / ^Ö>X / E. Himann-BerHn /js? /-- Gut gekleidet durdi J- ■ ^-^rir>e^iazJ^? 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