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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-09-01 · 1 (9.1934) · p. Seite 12

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
1 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 Aussprache Neue Wege Von Alfred Auerbach. Es ist ganz folgerichtig — neue Lage braucht neue Ideen. Nun liegt in einem neuen Begriff noch keine neue Idee. Niemand von uns behauptet es. Als das Kadio neu war, gebrauchte man auch gern das akademische Wort „Studio" und wollte damit die interne Arbeit andeuten, die sich mit Experimenten und noch unzulänglichen Ergebnissen vorantastete. Ich habe die mühselige Umschau und Prüfung und die dürren Ergebnisse geduldig mitgemacht. Nun gilt es wieder solche Arbeit zu macheu, gut, es soll geschehen. Das künstlerische Instrument „Jude" muß neu gemessen, neu geprüft, neu gefördert, neu mit Schwungkraft geladen werden. Da muß der Allgemeinheit, den Wartenden zunächst einmal zugerufen weiden: „Bitte Geduld". Es ist nun einmal bei dem nervösen Zeitmenschen so, daß er zwar nicht an Wunder der Märchen, aber an Wunder der Technik jrlaubt und Wandlungen und Angleiehungen mit Schlagwörtern herbeirufen zu können meint. Man denke ja nicht, „Studio" sei solch ein Zauberschlagwort. Es ist ein Ruf zur Einsicht, zur Geduld, zum organischen, pflanzlichen Werdenlassen. Man kann keine „Dramen" herhexen, man kann keine jüdischen Schauspieler, die den veränderten Forderungen Stand halten, mit Formeln heranmurmeln. Man muß Umschau und Grundbeschau vornehmen und suchen, wo ist echte Phantasie — nicht die Fabrikphantasie der Kunstlieferanten von früher — wo ist Empfindungskraft — Gestaltungsgabe — Schlichtheit und Hingabe? Wo sind die jüdischen künstlerischen Menschen, die nicht, wie zuvor betriebsam, sondern beseelt sind, sie herauszuholen aus den Unbeachteten. Ob jung oder alt, sie müssen heran. Idealismus, ist ein ausgehöhltes Posenwort geworden... und doch, ist das Wort auch leer — die Kraft ist da in der jüdischen Seele, sie ist durch das allzuviele Reklameereschrei über Scheinbegabungen, hinabgescheucht worden in die Region der Scheu.« Idealismus verträgt keine Ueberbeleuchtune durch Essays. .' „Studio" hat keine Effektlichter zur Verfügung — es muß wieder einmal bei bescheidener Beleuchtung — Grundkraft, nicht Sensationsmache — finden, nicht „entdecken", das ist ein zu anspruchsvoller und also hoffentlich erledigter Vorgang. Darstellungstrieb ist in Jedem natürlich gebliebenen Menschen, dem nicht die Umgebung''mit Nüchternheit die Phantasieflügel verbrannt hat. aber diese Flügel, wenn sie noch vorhanden sind, sehen überall anders aus, der südwestdeutsche Jude hat eine andere Phantasie, als der Ostjude oder der Berliner Jude. Nicht umbilden wollen . . ja nicht . . nicht die Flügel mit den vorwitzigen Fingero berühren — schwingen lassen . . Flugkraft beobachten — das ist Studio. Vorarbeit für Dichtwerk und Darstellung. Laßt uns hoffen...!!! Brief an einen ehemaligen Schüler zur Barmizwoh Frankfurt a. M., den 16. August 1934 Lieber Hans! Du wirst am kommenden Sabbat m5£iD *D? I)u wirst „ein Sohn" JT15CÖ „des Gebotes",:das heißt, Du erhältst Deine religiöse Weihe und Mündigkeit. Waren bisher Deine Eltern für Dein' religiöses Tun und Lassen verantwortlich, so hört dies mit diesem Tage auf, an Stelle der Eltern trittst nun Du selbst. — Mit dieser heiligen Handlung verlassest Du aber auch die Kinderjahre und trittst in das Jünglingsalter hinüber. An einem solch wichtigen Wendepunkte des Lebens geziemt es sich, für wenige Augenblicke stille zu stehen und zurückzuschauen auf die verlebten Jahre der Kindheit, wo Liebe Dich gebettet, Liebe bei Dir gewacht, Liebe Dir entgegenläcbelte, wenn Du beim Erwachen Dir den - Schlaf aus den Augen riebest, wo Liebe alle durch Dich verursachten Mühe und Sorgen vergessen machte. — Dann — nach diesem Rückblick — gilt es vorwärts zu schauen und vorwärts zu schreiten mit Mut und Gottvertrauen, beseelt von dem Bewußtsein, daß nicht alle Tage Sonnentage sein können, daß ein weiser Schöpfer in seiner Vatergüte uns Hindernisse in den Weg legt nicht in der Absicht, uns weh» zu tun, nein, im Gegenteil, um unsere Kraft zu stärken, uns vor Verweichlichung zu behüten. Nicht in gerader Linie .schreitet das Leben vorwärts und mit ihm Wohlergehen und Gesittung, sondern in Wellenform. Auf einen Wellenberg, auf ein Hinaufkommen folgt ein Niedergang, ein Wellental. Das sagt Dir, mein lieber Barmizwoh, die Weltgeschichte, das sagt Dir im besonderen die Geschichte des jüdischen Volkes. Und weil es gar " oft an Kenntnis der Geschichte fehlt, darum klappen wir zusammen, bemächtigen sich unser Mutlosigkeit und Verzweiflung, wenn Mißgeschick uns trifft, wenn das Leben (entgegen unserem Wunsche^ verläuft. — Was uns zukommt, kommt vom allmächtigen gütigen' Gott. Blieb uns dies immer im Bewußtsein? Nein! Wir vertrauten allzusehr unserer Kraft, unserer Einsicht. DJ?^ ]T"lttr „Als Israel fett wurde, da schlug es aus". Wir gaben die alte jüdische Einfachheit und Mäßigkeit auf, wurden laut, mitunter auch übermütig, verloren das Wissen davon, daß die Gesamtheit für das Verhalten des Einzelnen verantwortlich gemacht wird. Von all den Tugenden, die unser großer Lehrer Moses besessen, wird in der Schrift nur eine erwähnt — seine Bescheidenheit. War dieser Fingerzeig nicht deutlich genug? Bescheidenheit ist nicht Ausdruck der Schwäche oder gar der Feigheit, im Gegenteil, sie ist der Ausdruck für einen hohen Grad von Selbstbewußtsein. Gerade der laute Schreier will oft innere Angst verdecken und verbergen. nSttJH ttJK'l kommt heran und mit ihm die Zeit der Einkehr und Umkehr, der {"DltPfl Kehre da jeder bei sich selber ein und frage: War bei Dir, war bei uns allen bisher alles in Ordnung? Wenn wir uns hierauf ohne Eigenliebe die ehrliche Antwort geben und die richtige Folgerung ziehen, dann wird es besser werden, dann wird das Judentum, innerlich gereinigt und geläutert, gekräftigt und verjüngt weiterleben können. Und fragst Du mich, mein lieber Barmizwoh, gibt es dann nach dieser Läuterung ein Schutzmittel für sein Weiterbestehen, so antworte ich Dir: Ja, ein solches Mattel gibt es, es heißt: QttfÜ ttVHp „Heiligung des Gottesnamens". Es besteht darin, daß wir überall und zu jeder Zeit bemüht sein müssen, durch unser Gebaren, durch unser Tun und Lassen keinen Anstoß zu erregen, nicht im schlimmen Sinne des Wortes aufzufallen, im Gegenteil bemüht zu sein, zu erreichen, daß unser Verhalten, weil es dann den Forderungen unserer alten Lehrer und Propheten entspricht, als angenehm, gar als nachahmenswert angesehen wird. Ein Sichgehenlassen im Sprechen, in unserem Benehmen zu Hause, auf dem Wege, im Gotteshause — überall von früh bis spät — wird es dann nicht mehr geben, eine gute äußere Haltung wird auch die innere Haltung und Einstellung im guten Sinne beeinflussen. Verlebe diesen Tag in froher und erhebender Weise im Kreise Deiner Lieben, Deiner Gemeinde, Deiner Kameraden und sei herzlich gegrüßt und beglückwünscht von Deinem A. S a 1 o m o n Gemeinde- ^^^fl^B^^^^^ Gemeinde- Mitglied Mitglied f Inletts / Bettfedern \ f Steppp. Bauncnfleclten I H I Bettstellen, Matratzen I ■ VBetten-Bing # Refnecfcsfrasse 15 ^^^l neben Porzellan- ^n^^^ Decner ^^^^r Ueber ^^^^^fe^^^^^^^^^ m Familien- 1C0 Jahre ^^^^H^^^ besitz

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