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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-09-01 · 1 (9.1934) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
13 (1934-1935)
Issue
1 (9.1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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Seite 7 Kulturarbeit im Winter Was plant der Kulturbund Rhein-Main? Die bisherige Arbeit des in Notzeiten gegründeten Kulturbundes deutscher Juden, Bezirk Rhein-Main, rechtfertigt sein weiteres Bestehen. Allein die großen Orchesterkonzerte, die bisher im Mittelpunkt des Programms standen, haben in Frankfurt (mit 9 Aufführungen), im Rheinland (6), sowie in Mainz und Karlsruhe (2) 12 0 0 0 Besucher gefunden, und die Aufnahme bei Publikum und Presse bezeugte den Dank für das in verhältnismäßig kurzer Zeit unter erschwerten Umständen erreichte Niveau. Nun, da bald der Winter vor der Türe stehen wird, soll nach den jüdischen Festtagen Ende September mit der künstlerischen Vorbereitung des Winter-Programms (bis Ende März 1935) begonnen werden. Wieder wird die Musik, der sich ja große Teile der jüdischen Bevölkerung Frankfurts seit jeher besonders stark verbunden föhlen, im Rahmen des Ganzen einen führenden Platz eianehmen. Unter Leitung von Hans Wilhelm Steinberg, dessen Musikenthusiasmus sich in den vergangenen Monaten seinen Helfern am Werk mitgeteilt hat, werden im Laufe des Winters sechs Orchesterkonzerte mit Solisten stattfinden; in ihnen soll die klassische und moderne Produktion in Auswahl vermittelt werden mit der besonderen Maßnahme, daß in jedemKonzert wenigstenseinMusikstückeinesjüdischenKomp o n i s t e n geboten wird. Zwei bedeutsame Aufführungen werden versprochen: das Oratorium „Awodath Hakodesch" von Ernest Bloch und als Uraufführung für Deutschland ein neues Orchesterwerk mit Klavier von Ernst T o c h. — Auch die K a m - m e r - M u k i k, vom Klavier-Geigen Duo bis zum Oktett wird an vier Veranstaltungen gepflegt werden. Vorgesehen ist da u. a. ein Arnold-Schönberg-Abend zum 60. Geburtstag des Komponisten, ein Sonaten-Abend mit Stefan F r e n k e 1 (Geige) und Steinberg (Klavier) und Aufführungen zweier berühmter, aber verhältnismäßig selten gehörter Ensemble-Schöpfungen (Sextett von Beethoven und Oktett von Mendelssohn-Bartholdy). Die Zusammenarbeit mit den Städten des Rhein-Main-Bezirkes hat sich ausgezeichnet bewährt und wird fortgesetzt werden. Der Kulturbund sieht — gewiß mit Recht — in der Gewinnung und dauernden Verpflichtung der Jugend eine seiner wichtigsten, vielleicht schwersten, sicher aber lohnendsten Aufgaben. Man will also auch in Zukunft mit den bestehenden Organisationen und Bünden — ebenso übrigens auch mit den Chorvereinigungen — zusammenarbeiten, und ein S p r e c h c h o r, der unter der künstlerischen Aegide des Kulturbundes stehen wird, soll besonders der Jugend Betätigungsmöglichkeiten geben. Dieser Sprechchor wird auch in einer geplanten Aufführung von Stefan Zweigs „Jeremias" in Erscheinung treten können; wie im Einzelnen die Wiedergabe dieses Werks zu gestalten ist, darüber wird z. Zt. noch beraten — jedenfalls bietet sich hier auch die — oft angeregte — Gelegenheit, jüdischen Schauspielern des Bezirks eine Aufgabe zu stellen. — Die Sonntags -Nachmittags-Veranstaltungen, die sich recht gut eingeführt haben, werden beibehalten, zu verschiedenen Festtagen Darbietungen mit heiterem Programm vorbereitet. Durchwegs Averden künftig die gesamten Veranstaltungen nur Mitgliedern zugänglich sein; es ist daaäch zu hoffen, daß die Zahl der dem Kulturbund Beigetretenen (etwa 1300) noch eine erhebliche Steigerung erfahren wird. Studios für bildende Kunst, Musik, Tanz, Schauspiel wollen vor allem der allgemein kulturellen wie auch der beruflichen Ausbildung der Jugend dienen; es darf hier verraten werden, daß tüchtige jüdische Bläser auch heute Zukunftsaussichten haben. — Endlich sollen Ausstellungen für bildende und angewandte Kunst stattfinden, wie auch die hübschen Bilder-Kartenserien weitergeführt werden dürften. Ein vielseitiges reiches Programm ist also aufgestellt: Sache des Frankfurter kunst- und kulturerfüllten jüdischen Publikums wird es sein, den Erfolg all dieser Bestrebungen durch tätige Teilnahme zu verbürgen und zu verwirklichen! ET. sch. Berufsumschichtung und Wirtschaftskredithilte Aus der Arbeit der Jüdischen Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe in Prankfurt a. M. Von Dr. Rudolf Stahl In den letzten Monaten wurde zwischen den verschiedenen Frankfurter Stellen für jüdische Sozialarbeit eine Vereinbarung über die Abgrenzung der Arbeitsgebiete getroffen. Die Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe hat alle in das eigentliche Gebiet der Jüdischen Wohlfahrtspflege gehörigen Fälle dieser überwiesen, d. h. alle Fälle, bei denen nur mit einer laufenden Unterstützung geholfen werden kann. Sodann wurde die gesamte Durchführung der Auswanderung von der Abteilung Wanderfürsorge bei der Jüdischen Wohlfahrtspflege übernommen, wo sie jetzt ausschließlich bearbeitet wird. Dagegen ist neben der Wirtschaftsberatung und Wirtschaftshilfe das Gebiet der Berufsumschichtung zur eigentlichen Domäne der Beratungsstelle geworden, die eine beträchtliche bisher von der Wohlfahrtspflege geleistete Umschichtungsarbeit übernommen hat. Mehrere Hundert junger Menschen werden durch die Kasse der Beratungsstelle monatlich unterstützt, damit sie eine Berufsvorbildung, sei es für das Inland, sei es für das Ausland, bekommen können. Die notwendigen Gelder werden zum Teil aus zentralen Mitteln von Berlin beigesteuert, müssen aber auch zu einem erheblichen Teil in Frankfurt aufgebracht werden. Erfreulicherweise hat sich eine Reihe von Persönlichkeiten aus der jüdischen Wirtschaft für die Durchführung des großen Berufsumschichtungswerks interessiert und sich bereit gefunden, der Beratungsstelle mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ueber die innere Umwandlung, die die jungen Kaufleute und Akademiker bei der Berufsumschichtung erleben, wurde in der Juli-Nummer des Gemeindeblattes (Jugendbeilage) von einigen jungen Menschen selbst berichtet. Die Ausbildung erstreckt sich vor allem auf die handwerklichen Berufe der Bau und Autoschlosserei, der Schreinerei, Gärtnerei und Landwirtschaft. Zu erwähnen ist hier besonders der Kurs für Autosch losserei, der seit dem Frühjahr 1934 in Rüs3elsheim nach den Richtlinien der Berliner Zentralstelle eingerichtet wurde und von der Beratungsstelle betreut wird. Die Heranbildung tüchtiger Handwerker ist eine dringende Notwendigkeit für das gesamte Judentum. Daß bei der Umstellung vom geistigen Beruf zur Handarbeit große innere Schwierigkeiten zu überwinden sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Beteiligten Organisationen bemühen sich nach Kräften, den jungen Menschen zu helfen und ihnen den Uebergang zu er- AUSLAND-, spez. PALÄSTINATRAINSPORTE / ALBERT HERZ Sammelladungen Möbel - Koffer (Lift-Van») Schnellverkehr mit Trajektwagen INTERNATIONALE SPEDITION EIGENE LAGERHÄUSER VERPACKUNG -~ ~---~—~-TTT"!- FRANKFURT-M. EIGENER FUHRPARK VERSICHERUNG nach England ohne Umladung TeL30576 Gutleutetra** 31-

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