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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-08-01 · 12 (8.1934) · p. Seite 493

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
12 (8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 493 (sequence 35)
Language
German
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Seite 493 muß, deren Sinn oder deren Aufhebung er sucht. Er will aus dem Erleiden zur Freiheit, aus der Angst zur Ehrfurcht. In der Frühzeit seiner Kulturen flüchtet er zur dunklen, heilig bergenden Mutter^Göttin. Wurzelt er selbst dann in einem festen Lande, wird der Acker erst sein Eigentum und das freundlich Beharrende, dann werden die Beziehungen näher, irdischer, vertrauter: er liebt die schenkende Scholle der Erde, er macht sie zu ihrem Bild, und im Brot empfängt er sie selbst und ihren Segen. Täglich knüpft er so das Urheilige an sein kleines Leben, im frommen Genuß des Brots. . Nicht in der Wüste und im Urwald wächst diese Beziehung des Menschen zum Brot. Er muß seßhaft geworden sein. Die Landnahme muß dieser Umwandlung, der klareren, reineren Liebe zu dem nährenden, fürsorgenden Prinzip vorausgehen. Für die Stämme Israels ruht das Brot, wie ein Sinnbild des gottgeschenkten Landes, zum erstenmal im Stiftszelt, dem ersten Heimatraum, der ihnen als ein Voraus für das künftige Reich gegeben wird, wie die Satzungen und Ordnungen des künftigen Landbesitzes und der Ackerrechte ein Voraus in der Lehre Moschehs sind. Und als Israel landlos wird, bleibt im Tischgebet, das nur nach dem Genuß von Brot gesprochen werden darf, die Dankerinnerung an das Land lebendig. Brot und Wein, Brot und Salz ruhen in der alten Vereinigung auf unserem Tisch; Brot braucht Seßhaftigkeit, Ruhe, braucht Geduld und Warten auf sein Werden — es braucht die Wesensseiten der Frau, bevor es hervorgebracht ist. (Nur Mazzoth werden in Eile fertig!) Die Symbole anderer, alter Dienste — die Weizengarbe, das Aehrenbüschel, die Sichel, der Halbmond usw. — sind für uns nicht gültig. Aber der Brotsegen bindet uns die beiden ewigen Pole des Lebens, das Weibliche und das Männliche, in Brot und Wein zusammen. Sie sind Bilder für die Kräfte unseres Daseins, durch den Segen werden sie in schöner Einheit zusammengefaßt, durch den Segen, der sie miteinander segnet, eins im andern, eins durch das andere. Das Salz aber heißt im 3. Buch Mos. Sinnbild des göttlichen Bundes. Wenn das Brot, das uns die gute Erde im ewigen Wechsel der Reiten und Geschöpfe trägt, mit dem Salz den Hinweis auf das Dauernde, das durch das Gesetz Ewige erhält, spüren wir mit dem Segen die Bindung, die hier vollzogen wird; es ist die Bindung alles Wandelbaren, aller Geburt und alles Todes in der Einheit Gottes. Dr. Martha W e r t h e i m e r Frauenkleidung Die erste Verfügung Rabbi Mendels in Rymanow war, die Töchter Israels sollten nicht in bunten und üppig verzierten Kleidern auf den Gassen einherprunken. Die jüdischen Mädchen und Frauen von Rymanow hielten! sich fortan getreulich an das Gebot des Zaddiks. Aber die Schwiegertochter des reichsten Mannes, die er sich eben aus der Kreisstadt geholt hatte, weigerte sich, ihren Staat unbewundert in den Truhen vermodern zu lassen. Als Rabbi Mendel sie reich beflittert die Hauptstraße auf und ab schreiten sah, ließ er sich die ausgelassensten Gassenjungen kommen und ermächtigte sie, der Frau nachzürufen, was ihnen" das Herz eingäbe. Ergrimmt kam der reiche Mann, eines der Häupter der Gemeinde, zum Rabbi und setzte ihm auseinander, seine Verfügung sei der Thora entgegen, denn Esra der Schreiber habe unter seinen Erlassen auch dies angeordnet, es sollten Händler von Flecken zu Flecken ziehen, damit die Töchter Israels sich schmücken könnten. ..Glaubst du etwa", fragte Rabbi Mendel, „Esra hätte damit gemeint, sie sollten auf den Gassen einherprunken? Und er hätte nicht gewußt, daß keine Frau die ihr zukommende Ehrung anderswo als in ihrem Haus empfangen kann?" Martin Buber Aus ,,Der große Magid und seine Nachfolge1* Ferienaufgaben der jüdischen Mutter In diesen Sommerferien werden die Mütter vielleicht mehr mit ihren Kindern zusammen sein als früher, denn es fällt so vieles fort, was die Mütter sonst in Anspruch nahm, und der Zwang zu sparen bringt die Familie einander näher. Früher konnten in der Sommerfrische die Eltern und Kinder neue Freundschaften schließen, mit denen sie die Freizeit verbrachten, und da auch Lager und Wanderung für die Jugend vielfach fortfallen, so. werden die Mütter jetzt manches beobachten können, was sich ihnen sonst entzog. Ich meine die Art, wie ihre Kinder auf die Umweltsituation reagieren. Da gibt es — je nach der Grundeinstellung zum Leben — zwei prinzipielle Verhaltungsweisen: die des Trotzes und die der Anpassung. Wie jede Mutter weiß, können Geschwister, die im gleichen Milieu und unter den gleichen Einflüssen aufwachsen, sich schon sehr früh verschieden benehmen: und genau diese Grundlinien zeigen sich auch in ihrem Verhältnis zur Außenwelt. Es gibt eine Stufe, in der das Kind notwendig gleichgestimmte Altersgenossen sucht, und — so schmerzlich die Enttäuschung die Mutter auch treffen mag — nur in deren Gesellschaft sich frei und unbefangen gibt, sich sonst durchaus ablehnend allen Annäherungsversuchen gegenüber verhält. Es gibt aber keinen genauen Zeitpunkt für diese Reife, und viel interessanter ist die vorherige Entwicklungsstufe, in der das Kind sich selbständig mit der Umwelt auseinandersetzt, indem es unverstandene Elemente der Außenwelt in seine eigene Welt hinübernimmt und dort spielend (d. h. hier schöpferisch) verarbeitet und durch die Art, in der es geschieht, dem aufmerksamen, aber zurückhaltenden Beobachter verrät, wie seine spezifische Verhältungsweise dem Leben gegenüber ist (und bleiben wird). Die treu beobachtende Mutter wird viele Ueberraschungen erleben, wenn ihr der Sommer einmal so viel Ruhe und Freiheit gibt, dem Spiel ihrer Kinder zuzusehen; wieviel hat das Kind schon aufgenommen, ohne es begreifen zu können, und wie schöpferisch ist es nun tätig, aus diesen fremden Elementen sich etwas aufzubauen! Später wird sich dann gewiß leicht eine Gelegenheit finden, manches zu klären, zu deuten und Schwierigkeiten zu beheben. Wie kann aber die Mutter die große Frage nach dem „Warum" des Geschehens beantworten, der sie nicht ausweichen kann? Die einfachste und natürlichste wird immer die geschichtliche Antwort sein, die gerade in unserer Gemeinde durch eindrucksvolle Zeugen der Vergangenheit so einfach zu geben ist! Leicht zugänglich und immer wieder ergreifend sind diese Monumente und Reliquien, stumm geben sie ihre nicht zu überhörenden Lehren und erstaunlicherweise gibt es immer noch viele, die von ihnen gar nichts wissen, die noch nie mit ihren Kindern den Weg zum jüdischen Museum, zum alten Friedhof fanden! Unsere Vereine sind ja dauernd bemüht, durch gute Vorträge und Führungen Kenntnisse zu vermitteln; für den, der gern dann noch mehr wissen möchte, sind alle Wege leicht gangbar: trotzdem weißich, daß dieser Hinweis hier gar nicht überflüssig ist! Da ist im Schocken-Verlag gerade jetzt im Neudruck ein Büchlein über das Ghettoleben der Frankfurter Juden erschienen, das, zusammen mit den entsprechenden Stellen aus „Dichtung und Wahrheit", uns manche Zusammenhänge aufhellt und, in richtiger Weise durch die Mutter vermittelt, auch dem jungen Kinde begreiflich macht, welche Charaktereigenschaften aus der mittelalterlichen Ghettosituation entstehen mußten, und wie die Umwelt auf diese Züge reagierte. Und warum soll man nicht dann noch weitergehen, von den Wirren und Händeln im Ghetto und ihren unheilvollen Folgen berichten, bewußt die uns räumlich so nahe und auch zeitlich gar nicht so ferne Geschichte für die heutige Situation erzieherisch nutzen? Diese wenigen Anregungen lassen sich natürlich noch sehr ausgestalten, aber sie mögen für heute genügen: die Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, die Gesellschaft für jüdische Volksbildung werden gewiß bereit sein, jeden Wunsch nach Vertiefung jüdischen Wissens unter Frauen und Müttern gern zu erfüllen. Dr. Dora Edinger

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