Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 12 (8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 485 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 485 Kindererholungsfürsorge der Jüdischen Wohlfahrtspflege Der Beginn der Sommerferien gibt Veranlassung, über die Erholungsfürsorge der Abteilung „Jugendfürsorge" der Jüdischen Wohlfahrtspflege zu berichten. Infolge Raummangels muß sich der Bericht auf die 'Aufzählung weniger, aber umso wichtigerer Tatsachen beschränken. Unsere Erholungsfürsorge ist eine Fürsorgearbeit, die sich nicht auf die Spmmerferien beschränkt, sondern das ganze Jahr hindurch intensiv betrieben wird, deren Höhepunkt jedoch in die Sommerferien fällt. Der Gesundheitszustand der Kinder, für die wir zu sorgen haben, hat sich nach Ansicht unserer Aerzte erheblich verschlechtert. Wir versuchen durch Gewährung zusätzlicher besserer Ernährung einen Ausgleich für das zu schaffen, was in ungezählten Fällen das Elternhaus nicht geben kann. Das kann natürlich nicht genügen, um kranken Kindern zur Wiederherstellung und völligen Kräftigung zu verhelfen. Für sie müssen oft besonderer Erholungskuren von vier-, sechs- oder gar "achtwöchiger Dauer durchgeführt werden. Es ist deshalb unsere größte Sorge, den Anforderungen gerecht zu werden, die die Schulbezw. unsere Vertrauensärzte hinsichtlich der Verschickung erholungsbedürftiger Kinder in Heime -an uns stellen. Es handelt sich hierbei ausschließlich um solche Kinder, die auf Grund eines dringenden ärztlichen Verlangens eine Kur, meistens in Verbindung mit Bädern, durchmachen müssen. Ueber 200 Kinder wurden, bezw. werden in diesem Jahr von uns' in die unter ärztlicher Aufsicht stehenden Kindererholungsheime in Bad Kreuznach, Kissingen, Nauheim und Dürrheim geschickt, zu denen noch die Heime in Hofheim i. T. und Neu-Isenburg kommen, falls Bäder nicht notwendig sind. In Fällen, in denen eine ärzt- . liehe Üeberwachung des erholungsbedürftigen Kindes nicht notwendig, eine Unterbringung außerhalb der Großstadt jedoch dringend erwünscht ist, bringen wir die in Frage kommenden Kinder in Landpflegestellen unter. Wir haben bewußt in diesem Sommer eine Ausdehnung auf diesem Gebiet unserer Fürsorge nicht vorgenommen, weil wir unsere erholungsbedürftigen Kinder nur in' ganz besonders geprüften und uns gut bekannten Landpflegestellen unterbringen wollten, um wirklich die .Gewähr "zu haben, daß die Unterbringung bei guter und ruhiger Pflege auch einen Erfolg für das Kind bedeutet. Auf diese Weise erhalten weitere .30 Kinder die für sie so notwendige Erholung. Ferner haben wir ungefähr 30 Kindern einen Ferienaufenthalt und damit eine ausreichende Erholung ermöglicht, daß wir ihnen das Fahrgeld zu den Orten, in.denen sie auf Grund besonderer Einladung von Verwandten und Bekannten Aufnahme finden' konnten, zur Verfügung gestellt haben. Neben diese reine Erholungsfürsorge außerhalb der Großstadt tritt .während der Sommerferien eine örtliche Ferienerholungsfürsor g_e - in besonders großem Umfang. Während dieser Zeit werden von uns, in Verbindung mit dem Israelitischen Kinderhort Bleichstraße, auf einem großen hiesigen Sportplatz am Rande der Stadt für 220 Kinder sogenannte „Ferienspiele" durchgeführt. Die Kinder fahren morgens mit der Straßenbahn auf den Platz hinaus, auf dem sie sich bei Sport und Spiel, bei ausreichender Ruhe und guter Verpflegung (zweites Frühstück, Mittagessen, Vesper) erholen sollen und können. Ueber die „Ferienspiele" wird später noch ausführlich im Gemeindeblatt berichtet werden. Beträchtliche Mittel sind für alle diese Zwecke von uns aufgebracht worden und noch weiter aufzubringen. Und wenn die große Sorge der . Mittelbeschaffung auch noch nicht restlos beseitigt ist. so haben die für die Kindererholungsfürsorge Verantwortlichen doch den Mut gehabt, auch in diesem Jahre die Erholungsfürsorge für hilfsbedürftige Kinder durchzuführen"; dürfen sie hierbei doch das frohe Bewußtsein haben. 500 in der Entwicklung begriffenen jungen Menschen zur Stärkung ihres kostbarsten Gutes, ihrer Gesundheit, verholfen zu haben! 150 mal Ferienglück! Das Ferienhilfswerk 1934 des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten e. V., Landesverband Südwestdeutschland Ferien auf dem Lande! Leuchtende Kinderaugen, Jauchzen, frohes Lied und Spiel — die ganze Sommerfreude schließen diese vier Worte in sich ein! Und wir sollen dieses Ferienglück den erholungsbedürftigen Kindern unserer kriegsbeschädigteri und erwerbslosen Kameraden, unserer in bedrängte Verhältnisse geratenen Glaubensgenossen geben dürfen? Wir freuten uns. daß wir von unserer Bundesleitung die Erlaubnis erhielten, unsere Schirmherrschaft über die. deutsch-jüdische Jugend auch auf diesem segensreichen Gebiet ausüben zu dürfen. Mit Eifer stürzten wir uns in die Arbeit. : Die Aufgabe konnte nur durch Weckung des Gemeinsinnes und der Hilfsbereitschaft gelöst werden. In vielen hundert Rundschreiben warben ■wir bei unseren Kameraden in den Badeplätzen, in den Luftkurorten und auf dem Lande für die schöne Idee unseres Ferienhilfswerkes und forderten sie auf, uns Freiplätze für die ■ Grofistadtjugend zur Verfügung zu stellen. Kameraden stellten uns ihre Kraftwagen zur Verfügung und die Mitglieder des Arbeitsausschusses, der sich aus Kräften der Geschäftsstelle, Damen und Herren des Vorstandes zusammensetzte, besuchten trotz der drückenden Hitze in 13—14 stündigen Fahrten an den Sonntagen die in Frage kommenden Familien im Odenwald und Taunus. Ueberall hatte man volles Verständnis für die, Größe dieser sozialen Tat. Hie und da noch auftauchende Bedenken köhnfefi leicht ausgeräumt werden. Mit Stolz durften wir feststellen, daß das Verbundenheitsgefühl zwischen Stadt und Land und die Hilfsbereitschaft unserer Kameraden und Glaubensgenossen denjenigen unserer übrigen deutschen' Mitbürger in nichts nachstehen. — Im Rheingau, in der Kreuznacher Gegend und im Hunsrück wirkten bewährte Kameraden, für unsere schöne Sache mit gleich großem Eifer und gutem Erfolg. — Durch die Blork- und Straßenältesten unserer Groß-Frankfurter Organisation und die Ortsgruppen von Offenbach. Hanau, Darmstadt, Mainz, Wiesbaden und Worms wurden;- auch. '' in Verbindung mit anderen jüdischen Organisationen der Wohlfahrtspflege, die erholungsbedürftigen Kinder der .weniger begüterten . Glaubensgenossen ausfindig gemacht. Die Arbeit wurde uns wesentlich dadurch erleichtert, daß jeder, der von . unserem schönen Ferienhilfswerk hörte, sich unaufgefordert freudig in seinen Dienst stellte. In zahlreichen Hausrecherchen wurden die Verhältnisse der für den Fexienurlaub angemeldeten Kinder geprüft und zugleich festgestellt, was ihnen an Ausstattung mit Kleidern, Schuhwerk usw. fehlTe. Für die notwendigen genauen Gesundheitsuntersuchnngen stellten sich Aerztekameraden ehrenamtlich zur Verfügung. Inzwischen hatte sich durch reiche Spenden von Kämeraden unsere „Kleiderkammer" rasch gefüllt, und es konnte umit-der Ausgabe der meist neuen oder nur wenig getragenen Kleidung, Wäschestücke und Schuhe begonnen werden. Dann kam die Verteilung-jpder ,;Kinder auf die verschiedenen Freistellen, bei,. welcher der religiösen Einstellung in jeder: Hinsicht Rechnung getragen wurde." Bei der Begeisterung für unser Ferienhilfswerkwar es selbstverständlich,, daß die Transportfrage keine Schwierigkeiten bieten konnte; die benötigten Fahrzeuge, Privatwagen und Lastkraftwagen, wurden uns bald von Kameraden Seite zur Verfügung gestellt. Alles war so organisiert, daß es militärisch klappte. Kinder und Gastgeber waren rechtzeitig benachrichtigt worden. Jedes Kind erhielt einen Ferienpaß und eine Frei-Postkarte, damit es seine Eltern von seinem guten Eintreffen sofort benachrichtigen konnte. Wir wollen hoffen, daß die Kinder gut erholt, braun gebrannt und mit roten Backen zu uns zurückkehren. Siegmund Rosenstrauß, Landesverbands-Geschäftsführer. Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes Der von der Schulverwaltung für Ausübung von Sport und Spiel freigegebene Nachmittag kann auf Anregung der Ortsgruppe von den jüdischen Kindern bei den Vereinen Jüd. Turnerbund, Rückertstraße 47, Schild, Zeil 49, Bar Kochba, Eschersheimer Landstraße 65. verbracht werden. Anmeldungen direkt oder an die Geschäftsstelle Hans-Handwerk- Straße 3. Musikalische Nachmittage für schulpflichtige Kinder sollen a) zur Pflege des gemeinschaftlichen und freien Singens, b) zur Pflege von Gehör und Rhythmus eingerichtet werden. Leitung: Dr. N. Ehrenreich und Heida Hermanns-Holde. Die musikalischen Nachmittage sollen einmal wöchentlich stattfinden. Anmeldungen an die Geschäftsstelle Hans- Handwerk-Straße 3. _ Erklärung Vom Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt Jeschiwa erhalten wir nachstehende "Zuschrift: Eine große Zahl von Mitgliedern unserer Gemeinde und Förderer unserer Anstalt erhielten in den letzten Wochen Zirkularschreiben vom „Hilfswerk für die Berufsumschichtung an der Thora-Lehranstalt Jeschiwa". Auf dem Briefkopf sowohl wie in dem Text des Schreibens fehlt jede Bezeichnung der Leitung und der Unterrichtsstätte der Anstalt, lediglich eine Briefadresse Palmstraße 11 (ohne Namen) und Postscheckkonto sind angegeben. Zahlreiche an uns gerichtete Anfragen zeigen, daß vielfach die Meinung erweckt wurde, als ob das Zirkularschreiben, dessen Inhalt auch die Ziele darlegt, die unsere Anstalt schon seit Jahren erstrebt, von uns ausgegangen sei. Um dieser irrigen Meinung vorzubeugen, machen wir darauf aufmerksam, daß dieses Zirkularschreiben mit der in unserer Gemeinde bestehenden Rabbinischen Lehranstalt Jeschiwa unter ' Leitung des Gemeinde-Rabbiners Dr. J. Hoffmann. Theobaldstraße 6. nichts zu tun hat. Die von dieser Anstalt zur Versendung kommenden Schriftstüfkc enthalten stets deutlich die Bezeichnung der Leitung (Gemeinde-Rabbiner Dr. Hoffmann) und Unterrichtsstätte (Theobaldstraße 6) sowie Postscheckkonto Nr. 21010. _ Verein Wohltätigkeit Chewroh Gemilaus Chassodim Wie seit vielen Tahrzehnten. hält auch in diesem Jahre die Chewroh an den hohen Herbstfeiertagen für ihre Mitglieder Gottesdienste auf streng konservativer Grundlage ab. Für die Mitglieder und deren Familien i«t die Teilnahme an diesen Gottesdiensten, die durch geschulte Vorbeter abgehalten werden und in denen gepredigt wird, kostenlos, Gäste sind willkommen. Die Veranstaltung dieser Gottesdienste bildet jedoch eine zusätzliche Leistung des Vereins Wohltätigkeit. Seit über 34 Tahren macht er es sich zur eigentlichen Pflicht, bei eintretenden Trauerfällen in den Familien seiner Mitglieder während der Trauertage Min jan abzuhalten. Außerdem leistet er geldliche Beihilfe für die Schiwoh-Tage. Tm Dezember 1033 wurde iifben der üblichen zweimal im Jahre verteilten Spende an hilfebedürftige Mitglieder eine Channukka-Spcnde in Form von Kohlen ausgegeben. Diese Einrichtung zusammen mit der Sterhekasse des Vereins, die Sterbegelder bis zur Höhe von 200 RM. gewährt, machen die Tätigkeit der Chewroh Gemilaus Chassodim zu einer besonders segensreichen in unserer Gemeinde. Israelitischer Brotverteilungsverein Der Israelitische Brotverteilungsverein begann vor mehr als fünf Jahrzehnten damit, daß die jüdisch fühlende Frau Hannah Gold Schmidt. Schwester der Brüder Samuel, Michael und Tsaak Mainz, anfing, auf Sabbath Woche für Woche an würdige Arme Mehl zu schenken, damit dieselben ihre Sabbathbrote backen konnten. Bald war es nötig, weitere Kreise zu gewinnen, die durch regelmäßige Beiträge ihr Scherflein für die Brotverteilung beitrugen. Im Jahre 1892 setzte die Tätigkeit des Israelitischen Brotverteilungsvereins mit dem Motto: ..Brich dem Hungrigen Dein Brot" ein. Frauen und Männer brachten die Mittel auf, damit Monat für Monat mehrere Hundert Laibe Brot an eine Reihe würdiger, verarmter Familien auf Grund von Brotscheinen. die der Verein gratis verteilte, ausgegeben werden konnten. Längst weilt die Gründerin nicht mehr unter den Lebenden: sie hat sich durch ihr charitatives Hilfswerk ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Durch Weltkrieg und Inflation wurde die Zahl derjenigen Familien, die im Israelitischen Brotverteilungsverein einen Retter aus Not und Verzweiflung sahen, immer größer. Bittere Not brachte es mit sich, daß heute viele würdige Familien in regelmäßiger monatlicher Belieferung ihr Brot empfangen, die noch vor wenigen Jahren selbst zu eifrigen Spendern dieses Hilfswerkes zählten. Gerade diese Familien werden in diskretester Weise versorgt, so daß die einzelnen Familienmitglieder keine Ahnung haben, woher der Brotsegen kommt. Infolge der immer wachsenden Anforderungen sind die Mittel des Brotverteilungsverejns fast erschöpft. Sollen sie nicht ganz versiegen und die Armen dadurch dem Hunger preisgegeben werden, dann ist mehr als je die verständnisvolle Hilfe aller derjenigen Glanbensgenossen nötig, die heute noch in der. Lage sind spenden zu können. ISUPA. Israelitische Suppenanstalt E. V. Die ordentliche Mitgliederversammlung nahm den Geschäftsbericht für das Jahr 1933 entgegen. Es wurden in der Anstalt 99127 Portionen Essen ausgegeben, darunter 45 775 Portionen an Kinder. In dieser Zahl sind nicht eingeschlossen die Zahlen des Wöchnerinnen-Depots, sowie die Kranken- und Gefangenen-Speisung. Für die gesamten Leistungen wurden ca. 50 000 RM. benötigt, aufgebracht durch Beiträge der Mitglieder und Spenden, der Gönner der Anstalt im I"- und Auslande. Der Vorstand der Anstalt setzt sich nach erfolgter Neuwahl wie folgt zusammen: Lucien Picard, Dr. Oscar Klau. Ignaz Bergenthal. Leon Mainz.' Ernst Schwabacher, Dr. Gustav Simon, Dr. Ernst Kirchheim. Alfred J. Grünebaum. Selbsthilfegruppen jüdischer Blinder und Körperbehinderter in Deutschland Kurz vor der sehr gut besuchten öffentlichen Werbeversammlung am 11. Juli traten die Blinden und Körperbehinderten in Tei rennten Gruppen zusammen und bildeten je eine Ortsgruppe für Frankfurt a. M. und Umgebung mit der Geschäftsstelle Bleichstraße 8. Obmann der Blindengruppe ist Max Leopold, ihm beigeordnet Emil Münster. Der Vorstand der Körperbehinderten-Gruppe ist Irma Dresdner, Walter Grunstein, als Schriftführer, und Dora Kelsen. § 1 JS 1' § 5 § 2 s; & I 55* <S' S ^" & §. «4 s- § * s i $