Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 12 (8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 481 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 481 Jüdische Chronik Deutschland Berlin. Am 24. Juni 1934 trat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden nach längerer Pause zu einer Sitzung zusammen. Der Präsident, Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff gedachte zunächst in ehrenden Worten der verstorbenen Ratsmitglieder Naphtali Fromm, Frankfurt a. M., und Emil Waldstein, Breslau, und dankte alsdann den Herren Geheimrat Goldfeld, Breslau und Schocken, Berlin, die ihr Mandat niedergelegt hatten, für ihre treue Mitarbeit. Für den ausgeschiedenen Schriftführer Geheimrat Goldfeld wurde Stadtrat Leß und für den Beisitzer S. Schocken Rabbiner Dr. Emil Levy in den Engeren Rat gewählt. Ueber die verschiedenen Tätigkeitsgebiete des Landesverbandes erstatteten die zuständigen Dezernenten ausführliche Berichte, die ein umfassendes Bild der gesamten und besonders innerhalb des letzten Jahres erweiterten Arbeit des Landesverbandes. Von verschiedenen Seiten wurde die Bedeutung der Landesverbandsarbeit in der heutigen Zeit stark . unterstrichen und der Wunsch geäußert, die Berichte über diese umfassende und fruchtbare Tätigkeit weitesten Kreisen des deutschen Judentums zugänglich zu machen. Besonders nachdrücklich wurde auch von mehreren auswärtigen Ratsmitgliedern auf die ordnungsmäßige und — bei Erfüllung aller aus der Landesverbandsarbait sich ergebenden Gemeinschaftsausgaben — äußerst sparsame Finanzgebarung des Landesverbandes hingewiesen. Schließlich kam in der Debatte zum Ausdruck, daß auch im Preußischen Landesverband die innerjüdischen Weltanschauungsgegensätze nicht mehr zu fruchtlosen Debatten führen, sondern daß bei völliger Wahrung des jeweiligen Standpunktes doch eine tatkräftige Bearbeitung der gemeinsamen praktischen Aufgaben durchgeführt wird. — Die erste von der Reichsvertretung der deutschen Juden veranstaltete Lehre rfortbildungs-Woche wurde am 1. Juli mit einer kurzen Feier im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Lehnitz eröffnet. Eine Woche lang wurden etwa 60 Lehrer aus Mittel-, Nord- und Ost-Deutschland, insbesondere aus Berlin, Breslau, Halberstadt, Hamburg, Hannover und Stettin in jüdischem Wissen unter Leitung von Prof. Martin Buber ausgebildet. — Wie in der Tagespresse bekanntgegeben wird, hat der Preußische Innenminister Anweisungen über die Aenderung von Familiennamen und Vornamen herausgegeben. In diesen Anweisungen heißt es, daß Anträgen von Nichtariern, ihren Namen zu ändern, grundsätzlich nicht stattgegeben werden soll, damit die nichtarische Abstammung nicht verschleiert werde. Nur anstößige jüdische Namen könnten in andere jüdische Namen umgeändert werden. Personen arischer Abstammung, die Namen tragen, die nachallgemeiner Auffassung jüdisch klingen, könnten diese Namen ändern. Dahin solLen aber nicht Namen gerechnet werden, die' auch von Juden, häufiger aber von Christen getragen werden, wie Meyer iisw. — Das Palästina-Amt der Jewish Agency for Palestine teilt mit: Durch einen soeben veröffentlichten Runderlaß der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung vom 23. Juni 1934, Nr. 59/34, wird bestimmt, daß Auswanderer statt des bisherigen Höchstbetrages von Rm. 10 000.— nur noch in bar bis zu Rm. 2000.— zur Freigabe genehmigt erhalten können. E.s werden daher künftig grundsätzlich nicht mehr als bis Rm. 2000 — in bar bewilligt werden. Für die Auswanderung nach Palästina bleibt es aber mit Rücksicht auf die getroffeneu besonderen Abkommen bei den bisherigen Grundsätzen, wonach das Vorzeigegeld von £P 1000.— grundsätzlich in bar zur Verfügung gestellt wird. Voraussetzung für die Anmeldung bei der Reichshauptbank Berlin ist die Vorlage a) des vorläufigen Devisenbescheides (verbindliche Zusage), b) der Einwanderungserlaubnis der palästinensischen Regierung (Zertifikat der Kategorie A 1 der britischen Paß-Stelle Berlin), c) der Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes. Nach -Vorlage dieser Unterlagen wird die Reichsbank dann den Anmeldenden mitteilen, in welcher Frist mit der Zuteilung zu rechnen ist. — Durch Verfügung des Polizeipräsidenten von Berlin wird das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zur Ausgabe der amtlichen Erkennungs- Teppiche und Gardinen l binden für körperlich Behinderte, Blinde und Taube ermächtigt. Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Abt. Bildende Künstler hat vor einiger Zeit ein Preisausschreiben für den Entwurf zu einem jüdischen Kalender veranstaltet. Aus den zahlreich zugegangenen Einsendungen wurde der Entwurf von Fritz Salender für die Ausführung angenommen und mit einem Preise ausgezeichnet. Ferner wurden die Arbeiten von Josef Avrach, Lilli Skolny und Heinz Wallenberg mit Preisen bedacht. — Der Reichsausschuß jüdischer Jugendveibände, die vom Reichsjugendführer anerkannte zentrale Organisation der jüdischen Jugend Deutschlands, veranstaltet am 19. August auf dem Sportplatz der Jüdischen Gemeinde in Berlin-Grunewald ein Sportfest, an dem alle dem Reichsausschuß angeschlossenen Jugendbünde Berlins, die deutsch-jüdischen ebenso wie die zionistischen, teilnehmen werden. — Die Bundesleitungeu des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und des Bundes Deutsch- Jüdischer Jugend veröffentlichen ein am 29. Juni 1934 vom* Bundesvorsitzenden des RjF., Dr. Leo Löwenstein, und vom Bundesleiter des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend, Martin Sobotker, unterzeichnetes Abkommen über die Gestaltung der Jugendarbeit durch die beiden Bünde. — Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt mit: Der Führerrat des Reichsausschusses hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, sich an die Leitungen aller ihm angeschlossenen Bünde und Verbände mit der Aufforderung zu wenden, die Beitragskartenaktion des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau zu unterstützen. Bestimmend für diesen Beschluß war die Tatsache, daß mit der neugeschaffenen Beitragskarte der Versuch gemacht werden soll, das Hilfs- und Aufbauwerk des deutsehen Judentums auf eine breite und volkstümliche Grundlage zu stellen. Die niedrigen Beitragssätze, die schon von einem Monatsbeitrag von 25 Pfennig aufwärts möglich machen, sich am Aufbauwerk zu beteiligen, geben auch der Jugend die Möglichkeit der Teilnahme. Das Hilfs- und Aufbauwerk des deutschen Judentums dient mit in erster Linie der heranwachsenden Generation. Es muß eine Ehrenpflicht für jeden jüdischen Jugendlichen sein, durch tatkräftige Hilfe dafür zu sorgen, daß dieses der Jugend dienende Werk erhalten werden kann. Wir fordern daher alle Verbände, Bünde und (huppen, sowie alle jüdischen Jugendlichen auf, sich an der Werbearbeit für die Beitragskarten mit vollem Einsatz zu beteiligen. — Im Rahmen eines von den im Reichsausschuß der BAMBERGER& HERTZ Die zuverlässigen Kleiderfachleute