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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-08-01 · 12 (8.1934) · p. Seite 470

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
12 (8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 470 (sequence 12)
Language
German
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Seite 470 Der König und sein Gast begannen zu spielen. Zwei Partien gewann der Herrscher, vier der Fremde und eine blieb unentschieden. Nun befahl König Salömo, ein kleines Maß Weizenkörner zu bringen. Er legte auf das erste Feld ein Korn, auf das zweite zwei Körner, auf das dritte vier, auf das vierte acht, auf das fünfte sechzehn. Aber bald fehlte es auf den Feldern an Raum, und man mußte den Fußboden zu Hilfe nehmen. Sie begannen die zweite Reihe zu belegen. Die Weizenkörner reichten nicht. Alsdann ließ der König noch zwei Maß Weizen bringen und legte sie auf einige der nächsten Felder. Und wieder war ihre Zahl zu klein. Darauf befahl er die Sternzähler zu sich und sprach: „Ihr großen Meister, rechnet genau aus, wieviel Körner ich auf das Schachbrett des fremden Künstlers legen muß, damit ich ihm meine Schuld bezahlen kann." Die Sternzähler entfernten sich. Sie rechneten einen ganzen Tag, dann noch einen zweiten. Am dritten Tage traten sie vor den König mit dem Ergebnis der Berechnung. Auch der Fremde war zugegen. „Allweiser König", verneigte sich einer der Männer, „es ist fraglich, ob du überhaupt jemals imstande sein wirst, dem Fremden deine Schuld zu bezahlen. Befiehl, eine Kornkammer zu bauen von fünftausend Ellen Länge, dreitausendfünfhundert Ellen Breite und tausendfünfhundert Ellen Höhe, laß darin ein Jahr, ein zweites und noch drei Jahre hindurch die ganze Ernte aus deinem Königreich unterbringen, und wenn die Kornkammer bis unter das Dach angefüllt sein wird, gib sie dem Fremden. Erst dann wirst du deine Schuld getilgt haben." Erstaunt wandte sich König Salomo an seinen Gast: ..Du hast gehört, Fremdling, was die Sternzähler sagten. Sprich, kanntest du die Höhe des Einsatzes, zu der du mich für meinen Verlust verpflichtet hattest?" „Ich wußte, allmächtiger König, daß keine Schätze der Welt zum Ankauf von Weizenkörnern ausreichen, mit denen; man sämtliche Felder des Schachbrettes in der von mir verlangten Weise belegen wollte." „Weshalb hast du mich irregeführt? Weshalb ließest du einen Einsatz zu, der die Grenze meiner Leistungsfähigkeit übersteigt und mich zum Wortbruch verurteilt?" „Zürne mir nicht, allmächtiger König, daß du dein Wort brechen mußtest, das du mir in völliger Unkenntnis der Dinge gegeben hattest", erwiderte der Fremde. „Nicht um der Körner willen habe ich mit dir gespielt. Ich hatte einzig und allein im Sinn, deinen erhabenen Geist durch eine neue Erkenntnis zu bereichern. Aber nicht nur an der gewaltigen Zahl der Körner wird deine Weisheit erleuchtet werden, sondern am Menschengeschlecht, an allen Völkern, die deine Untertanen sind, und auch an denen, über die du nicht gebietest." „Wunderliche Dinge sprichst du, Fremdling. Wie sollte dein Schachbrett meinen Geist erleuchten? Erkläre mir den Sinn deiner Rede. Und wenn deine Zunge Torheiten spricht, so büßest du deine Frechheit mit dem Kopfe." „Ich bin bereit, großer König, dir den Sinn meiner Worte zu erklären." Der Fremde legte das Schachbrett auf den Tisch vor den König, nahm einen Haufen Weizenkörner und sprach: „Das Korn auf dem ersten Felde bist du, erhabener König. Auf das zweite Feld lege ich zwei Körner. Das sind dein Vater und deine Mutter, die dich zur Welt brachten. Auf das dritte Feld lege ich vier Körner. Das sind deine Großväter und deine Großmütter. Die acht Körner auf dem vierten Felde sind deine Urgroßväter und deine Urgroßmütter, die deinen Großeltern das Leben gaben. Die sechzehn Körner auf dem fünften Felde sind die sechzehn Vorfahren, die deine Urgroßväter und Urgroßmütter das Licht der Welt haben erblicken lassen." „Halt ein", rief der König, „du hast meinen Geist mit einer großen Erkenntnis erleuchtet: es gibt keinen Menschen auf der Welt, der nicht denselben Ursprung hätte, den auch ich habe." „So ist es", sagte der Fremde. „Und wer dem anderen das Leben raubt, raubt es seinem Bruder, wer dem anderen etwas gibt, gibt es seinem Bruder, und wer dem anderen etwas nimmt, nimmt es seinem Bruder." „So" ist es", erwiderte der Fremde. „Das ist aber noch nicht alles. Wir hatten unsere Wanderung in die Vergangenheit vom ersten Felde des Schachbretts begonnen und haben gesehen, daß es keine Menschen gibt, die nicht Brüder wären. Nun laß uns in die künftigen Jahrhunderte wandern. Ich lege wieder ein Korn auf das erste Feld. Das bist du. Zwei Körner auf dem zweiten Felde sind deine Kinder: Auf das dritte Feld lege ich vier Körner. Das sind die Kinder deiner Kinder. Das vierte Feld bekommt acht Körner. Das achte hundertachtundzwanzig. Das .einundzwanzigste Feld eine Million achtundvierzigtausend fünfhundertsechsundsiebzig Körner." Wieder unterbrach König Salomo den Fremden. „Ich sehe, ich sehe, sechzehn Millionen siebenhundertsiebenundsiebzigtaüsendzweihundertsechzehn Nachkommen ergibt das erste Feld der vierten Reihe des Schachbretts. Und es dürfte auf dem ganzen Erdball kein Raum mehr sein für die Menschenzahl, die sich nach deiner Berechnung auf dem letzten Felde ergeben würde." „So ist es, erhabener König. Begreifst du die tiefere Bedeutung meiner Zahlen?" w Die Frankfurter Bank, Neue Mainzersfrafje 69 gegründet 1854 übernimmt die Ausführung alier bankmässigen Geschäfte bei billigster und raschester Bedienung Spareinlagen gegen Sparbuch ist Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen PP17 Mäntel und Jacken J.HESS I Wifc Moderne Besätze^r""9""^^ l BieDeroasse i LÜH

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